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Anatolyi Tymoshchuck hat in 79 Länderspielen ein Tor für die Ukraine erzielt © getty

"Ich weiß, dass ich mehr kann", sagt Anatoliy Tymoshchuk zu Sport1.de. Eine feste Größe ist er beim FC Bayern noch nicht.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Bescheiden ist er nur verbal.

Er trägt eine moderne Uhr, drei mattsilberne Ringe an den Fingern, das Hemd ist in die Hose gesteckt, das schwarze Jackett maßgeschneidert.

Anatoliy Tymoshchuk sitzt entspannt am Tisch beim Pressegespräch an der Säbener Straße. Die langen blonden Haare klemmen seitlich hinter den Ohren.

Sein Gesicht ist frei, doch er blickt selten auf.

Der ukrainische Neuzugang des FC Bayern ist in München angekommen. Seinen Platz sucht er noch.

Chance dank van Bommels Verletzung

Es klingt ernüchternd. Aber ist Mark van Bommel, der unangefochtene Kapitän, nach seinem Zehenbruch wieder fit, muss der 30-Jährige wohl wieder zurück auf die Bank - oder auf den ungeliebten rechten Flügel weichen.

"Tymo" hat momentan die Chance, sich unersetzbar zu machen. Er wird zwar immer besser, doch bislang überzeugt er nicht so, wie es sein Ruf hätte vermuten lassen können.

Beim 3:0 gegen den VfL Wolfsburg war er stark, schaltete blitzschnell um und gewann entscheidende Zweikämpfe, was definitiv eine seiner herausragenden Fähigkeiten ist (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

In den übrigen vier Pflichtspielen, in denen er von Beginn an ran durfte, fiel er aber kaum auf, spielte viele Sicherheitspässe und wirkte - im Vergleich zu van Bommel zuvor - nicht voll integriert.

Kein Zeichen der Resignation

Noch resigniert der 11-Millionen-Euro-Mann, der von Zenit St. Petersburg kam, nicht, obwohl auch ihm bewusst ist, dass er noch nicht sein ganzes Potenzial ausschöpft.

"Es geht immer besser. Ich fühle mich fit. Aber ich weiß, dass ich noch mehr kann", gibt er auf Nachfrage von Sport1.de zu.

Immerhin stellt er fest, dass ihm das Gefühl, gesetzt zu sein, mehr Selbstbewusstsein verleiht. Auf seine Psyche hat sich die Verletzung von van Bommel positiv ausgewirkt.

"Das Gefühl wächst. Es fühlt sich schon alles leichter an. Dass ich jetzt immer von Beginn an spielen durfte, ist ein positiver Aspekt", sagt er.

Grätschen gegen "Iron Mike"

Daran, dass van Bommel ihm seinen Platz bald wieder streitig macht, will er noch keinen Gedanken verschwenden.

Wer aufgestellt werde, sei "ganz allein die Sache des Trainers". Angst, so heißt es, habe er sowieso vor nichts und niemandem.

In der Vergangenheit soll er mal die Aussage getätigt haben, dass er sich sogar gegen Mike Tyson in den Boxring trauen würde - allerdings unter einer Voraussetzung: "Ich würde gegen ihn antreten, wenn man mir das Grätschen dabei erlauben würde."

Derby keine Besonderheit

Bissig ist "T-44", wie er einst von russischen Medien in Anlehnung an seine Rückennummer und einen Kampfpanzers getauft wurde, in jedem Fall.

Am Samstag im Bayern-Derby gegen den 1. FC Nürnberg (ab 15 Uhr LIVE) möchte er mit dem Rekordmeister den Abstand zu Spitzenreiter Hamburger SV weiter verkürzen.

"Für mich hat jedes Spiel Derby-Charakter. Es ist für mich ein Muss, das Beste zu geben", sagt er.

Schwarzer Tee statt Wiesn-Bier

Ganz Bayern lechzt zum Wiesn-Auftakt nach einem Erfolg.

"Ich weiß, dass es ein wichtiges nationales Fest ist und ich bin beeindruckt davon, dass viele mit Lederhosen herumlaufen", betont Tymoshchuk, der bei einem Foto-Shooting bereits eine Lederhose anprobierte 143892(DIASHOW: Die Bayern in Lederhosen).

"Ich habe mich sehr gut dabei gefühlt", lacht er. An einer Maß Bier wird der Mittelfeldspieler, zu dessen Leibspeisen Kalbfleisch mit Barolo-Soße zählt, aber trotzdem nicht nippen.

Er lehnt Alkohol strikt ab und bevorzugt stattdessen Schwarzen Tee.

"Kein Problem" in der Defensive

Insgesamt sieht er die Münchner nach dem holprigen Start auf einem guten Weg. Probleme gebe es angesichts eines Überangebots an teuren Stars nicht. Er charakterisiert das Team als ausgewogen.

Auch in der Defensive? "Auch da haben wir kein Problem", macht er gegenüber Sport1.de deutlich.

Er wolle das Team auch nicht nach Mannschaftsteilen beurteilen:

"Namen sind nicht entscheidend. Das Gefüge muss funktionieren. Nicht einzelne Spieler lassen den Stern leuchten, sondern die ganze Mannschaft."

Das "Gefüge" wird gegen den Club in jedem Fall wieder etwas komplexer, denn es geht aufwärts für die verletzten Profis.

Klose bald wieder dabei

Am Donnerstagvormittag absolvierte Martin Demichelis (Bänderriss im Sprunggelenk) eine intensive Fitnesseinheit, ein paar Meter weiter war van Bommel bei einer Laufeinheit zu sehen.

Miroslav Klose, der in den letzten Tagen auf eigenen Wunsch ein Aufbauprogramm durchlief und zusätzlich zweimal bei den FCB-Amateuren mittrainierte, räumte Trainer Louis van Gaal gute Chancen auf eine Rückkeghr in den Kader ein.

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