Die Entlassung von Bochums Trainer Marcel Koller kommt daher wie ein Einknicken vor den Forderungen der Fans. Doch es steckt mehr dahinter.

Oberflächlich betrachtet ist alles wie jedes Jahr seit dem letzten Wiederaufstieg des VfL Bochum im Jahr 2006.

Kaum wird es Herbst, rutschen die Westfalen auf einen Abstiegsplatz in der Bundesliga, die Fans fordern die Entlassung von Trainer Marcel Koller. Aufsichtsratschef Werner Altegoer zeigt sich stur, hält dem Schweizer die Treue und wird am Ende der Saison mit dem Klassenerhalt belohnt.

Doch in diesem Herbst pfeift der Bochumer Vorstand auf Erfahrungswerte und künftig auch auf die Dienste Kollers.

Denn in diesem Jahr haben sich zum Unmut des kritischen Anhangs auch eine wirtschaftliche Komponente und vereinsinternes Misstrauen gesellt.

[image id="f003820c-65dc-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Nur 16.225 Zuschauer wollten den VfL am Samstag beim 2:3 gegen Mainz sehen, so wenige wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren in Liga zwei gegen Kickers Offenbach.

"Es baut sich eine Wand auf, und wir laufen Gefahr, die Leute emotional zu verlieren", meinte Sportvorstand Thomas Ernst, nachdem er sogar von den Mainzer Gästen ob der wenig leistungsfördernden Atmosphäre bemitleidet wurde, die der verbliebene Anhang geschaffen hatte.

Das "emotional" darf man bei der rein ökonomischen Interpretation übrigens durchaus überlesen.

Die Nähe zum eigenen, nach fünf Abstiegen leidensfähigen Anhang, hatte der VfL immer als sein größtes Faustpfand betrachtet.

"Andere haben Trophäen, wir haben Euch", hatte er auf Plakaten stolz verkündet. Am Samstag nun wurde der Graben zwischen Fans und Verein dokumentiert durch ein Spruchband mit der sarkastischen Antwort "Andere haben Trophäen, wir haben nur Euch".

Dass der Vorstand nun schlicht vor seinem zahlenden Publikum eingeknickt wäre, griffe allerdings zu kurz. Denn auch das Binnenklima schien vergiftet.

"Die vielen schweren Phasen in den vergangenen Monaten haben das Verhältnis zwischen Cheftrainer und Mannschaft nachhaltig belastet", wurde Ernst in einer irrtümlich schon am frühen Sonntagnachmittag publizierten Pressemitteilung zitiert.

Entspricht das der Wahrheit, ist Kollers Rauswurf folgerichtig. Denn eine Führungskraft, die intern nicht mehr ankommt und extern Abneigung bei der Kundschaft hervorruft, kann sich kein Unternehmen leisten. Auch nicht der VfL Bochum.

Dass die Art und Weise der Verabschiedung nicht zuletzt aufgrund ihrer doppelten Veröffentlichung auf der Vereinshomepage dilettantisch daherkommt, steht außer Zweifel aber auf einem anderen Blatt.

Mit Frank Heinemann und Dariusz Wosz sind nun zunächst zwei Bochumer Identifikationsfiguren am Ruder, die sich der vollen Rückendeckung von Verein und auch Fans sicher sein können.

Für den VfL-Vorstand steht die Personalmaßnahme also durchaus auch unter dem in vielen Ehen erprobten Motto: "Da habt ihr endlich euren Willen, nun lasst uns dafür unsere Ruhe."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel