In seiner Sport1.de-Kolumne analysiert Huub Stevens die Brennpunkte des 7. Spieltags - darunter auch das brisante Revierderby.

Hallo Fußball-Freunde,

in Berlin wird es in dieser Woche spannend, denn die Situation für Lucien Favre wird jetzt sehr schwierig.

Von den Medien wird nach dem 1:5 in Hoffenheim einiges kommen und viel Druck aufgebaut, das ist klar. Ich kenne das noch aus eigener Erfahrung, das ist nicht angenehm.

Aber da muss Lucien jetzt durch. Ich hoffe, dass er die Rückendeckung vom Vereinsmanagement bekommt. Ich glaube, dass er sie verdient. Er hat im Vorjahr Hervorragendes geleistet.

Es nun einmal schwierig, die Abgänge von Josip Simunic, Andrej Voronin und Marko Pantelic zu ersetzen, wenn die finanzielle Grundlage dafür fehlt.

Wenn du dann wie Hertha versuchst, mit einem Kurztrainingslager alle Kräfte zu bündeln und dann steht es nach vier Minuten 0:2, ist das richtig hart.

Hoffenheim dagegen steigert sich von Woche zu Woche und steht nicht von ungefähr jetzt auf Platz drei. Es ist toll für Vedad Ibisevic, dass er drei Tore macht, nachdem er so lange verletzt war.

Gefreut habe ich mich natürlich auch über den Schalker Sieg im Revierderby. Felix Magath hat dadurch für ein halbes Jahr einen Freifahrtschein bei den Fans. Wenn du das Derby gewinnst, kann dir auf Schalke erst einmal keiner was.

Dass die Königsblauen so sehr auf junge Spieler setzen, ist zwar prinzipiell positiv, liegt aber auch an der finanziellen Situation. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nur auf Wunsch von Felix alleine geschieht.

Das passiert aus der Not heraus. Natürlich schlagen sich die Jungs bis jetzt super. Aber man muss immer schauen, ob sie das Niveau über eine längere Zeit halten können. Dazu würde schon eine ungeheure Portion Glück gehören.

Ich glaube übrigens nicht, dass Manuel Neuers Aktion gegen Kevin Großkreutz nach dem Spiel eine bewusste Tat war. Er hat sich einfach nur gefreut und hat Großkreutz in seinem Rücken gar nicht gesehen.

Für den HSV waren die letzten anderthalb Wochen eine Achterbahnfahrt. Es hat sich mal wieder gezeigt: Du kannst bei Rapid Wien verlieren, dann in Osnabrück.

Doch wenn dann die Bayern kommen, hast du eben die Portion Extra-Motivation, die dich zu einer Klasseleistung stimuliert. Jeder will gegen Bayern München gewinnen.

Da brauchst du als Trainer im Vorfeld gar nicht so viel zu tun. Du kannst sicher sein, dass deine Spieler zu 100 Prozent heiß sind. Wenn du aber im Pokal in ? sagen wir ruhig - Osnabrück spielen musst, dann bist du als Trainer gefragt.

Dann musst du die Spieler top vorbereiten. Mal gelingt das, ein anderes Mal, siehe HSV, gelingt das nicht.

Was Ze Roberto übrigens gegen die Bayern gezeigt hat, nötigt mir größten Respekt ab. Wie er in seinem Alter mit dieser Geschwindigkeit und so geschmeidig vor dem 1:0 den Ball an Mario Gomez vorbei legt und in die Mitte passt, das ist die pure Klasse.

Die Bayern haben zwar jetzt sechs Punkte Rückstand auf die Spitze, aber ich sehe die Münchner Situation nicht so dramatisch. Beim HSV kann auch der FC Bayern mal verlieren. Auf lange Sicht wird er sich im Meisterrennen durchsetzen.

Bis nächste Woche,Euer Huub Stevens

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