Bayern-Manager Uli Hoeneß hält vor dem Spiel gegen Nürnberg eine bewegende Rede in Gedenken an das Opfer des Münchner S-Bahn-Mordes.

Als die Blaskapelle den Rasen der Münchner Arena verlassen hatte, die Spiele in den anderen Stadien schon liefen und das Bier auf der "Wiesn" in Strömen floss, griff Uli Hoeneß zum Mikrophon.

Das Derby gegen Nürnberg, der Auftakt des Oktoberfests - alles rückte in den Hintergrund, als der Manager des FC Bayern eine bewegende Rede hielt.

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"Wir verneigen uns vor einem Menschen, der sein Leben gegeben hat, um andere Menschen, in diesem Fall Kinder, zu schützen", sagte Hoeneß in Gedenken an Dominik Brunner, der am vergangenen Samstag Opfer des Münchner S-Bahn Mordes geworden war.

Zu der Zeit, als Brunner von zwei Jugendlichen zu Tode geprügelt worden war, weil er Kinder vor Angriffen schützen wollte, hatten die Bayern gerade in Dortmund ein 0:1 in einen furiosen Sieg verwandelt.

"Was bedeutet da noch so ein 5:1, wenn in der Heimatstadt etwas so Unbegreifliches und Schockierendes passiert?", fragte Hoeneß.

Jeder könne in die Situation kommen, dass er Hilfe benötige, "und dann wären wir froh, wenn jemand wie Dominik Brunner helfen würde", sagte der Manager: "Deshalb ist er für uns ein Vorbild für Zivilcourage und praktizierter Nächstenliebe".

Während ein Foto des Getöteten auf der Anzeigetafel gezeigt wurde, legten die 69.000 Zuschauer und beide Mannschaften eine Gedenkminute ein. Fans und Spieler waren sichtlich berührt. Während der Partie trugen beide Teams Trauerflor.

Man hätte die Gedenkminute auch anonym über die Stadion-Lautsprecher ankündigen können, doch Uli Hoeneß bewies wieder einmal menschliche Wärme und setzte mit seiner Ansprache ein Zeichen.

In der Bundesliga sind brutale Übergriffe in den vergangenen Jahren zum Glück kaum noch zu verzeichnen. Doch in den unteren Spielklassen kommt es immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Diese haben meistens nichts mit Fußball zu tun, sie sind vielmehr Ausdruck einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft.

Umso wichtiger ist, dass über Verantwortungsbewusstsein, Einsatz für Schwächere und Kampf gegen Ungerechtigkeit nicht nur geredet wird, sondern diese auch praktiziert werden.

"Wir alle in der Gesellschaft sind aufgerufen, da nicht still zu sein. Wir müssen uns grundsätzlich alle wehren gegen Gewalt und gegen das Wegsehen", sagte Hoeneß nach dem Spiel.

Uli Hoeneß ist ein Typ, der im Sport durchaus polarisiert, aber er ist auch jemand, der durch Worte aufrüttelt und menschlich handelt.

Auch an ihm sollten sich viele ein Beispiel nehmen.

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