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Markus Babbel übernahm im November 2008 den Posten des Cheftrainers beim VfB © imago

Nach der Pleite der Stuttgarter gegen Köln schlägt Babbel Alarm. Seine Spieler sind sich des Ernsts der Lage allerdings nicht bewusst.

Von Felix Götz

München - Vor der 0:2-Pleite der Stuttgarter gegen den 1. FC Köln hatte VfB-Coach Markus Babbel das Thema Rotation eigentlich für beendet erklärt.

Umso verdutzter sahen sich die 41.000 Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena an, als bekannt wurde, dass Kapitän Thomas Hitzlsperger eine schöpferische Pause erhalten würde.

Und das, obwohl mit dem angeschlagenen Alexander Hleb bereits ein Führungsspieler aus dem Mittelfeld nicht zur Verfügung stand.

Eine fragwürdige Entscheidung von Babbel, die sich rächen sollte. Denn niemand in der Mannschaft des VfB war in der Lage, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Ein Einsatz von Hitzlsperger hätte also Gold wert sein können.

Runterbringer nach der Sause

So herrscht nach der großen Sause mit Platz drei in der vergangenen Saison in Stuttgart mal wieder Katerstimmung. (DATENCENTER: Tabelle)

"Wir müssen Abstand gewinnen von unseren Zielen und zurück zu den Basics", sagte Babbel.

Die aktuelle Situation, die Babbel als die schwierigste in seiner bisherigen Trainerlaufbahn bezeichnet, erinnert frappierend an den Absturz der Schwaben in der Saison 2007/2008, als die Stuttgarter als amtierender Deutscher Meister letztlich nur Sechster wurden.

Damals hatten die Stuttgarter aber nach dem sechsten Spieltag immerhin noch zwei Punkte mehr auf der Habenseite als heute.

Keine Durchschlagskraft

Besonders die Art und Weise wie der VfB spielt, veranlasst zur Sorge: Pomadig, nachlässig, verkrampft, leidenschaftslos und ohne den letzten Biss.

Das sah Manager Horst Heldt ähnlich: "Wir müssen zurück zu unseren Tugenden, die uns stark gemacht haben."

Und Babbel ergänzte: "Ich hätte erwartet, dass die Mannschaft das Tor erzwingen würde. Aber wir waren nicht durchschlagskräftig genug."

Stabile Abwehr reicht

Den offensiv über weite Strecken völlig harmlosen Kölnern genügte eine stabile Defensive, um den VfB vor eine unlösbare Aufgabe zu stellen.

In ähnlicher Manier hatten bereits die Glasgow Rangers in der Champions League unter der Woche einen Punkt aus Stuttgart entführt.

Das fiel auch Babbel auf: "Wir haben es wieder nicht verstanden, eine defensive Mannschaft auszuspielen."

Kölner Tore nach Fehlern

Anstatt dann wenigstens 0:0 zu spielen, luden die Schwaben den FC zum Toreschießen ein.

Dem 0:1 durch Sebastian Freis (25.) ging ein kapitaler Bock von Christian Träsch voraus, der zuvor durch einen schlechten Pass von Serdar Tasci unnötig in Bedrängnis gebracht worden war.

Und vor dem 0:2 durch Wilfried Sanou vertändelte Torhüter Jens Lehmann den Ball 45 Meter vor seinem Gehäuse. Was er da zu suchen hatte, wollte der 61-malige Nationalspieler, der sichtlich angefressen war, nach der Partie nicht verraten. 153422(DIASHOW: Bilder des 6. Spieltags)

"Wir sind viel zu gut"

Während Lehmann solche negativen Erlebnisse bekanntlich rasend machen, fiel auf, wie wenig sich einige andere VfB-Spieler angesichts von nur fünf Punkten und Platz 14 des Ernsts der Lage bewusst zu sein scheinen.

Die offensichtliche Krise wird vor den anstehenden Partie im Pokal in Lübeck und dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt schöngeredet.

"Wir sind doch viel zu gut, um dauerhaft schlecht zu spielen", sagte beispielsweise Serdar Tasci, der das Ziel, unter die ersten Drei zu kommen, nicht ändern wollte.

Teamkollege Sami Khedira schlug in dieselbe Kerbe: "Unser Kader ist viel zu gut besetzt. Wir dürfen uns nur nicht kaputtmachen lassen."

Soldo macht VfB Mut

Aufmunternde Worte richtete Kölns Trainer Zvonimir Soldo, der insgesamt zehn Jahre das VfB-Trikot trug, an die Stuttgarter: "Sie haben Schwierigkeiten, aber ich bin überzeugt, dass sie wieder zurückkommen."

Der Kroate stand in den vergangenen Wochen selbst in der Kritik und konnte sein Glück mit dem ersten Saisonsieg und dem damit verbundenen Sprung auf Rang 15 (zuvor Tabellenletzter) kaum fassen.

"Wenn ich ehrlich bin, dann wäre ich vor dem Spiel mit einem Punkt zufrieden gewesen", sagte der 41-Jährige, der sich bereits auf ein "Worst-Case-Szenario" eingestellt hatte.

"Ich habe mir vorher schon überlegt, was ich erzählen soll, wenn wir wieder verlieren", schmunzelte Soldo.

Die Chemie stimmt

Zum Glück für die Kölner kam es anders. Es hat sich also gelohnt, dass die Klubverantwortlichen nach dem verkorksten Saisonstart nicht in Panik geraten ist.

Dass die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer schon immer stimmte, zeigte nicht nur der bedingungslose Einsatz der FC-Kicker, sondern auch eine Aussage des starken Außenverteidigers Christopher Schorch.

"Wir haben heute für den Trainer gespielt, weil er in die Kritik geraten war", so der 20-Jährige.

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