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Thomas Hitzlsperger will mit dem VfB gegen Köln wieder in die Erfolgsspur zurück © getty

Vor dem "Krisen-Gipfel" zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1.FC Köln fürchtet man bei beiden Klubs einen weiteren Absturz.

Von Matthias Becker

München/Stuttgart - Markus Babbel muss in dieser Saison beim VfB Stuttgart einen schwierigen Spagat schaffen.

Fast die Hälfte der Woche verbringt er bei der Fußballlehrer-Ausbildung in Köln, die übrige Zeit ist er als Teamchef für die sportlichen Geschicke des Stuttgarter Luxus-Kaders verantwortlich.

Im Schwabenland macht man sich naturgemäß Sorgen, dass diese Teilzeitrolle des Coachs auf die Mannschaft abfärbt.

Nicht zu Unrecht, wie das maue 1:1 zum Champions-League-Auftakt gegen die Glasgow Rangers zeigte: Denn was das Team dort zeigte, erinnerte, wie schon bei einigen Bundesliga-Auftritten in dieser Saison, ebenfalls an Teilzeit-Arbeit.

Eine gute Halbzeit reicht nicht

In Hamburg zuletzt zeigte der VfB nur 30 ordentliche Minuten, gegen die Rangers waren es immerhin schon 45, aber auch das reicht natürlich nicht.

"Wir müssen in Zukunft den Gegner auch über 90 Minuten im Griff haben", fordert Sami Khedira im Gespräch mit Sport1.de. Und auch Kapitän Thomas Hitzlsperger bestätigt:

"Diese Schwierigkeiten hatten wir auch schon in der Bundesliga. Da müssen wir jetzt herausfinden, woran es liegt, und die Fehler abstellen."

Am Samstag gegen Köln

Die Analyse muss aber schnell erfolgen. Denn am Samstag kommt mit dem 1. FC Köln der sieglose Tabellenletzte in die Stuttgarter Arena (ab 15 Uhr LIVE).

"Die Kölner brauchen zwar auch die Punkte, aber da werden wir schon einen Dreier machen", zeigt sich Nationalspieler Serdar Tasci im Gespräch mit Sport1.de zwar zuversichtlich.

Ganz so locker dürfte das aber nicht laufen. "Köln steht mit dem Rücken zur Wand, aber auch unsere Situation ist nicht einfach", weiß Hitzlsperger.

Nur Pogrebnyak überzeugt

Vor allem, weil der Unmut im Umfeld nach nur fünf Punkten aus den ersten fünf Bundesliga-Partien und dem verschenkten Sieg gegen Glasgow wächst.

Von den Sommer-Neuzugängen kann bislang nur Stürmer Pavel Pogrenyak überzeugen. Der heimgekehrte Alexander Hleb hatte bislang nur einen außergewöhnlichen Moment - bei der Champions-League-Qualifikation in Timisoara.

In der Lokalpresse wird auffällig oft auf das Millionengehalt des Weißrussen verwiesen, wenn es um dessen Leistungen geht.

Ein Tanker ohne Anker

Hinzu kommt noch die Entfremdung zwischen den Profis und Teilen des anspruchsvollen Publikums: Der VfB bewege sich momentan auf stürmischer See wie ein Tanker ohne Anker, wie die "Stuttgarter Nachrichten" feststellen.

Deshalb sei es umso wichtiger, dass "wir in der Bundesliga endlich mal wieder drei Punkte einfahren", sagt Khedira. Der Mannschaft fehle es einfach an "Sicherheit und Selbstverständlichkeit".

Man brauche mal wieder das Gefühl, gewonnen zu haben, meint der Nationalspieler.

Soldo zu ruhig für Köln?

Dieses Gefühl hat Zvonimir Soldo in Köln als Bundesliga-Trainer überhaupt noch nicht erleben dürfen.

In Stuttgart hat der Kroate zehn Jahre lang mit Ruhe und Übersicht im Mittelfeld die Kommandos gegeben. Vor der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte werden ihm aber ausgerechnet diese Charaktereigenschaften zum Vorwurf gemacht.

Soldo ist ein derartiges Kontrastprogramm zu (Medien-)Zirkusdirektor Christoph Daum, dass die Kölner Boulevardzeitung "Express" zur Verwaltungsratssitzung des FC in dieser Woche vor lauter Verzweiflung und Schlagzeilen-Armut um ein Haar schon wieder den Live-Ticker vom Parkplatz des Geißbockheims angeworfen hätte.

Mannschaft schwierig zu emotionalisieren

Letztlich kam bei der Sitzung aber doch nur heraus, dass es kein Ultimatum für den Trainer gibt.

Ähnlich wie in Stuttgart, fürchtet man aber auch in Köln wohl ein Abfärben vom Coach auf das Team. Manager Michael Meier, für die Zusammenstellung des satt und überaltert erscheinenden Kaders maßgeblicher zuständig, nahm Soldo vorsichtshalber schon aus der Schusslinie, in dem er erklärte, die Mannschaft sei "schwierig zu emotionalisieren".

Diese Einschätzung dürfte Soldo zumindest über die kommenden Partien in Stuttgart, gegen Leverkusen und bei den Bayern retten.

Danach sollte er aber unbedingt Punkte sammeln, sonst ist womöglich nicht mal mehr ein Teilzeit-Arbeitsplatz drin.

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