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Mladen Petric setzte in Osnabrück den entscheidenden Elfmeter an den Pfosten © getty

Der Tabellenführer geht psychisch angeknockt und deshalb als Außenseiter in die Spitzenbegegnung mit dem FC Bayern München.

Von Martin van de Flierdt

München - "In der Bundesliga sind wir Erster", stellt Ze Roberto trotzig fest. "Alles andere müssen wir vergessen."

Es kommt ein wenig wie das Pfeifen im Walde daher, wie der Brasilianer vor dem Top-Spiel des Hamburger SV gegen seinen Ex-Klub Bayern München (Sa., ab 18 Uhr LIVE) seiner Mannschaft Mut zuspricht.

Genau das ist die Schizophrenie der Situation bei den Hanseaten.

Nach dem dürftigen 1:1 gegen den SC Freiburg zum Saisonauftakt schwangen sich die Hamburger zu seiner Serie von vier überzeugenden Siegen gegen Dortmund, Wolfsburg, Köln und Stuttgart auf, die der Konkurrenz reichlich Respekt einflößte und dem Team die Tabellenführung einbrachte.

Doch seit dem 3:1 gegen die Schwaben ist es wie abgerissen. Ein peinliches 0:3 in Wien, ein dürftiges 1:1 in Frankfurt und nun noch die blamable 5:7-Pleite nach Elfmeterschießen im Pokal beim Drittligisten VfL Osnabrück. 154850(die Bilder)

"Wir wissen, dass wir vor ein paar Wochen guten Fußball gespielt haben", gibt Mladen Petric mangels Alternativen nun als Grund für seine Zuversicht vor dem Nord-Süd-Gipfel an.

Eine gefühlte Ewigkeit

Dabei ist das letzte gute Spiel - das gegen Stuttgart - noch nicht einmal zwei Wochen her. Den Beteiligten scheint es aber wie eine Ewigkeit vorzukommen.

"Wir haben in den Wochen zuvor etwas mehr für die Defensive gearbeitet", macht Trainer Bruno Labbadia als wesentlichen Unterschied zu den jüngsten Partien aus. Innenverteidiger Joris Mathijsen bemängelt, dass die Hamburger zuletzt "nicht konzentriert genug" waren.

"Uns fehlen die frühen Tore", erklärt schließlich Piotr Trochowski. "Dadurch haben wir stets mehr Räume bekommen." Dass für jene frühen Tore zumindest bei den Erfolgen in Wolfsburg und gegen Köln Paolo Guerrero verantwortlich zeichnete, belegt das aktuelle Dilemma des HSV.

Verletzungen rufen Probleme hervor

Denn den mit Kreuzbandriss noch lange fehlenden Peruaner können die Hamburger nicht gleichwertig ersetzen, für die Defensive fehlen nach den Ausfällen der ebenfalls kreuzbandgeschädigten Alex Silva und Collin Benjamin die Alternativen.

Nach der Partie in Osnabrück wurde Labbadia gefragt, ob der Kader womöglich doch nicht über die nötige Breite verfüge, die höhere Ambitionen rechtfertigt.

"Wenn man das Ergebnis sieht", antwortete der Coach, "muss man das leider annehmen." Sinnbildlich für die Probleme der Kicker aus der zweiten Reihe steht Angreifer Marcus Berg.

Rückendeckung für Berg

Der Torschützenkönig der U-21-EM ist derzeit mit der Aufgabe, Guerrero adäquat zu vertreten, völlig überfordert. "Marcus hat seine Anlaufprobleme, das kann man nicht kleinreden", räumt Vorstandsboss Bernd Hoffmann ein.

Doch der Neun-Millionen-Euro-Einkauf vom FC Groningen werde "sicher die Kurve kriegen und zeigen, was er kann und warum wir ihn geholt haben. Vielleicht ja schon mit einem Treffer gegen die Bayern."

Sturmpartner Petric hat daran seine Zweifel: "Man spürt, dass er nicht vor Selbstvertrauen strotzt." Ein Offensivproblem diagnostiziert der Kroate deswegen aber bei seiner Mannschaft noch lange nicht.

Smolarek steht bereit

Sollte die Vereinsführung zu einer anderen Ansicht gelangen, stünde mit Testspieler Ebi Smolarek, der seit Dienstag in Hamburg mittrainiert, eine Alternative schon bereit.

Der ehemalige Dortmunder hat zuletzt mit null Toren in zwölf Einsätzen für die Bolton Wanderers in der Premier League aber auch nicht gerade Angst und Schrecken verbreitet.

Für Samstag ist er wohl noch kein Thema. Dann sollten die "Rothosen" ohnehin nur eine Sache im Kopf haben: "In der Bundesliga sind wir Erster", sagt schließlich Ze Roberto, der trotz Wadenproblemen wohl mitwirken kann.

Alles andere, man tue ihm den Gefallen, sei deshalb schon so gut wie vergessen.

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