Schalkes Ex-Manager Andreas Müller bricht sein Schweigen und weist eine Mitschuld an den Finanzproblemen weitgehend von sich.

München - Schalkes ehemaliger Manager Andreas Müller wehrt sich vehement gegen Vorwürfe, die Finanzmisere des Traditionsklubs mitverschuldet zu haben.

"Wenn man so etwas nun behauptet, ist das eine absolute Sauerei. Die Rolle des Sündenbocks nehme ich niemals an," sagte Müller in einem Interview in der Donnerstag-Ausgabe des "Express".

Bei einem Neuanfang sei es immer leicht, alles Vorherige schlecht zu machen. Sich einen Schuldigen herauszupicken, falle gerade in einem Klub wie Schalke auf fruchtbaren Boden. Aber es habe keine gravierende Entscheidungen gegeben, die nicht von allen Gremien getragen worden seien.

Dramatische Lage im Frühjahr nicht abzusehen

Als er im Frühjahr beurlaubt wurde, sei nach Müllers Aussage noch nicht abzusehen gewesen, wie dramatisch die wirtschaftliche Lage würde.

Inzwischen plagen die mit 136,5 Millionen Euro verschuldeten Gelsenkirchener akute Liquiditätsprobleme.

Personalkosten nicht das Hauptproblem

"Es überrascht mich, was ich an Zahlen lese. Die genauen Hintergründe kenne ich nicht. Im Januar bekam ich erstmals vom Aufsichtsrat den deutlichen Auftrag, die Personalkosten senken zu müssen. Das habe ich noch im Januar getan", erklärte der Ex-Profi.

"Schalke hat doch nicht nur Kaderkosten. Auch das Stadion und die Anleihe müssen bezahlt werden. Die Personalkosten betrugen unter meiner Regie nie mehr als 50 Prozent des Umsatzes - ein glänzender Wert in der Fußballbranche", ergänzt der 46-Jährige.

Ze Roberto hinter Müllers Rücken verpflichtet

Die Verpflichtung des Brasilianers Ze Roberto soll darüber hinaus nicht Müllers Idee gewesen sein. "Das Interesse an diesem Spieler gab es schon im August 2007. Damals haben wir ihn nicht geholt, weil er meines Ermessens viel zu teuer war", berichtet der gebürtige Stuttgarter.

"Zudem stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass sein körperlicher Zustand sehr schlecht war. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich größte Bedenken", so Müller weiter.

Hinter seinem Rücken sei der Deal dann perfekt gemacht worden. "Im Oktober war ich eine Woche nicht da, genau in dieser Zeit machte Schalke eine Transferzusage, auch Verträge wurden geschrieben ? ohne mein Wissen."

Damit widerspricht Müller den Vorwürfen von Aufsichtsrats-Boss Clemesns Tönnies, der Ze Roberto als Müllers Wunschspieler bezeichnet hatte. Ze Roberto bestritt nur drei Bundesliga-Partien für Schalke und spielt mittlerweile wieder in Brasilien bei Flamengo Rio de Janeiro.

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