Der Bochumer steht nach der Niederlage gegen Mainz - mal wieder - unter Beschuss. Selbst die Gäste verstehen die Welt nicht mehr.

Bochum - Das Ruhrstadion tobte wieder einmal.

Doch VfL-Trainer Marcel Koller trug erneut Gelassenheit zur Schau. Und auch die Bosse ließen sich nicht aus der Reserve locken:

Beim VfL Bochum war die Stimmung nach der 2:3 (2:1)-Niederlage gegen Aufsteiger Mainz 05 und dem Sturz auf den 16. Tabellenplatz zum wiederholten Male auf einem Tiefpunkt angelangt (DATENCENTER: Der 6. Spieltag).

"Koller raus", "Altegoer raus" und "Ihr macht den Verein kaputt" hallte es aus den Kehlen von rund 2000 aufgebrachten VfL-Fans, die sich nach dem Abpfiff vor dem Stadion versammelt hatten.

Koller erntet nur Feindseligkeiten

Seit dem 23. Mai 2005 arbeitet der Schweizer Fußball-Lehrer Koller beim VfL Bochum und schaffte dreimal unter widrigsten Umständen den Klassenerhalt.

Dafür hat er aber nur Feindseligkeiten geerntet.

"Natürlich ist das nicht angenehm. Aber ich habe immer wieder schwierige Situationen überstanden."

"Ich muss nun wieder als Trainer Lösungen suchen, das nächste Spiel zu gewinnen", sagte der 48-Jährige. Das ist am Dienstag in der zweiten DFB-Pokal-Runde an gleicher Stätte gegen Schalke 04.

Altegoer hat hohe Meinung vom Trainer

Auf die Frage, ob er noch den Rückhalt in der Führungsetage verspüre, sagte Koller: "Sie müssen entscheiden, ob es so weitergeht oder nicht."

Der allmächtige Präsident Werner Altegoer äußerte sich nicht, hat aber eine hohe Meinung vom Trainer.

Manager Thomas Ernst sagte hingegen: "Ich werde jetzt keine Trainerdiskussion anfangen. Wir sind immer krisenfest geblieben."

"Wir haben es beim VfL immer so gehalten, dass wir Dinge intern besprechen und dann gemeinsam kraftvoll voranschreiten."

Wird Koller am Sonntag entlassen?

Die Aussage von Vorstand Ansgar Schwenken ließ zumindest Spielraum zu Spekulationen.

"Ich will nichts ausschließen, aber auch nichts ankündigen. Selbst bei einer Führung hat der Mannschaft die Überzeugung gefehlt. Das fließt in unsere Entscheidungen ein", sagte Schwenken.

Angeblich soll es Sonntag Neues geben.

Unangenehm für die Spieler

Vor allem für die Spieler des VfL ist die Situation mehr als unangenehm.

"Die Pfiffe und Sprechchöre machen die Sache für uns nicht leichter. Aber was sollen wir machen? Die Mannschaft aus der Bundesliga abmelden?"

"Es ist normal, dass der Trainer nach einer solchen Leistung in der Kritik steht. Aber die Mannschaft steht in der Verantwortung. Der Draht zwischen Trainer und Mannschaft ist nach wie vor gut", meinte Philipp Bönig.

Heidel über Negativ-Stimmung entsetzt

Entsetzt reagierte man beim Sieger auf die Ereignisse in Bochum.

"So eine Negativ-Stimmung habe ich noch nie erlebt. Ich weiß nicht, was die Zuschauer erwarten. Die haben den Bezug zur Realität verloren", meinte FSV-Manager Christian Heidel und ergänzte: "Die Bundesliga ist für Bochum ein Geschenk Gottes."

Mainzer "bleiben realistisch"

Heidel und die Mainzer konnten sich über die Bilanz nach sechs Spielen mit elf Punkten und Platz fünf freuen:

"Der Blick auf die Tabelle geht runter wie Öl. Aber anders als die Fans in Bochum bleiben wir realistisch. Wir werden einen Riesenparty feiern, wenn wir am Saisonende auf Platz 15 stehen", sagte der Manager.

Schürrle soll Profivertrag unterschreiben

Bislang hat man beim Aufsteiger mit dem Wechsel auf der Trainerbank von Jörn Andersen zu Thomas Tuchel kurz vor Saisonstart alles richtig gemacht.

Tuchel führte die A-Jugend der vergangenen Spielzeit zur Meisterschaft.

Einer der Titelträger, Andre Schürrle, entschied nach zweimaliger Bochumer Führung durch Mimoun Azaouagh (7.) und Diego Klimowicz (45. +1) sowie dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Andreas Ivanschitz (45.) mit einem Doppelpack (52. und 71.) das Spiel.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn die Fans meinen Namen schreien", sagte der 18-Jährige, der als Belohnung in der kommenden Woche einen Profivertrag bekommt.

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