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Trainer Lucien Favre (r.) und Manager Michael Preetz leiten die Geschicke der Hertha © getty

Der Käpt'n entschuldigt sich, dem Trainer fehlen die Worte und der Manager spricht von einem "psychologischen Problem bei den Spielern".

Von Thorsten Mesch

München - Das 0:4 (0:3)-Debakel gegen den SC Freiburg ist ein weiterer, um nicht zu sagen "noch tieferer Tiefpunkt" in einer bisher total verkorksten Saison der der Hertha.

Nur drei Punkte aus sechs Spielen und fünf Niederlagen in Folge bedeuten den schlechtesten Saisonstart für die Berliner seit 1997/98. (DATENCENTER: Tabelle)

Hohn und Spott von den Medien

"Hertha, die Hauptstadt-Schande", schrieb die "Bild".

"Tabellenletzter! Niederlagen gegen die Abstiegskandidaten Freiburg, Mainz, Mönchengladbach und Bochum. Gegen wen will Hertha denn eigentlich noch gewinnen?", fragte die "BZ" und behauptete: "Hertha spielt gegen Lucien Favre!"

Die desolate Vorstellung gegen den Aufsteiger habe "wie ein deutliches Signale gegen den Trainer" gewirkt.

Spieler in der Pflicht

Kapitän Arne Friedrich entschuldigte sich "für meine eigene Leistung und die Leistung meiner Mannschaft." Er könne sich die blamable Vorstellung nicht erklären. Mehr habe ich nicht zu sagen", so der Kapitän.

Trainer Lucien Favre selbst war ebenfalls ratlos: "Es ist sehr schwer, über dieses Spiel zu sprechen", sagte der Coach und stellte fest, dass "alle schuld sind, die Spieler und ich." 153422(DIASHOW: Bilder des 6. Spieltags)

Über die "unfassbare Leistung, die die Mannschaft in der ersten Halbzeit abgeliefert hat", müsse man erst einmal mit den Führungsspielern reden", meinte Manager Michael Preetz.

Niedergang in der Vorsaison

Der Niedergang der Hertha begann eigentlich schon in der Schlussphase der vergangenen Saison.

Mit einem 0:0 gegen Schalke und einem 0:4 bei Absteiger Karlsruhe verspielten die Berliner, vom 22. bis 25. Spieltag sogar noch Tabellenführer, die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation.

Favre hatte seinen Anteil daran, denn er hatte Friedrich aus dem Kader gestrichen und mit Andrej Voronin einen weiteren Leistungsträger auf die Bank gesetzt.

Ständige Querelen mit dem mittlerweile Ex-Manager Dieter Hoeneß störten die Konzentration auf die sportlichen Ziele.

Pantelic lästert gegen Favre

Nach der Trennung von Hoeneß wurde Favre von der Vereinsführung mit einer enormen Machtfülle ausgestattet.

Doch die Weggänge von Voronin und Torjäger Marko Pantelic, zu dem Favre ebenfalls ein gestörtes Verhältnis hatte, konnten nicht kompensiert werden.

"Favre wird überbewertet. Das war letzte Saison nicht sein Erfolg. Die Aktien daran hatten die Spieler", lästerte Pantelic zuletzt im serbischen Fernsehsender "Pink TV".

Kein Ersatz für abgewanderte Leistungsträger

"Mit Pantelic und Voronin hat die Hertha viel Qualität in der Offensive verloren. Aber der Verlust von Josip Simunic ist noch viel größer", schreibt der ehemalige Hertha-Trainer Huub Stevens in seiner Sport1.de-Kolumne.

"Er hat die Abwehr zusammengehalten und mit Arne Friedrich sehr gut harmoniert", so Stevens.

Für den Routinier Simunic kamen die relativ unerfahrenen Rasmus Bengtsson (23) und Nemanja Pejcinovic (21) sowie Christoph Janker (24).

Gegen Freiburg war Bengtsson im Abwehrzentrum neben Friedrich ebenso überfordert wie der gelernte Innenverteidiger Pejcinovic als rechter Verteidiger.

Unglückliche Transfers

Im Sturm wartet Artur Wichniarek seit mittlerweile neun Pflichtspielen auf sein erstes Tor. Der Pole war, wie schon einmal vor sechs Jahren, aus Bielefeld gekommen. Damals hatte er in 44 Spielen nur viermal getroffen.

Kurz vor Ende der Transferperiode verpflichteten die Berliner noch Florian Kringe, Adrian Ramos und Cesar.

Der von Borussia Dortmund ausgeliehene Kringe brach sich den Mittelfuß und fällt lange aus, der kolumbianische Stürmer Ramos war weder von Favre, noch von Preetz live beobachtet worden, und Cesar war erst auf den letzte Drücker geholt worden, obwohl er seit Juni arbeitslos war.

Schweres Programm

Außer Gojko Kacar zeigte zuletzt kaum ein Berliner ansprechende Leistungen. Ob der Serbe, der zuletzt an einem Bluterguss im Oberschenkel laborierte und deshalb auch gegen Freiburg fehlte, auf Dauer gehalten werden kann, muss bezweifelt werden.

Fraglich ist auch, wie sich die Berliner aus ihrer Krise befreien wollen. Hoffenheim (A), Hamburg (H), Nürnberg (A), Wolfsburg (H) und Dortmund (A) heißen die kommenden Gegner in der Bundesliga.

"Nicht die Nerven verlieren"

Huub Stevens glaubt trotz des schweren Programms, "dass sich die Berliner wieder fangen werden. Favre hat die Qualität und wird das wieder hinbekommen", meint der ehemalige Hertha-Coach.

Er könne den Berlinern nur raten, "nicht die Nerven zu verlieren."

Schicksalsspiel im Pokal?

Präsident Werner Gegenbauer sprach Trainer und Manager das Vertrauen aus: "Die sportliche Leitung hat unsere Rückendeckung. Wir werden sie in Ruhe weiterarbeiten lassen."

Doch schon die DFB-Pokalbegegnung bei 1860 München könnte für Favre zum Schicksalsspiel werden.

"Du hast keine Argumente, wenn du nach sechs Spieltagen drei Punkte hast", sagte Manager Preetz nach dem 0:4 gegen Freiburg.

Auch in Berlin gelten eben die Gesetzmäßigkeiten des Fußballgeschäfts.

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