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Von 1997 bis 2001 bestritt Hans-Jörg Butt 133 Bundesligaspiele für den Hamburger SV © getty

Hans-Jörg Butt spricht über das Topspiel der Bayern beim HSV, den Leistungsstand seines Klubs und seine persönliche Zukunft.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Es ist "Wiesn"-Zeit in München und Hans-Jörg Butt will mit dem FC Bayern die Siegesserie fortsetzen.

Im Bundesliga-Topspiel (Sa., ab 18 Uhr LIVE) beim HSV trifft der Keeper auf seinen Ex-Klub.

Für die Münchner ist es die große Chance der Tabellenführung einen großen Schritt näher zu kommen. Hamburg ist nach dem blamablen Pokal-Aus angeschlagen und muss seine zuletzt gute Bundesliga-Form erst wieder bestätigen.

Mit Sport1.de spricht Butt über seine Erwartungen vor der Rückkehr in die alte Heimat, die derzeitige Situation beim FC Bayern und seine persönliche Zukunft.

Sport1.de: Herr Butt, am Samstag kehren Sie als Stammkeeper des FC Bayern nach Hamburg zurück. Kribbelt es vor der Partie gegen den Ex-Klub besonders?

Jörg Butt: Ja, ich habe meine Bundesliga-Karriere 1997 in Hamburg begonnen und vier schöne Jahre dort gehabt. Ich habe damals den Stadion-Umbau von 1998 bis 2000 hautnah miterlebt. Von daher spiele ich natürlich immer sehr gerne in der Arena.

Sport1.de: Es gibt ja noch mit Daniel van Buyten und Ivica Olic andere ehemalige Hamburger im FCB-Team. Die Motivation in Hamburg zu gewinnen, könnte nicht größer sein, oder?

Butt: Ivica ist jetzt gekommen, bei Daniel wird es genauso sein, dass man vielleicht einen Tick motivierter ist. Wir hatten alle eine tolle Zeit beim HSV.

Sport1.de: Wie sehr ist es für Bayern eine Möglichkeit, ein Ausrufezeichen in der Liga zu setzen?

Butt: Es ist das absolute Spitzenspiel - ein absoluter Klassiker. HSV gegen Bayern: Da hat man als Kind schon immer hingeschaut, sich gefreut. Und wir können in diesem Spiel einen riesigen Schritt machen.

Sport1.de: Gibt es denn noch Kontakt nach Hamburg?

Butt: Spieler aus meiner Zeit sind ja nicht mehr da, aber zu Jürgen Ahlert und Bernd Wehmeyer habe ich noch Kontakt.

Sport1.de: Der HSV ist Erster. Ist das die logische Folge einer konsequenten Entwicklung?

Butt: Ich glaube, insgesamt hat die Entwicklung des HSV zu meiner Zeit begonnen. Mit dem Stadionumbau hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Der Verein ist mittlerweile ein Spitzenteam der Bundesliga. Er hat sich auch für diese Saison sehr gut verstärkt, unter anderem mit Ze Roberto und Elia.

Sport1.de: Der HSV hat in Wien 0:3 in der Europa League verloren, dann 1:1 gegen Frankfurt gespielt. Schwächeln die Hamburger?

Butt: Die Partie von Wien spielt doch keine so große Rolle. Natürlich klingt das Ergebnis deutlich. Aber: Wenn der HSV die ersten Chancen reinmacht, kann das Resultat auch anders lauten. Von daher brauchen wir nicht meinen, dass es einfach wird oder die Hamburger jetzt unsicher sind.

Sport1.de: Sie selbst haben im Pokal gegen Oberhausen eine Pause bekommen. Ihren Stammplatz haben Sie aber zurückerobert. Wie froh sind sie darüber?

Butt: Ich hab ja immer gesagt, dass ich spielen will. Ich freue mich einerseits. Andererseits ist es ein Ansporn, meine Leistung zu bestätigen. Und ich will natürlich meinen Teil dazu beitragen, dass es so erfolgreich weitergeht wie bisher.

Sport1.de: Ist denn der Konkurrenzkampf aus Ihrer Sicht nun endgültig entschieden?

Butt: Endgültig ist bei Bayern nie irgendeine Position entschieden. Das macht Bayern aus, dass auf jeder Position ein unglaublich hoher Leistungsdruck und Anspruch ist. Und das muss man jeden Tag, in jedem Training auch immer wieder bestätigen. Keiner kann sich ausruhen.

Sport1.de: Hat man als Torwart nicht unterbewusst immer Angst vor Fehlern?

Butt: Nein, warum auch? Es geht nicht darum, dass persönliche Fehler ausschlaggebend sind für die Gesamtleistung. Es gilt immer der Gesamteindruck. Dass Fehler passieren, gehört dazu.

Sport1.de: Der FC Bayern hat in den letzten fünf Spielen nur zwei Gegentreffer bekommen. Doch gegen Nürnberg gab es vorm Gegentor Abstimmungsschwierigkeiten. Wie haben Sie die Szene beobachtet?

Butt: In der ganzen Entstehung des Tores sind drei bis vier individuelle Fehler passiert, die aber nicht nur ganz zum Schluss passierten. Klar ist auch da was falsch gelaufen. Die Nürnberger hatten in der gegnerischen Hälfte einen Einwurf und von da hat es zwei bis drei Stationen gedauert, bis der Ball vor dem Tor war. Insofern ist auch vorne was schief gelaufen.

Sport1.de: Was bedeutet das?

Butt: Das heißt, es hatte mit dem gesamten Defensiv-Verhalten der Mannschaft zu tun und nicht nur mit der Abwehr.

Sport1.de: Was sind die Lehren für die kommenden Partien?

Butt: Wir müssen uns in diesem Bereich, aber auch in der Offensive verbessern. Wenn man das Gesamte sieht, wenn man ein Tor bekommt, hängt es immer mit Fehlern zusammen. Wir haben uns aber sehr gut entwickelt.

Sport1.de: Worauf wird es für in den nächsten Wochen ankommen, inklusive der Champions-League-Partien?

Butt: Unser Niveau ist sehr hoch. Wir wissen, dass wir noch nicht da sind, wo wir hinwollen. Wir haben zu Beginn der Saison einige Punkte liegen lassen und die müssen wir nun aufholen. Auch in der Champions League wollen wir natürlich weit kommen.

Sport1.de: Wie haben Sie denn die Startphase von Trainer Louis van Gaal erlebt?

Jörg Butt: Er hat eine ganz klare Philosophie, sowohl auf dem Platz als auch im Umgang mit der Mannschaft. Das wird auch klar kommuniziert, was am Anfang sicherlich nicht einfach war.

Sport1.de: Woran lag das?

Butt: Das war für viele Spieler neu und man musste sich auch entsprechend einstellen. Es funktioniert jedoch immer besser. Das sieht man auch auf dem Platz. Wir funktionieren als Mannschaft immer besser. Jeder weiß, was der Trainer von ihm und der Mannschaft verlangt.

Sport1.de: Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ließ verlauten, dass er sich vorstellen kann, Ihren Vertrag zu verlängern. Sie auch?

Butt: Fakt ist: Ich bin momentan sehr glücklich in München. Mir gefallen das Umfeld und die Mannschaft. Vorstellbar ist vieles.

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