Udo Lattek analysiert in seiner Sport1.de-Kolumne den Spieltag: Hitzlsperger hält er für zu sensibel, Soldo für Kölns Mann.

Hallo Fußball-Freunde,

ich möchte mal mit dem Märchen abschließen, Markus Babbel wäre durch den Trainerlehrgang stark belastet und würde die VfB-Trainingseinheiten zu wenig mitmachen.

Er hat alle Trainingseinheiten mitgemacht. Er hat das so koordiniert, dass er überhaupt nicht gefehlt hat. Also daran kann die VfB-Krise nicht liegen - das ist an den Haaren herbeigezogen.

Die Gründe liegen woanders: Gomez kann man nicht voll ersetzen. Aber es ist auch ein Irrglaube, zu sagen, dass Gomez ein Spieler war, der die Mannschaft gepusht hat.

Er hat immer für sich gut gespielt und für sich gekämpft. Er war nicht der Spieler, der die Mannschaft mit nach vorne ziehen kann.

Das ist ohnehin das Problem beim VfB, dass sie keinen Leader in der Truppe haben. Hitzlsperger ist ein lieber und netter Kerl, der sich zu viel Gedanken um seine Mitspieler macht. Er ist etwas feiner gestrickt und etwas empfindlicher.

Dazu kommt, dass Aliaksandr Hleb nicht in guter Verfassung ist: Er hat eine Muskelverletzung und zwar im Hintern. Da hat ihm irgendein Idiot eine Spritze reingehauen, und deswegen kann er nicht gehen.

Was Jens Lehmanns Fehler zum 0:2 angeht: Der wollte ein Zeichen setzen und zeigen, dass er als Torwart der Mannschaft nochmal Dampf macht.

Wenn er den Ball erobert und einen Pass zum Mitspieler bringt, dann passiert ja auch nichts, und er ist der große Held.

An Kölns Coach Zvonimir Soldo gab es ja schon vorher Kritik. Wenn man in Stuttgart verloren hätte, wäre das Fass vielleicht übergelaufen. So aber hat Soldo die Kurve im letzten Moment noch gekriegt.

Ich halte ihn für einen sehr guten Trainer. Er ist nicht immer nur der ruhige Trainer, macht in der Halbzeitpause auch mal richtig Wind, dass die Fetzen fliegen.

Er muss nach außen hin auch nicht so auftreten wie Christoph Daum. Dann würden ohnehin alle sagen, dass er spinnt. Soldo soll so bleiben, wie er ist.

Man muss die Emotionen in der Mannschaft wecken können. Man sieht, dass sie guten Fußball spielt, wenn man an sie herankommt. Köln hat auch gegen Wolfsburg eine Stunde lang hervorragenden Fußball gespielt.

Und warum spielt sie nicht immer so? Ich habe das Gefühl, dass einige Spieler in der Mannschaft sind, die eine "Söldner-Mentalität" haben.

Aber was mir fehlt, ist zum Beispiel, dass ein Podolski zu wenig Ballkontakte hat. Der kommt gar nicht in einen Rhythmus rein. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Mannschaft ihn gar nicht sucht und als Leader anerkennt.

Zum FC Bayern: Entscheidend für den Höhenflug von Thomas Müller bei den Bayern ist, dass das Umfeld ihn jetzt am Boden hält.

Viel wichtiger aber für mich: Louis van Gaal hat sein Wort gehalten und stellt die Mannschaft wirklich nach Leistung auf. Da muss ein Top-Star wie Gomez oder Toni auch mal leiden.

Van Gaal zieht das durch - nicht so wie Klinsmann vergangene Saison. Die Spieler wissen jetzt, dass sie nur über Leistung und nicht etwa über die Höhe der Ablösesumme in die Mannschaft kommen.

Im Moment hat Toni beim FC Bayern keine Chance. Er hat keine Wettkampfpraxis und derzeit absolut kein Recht darauf, Ansprüche auf die erste Mannschaft anzumelden.

Müller ist in Topform und Olic ist für mich ein Riesen-Einkauf - der spielt, ackert für die Mannschaft und schießt seine Tore. Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Euer Udo Lattek

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