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Lucien Favre (r.) und die Hertha sind derzeit Tabellenletzter © getty

Vor dem Spiel bei 1899 Hoffenheim sperrt die Hertha Fans und Journalisten aus. Gibt es eine Galgenfrist für Trainer Favre?

Von Martin van de Flierdt

München - Glaubt man der "Berliner Zeitung", dann sieht es ganz schlecht aus für Lucien Favre, den Trainer von Hertha BSC.

Denn am Tag nach der 3:6-Niederlage nach Elfmeterschießen im DFB-Pokal bei Zweitligist 1860 München ließen müllmann-orange bekleidete Ordner weder Fans noch Journalisten zum Training des Bundesliga-Tabellenletzten.

Dass die Hertha sich abschottet, so schreibt die Zeitung, geschehe immer nur, wenn die Berliner in einer Krise steckten und der Trainer schwer in der Bredouille.

Vor dem schweren Gastspiel bei 1899 Hoffenheim (ab 17.15 Uhr LIVE) wollen aber weder Favre selbst noch Hertha-Manager Michael Preetz von einem Drei-Spiele-Ultimatum für den Schweizer wissen, das der Berliner Boulevard als Fakt verbreitet.

Favre wiegelt ab

"Ein Ultimatum? Nein, das kenne ich nicht", sagt Favre.

Es wäre auch äußerst perfide, nach den nächsten drei Spielen den Stab über seine Arbeit zu brechen. Denn nach den starken Hoffenheimern ist Sporting Lissabon Gastgeber der Blau-Weißen, die anschließend den Hamburger SV empfangen.

Preetz traut dem Trainer die Wende zu

Drei Niederlagen würden bei der aktuellen Verfassung der Hertha da nicht wirklich überraschen. "Favre kann das Ruder rumreißen", behauptet Preetz nichtsdestotrotz.

"Er ist nicht nur im Moment der Richtige. Er hat die Mannschaft in den letzten zwei Jahren entwickelt. Er wird sie aus der Krise führen."

Daran hat Josip Simunic so seine Zweifel. "Mir war klar, dass es Hertha in dieser Saison schwer haben wird", sagt der Kroate, der vor der Saison nach neun Jahren in Berlin zu 1899 gewechselt ist. "Aber dass der Absturz so früh kommen wird, damit habe ich nicht gerechnet."

Kein schlechtes Gewissen bei Simunic

Simunic plagen keinerlei Gewissensbisse, diesen Absturz tatkräftig weiter voranzutreiben.

"Es ist für mich ein Spiel wie jedes andere", erklärt er. "Ich will gewinnen und konzentriere mich zu 100 Prozent auf Hoffenheim. Favre und die Hertha sind für mich Vergangenheit."

Der Kroate setzt auf den vierten Hoffenheimer Liga-Sieg in Serie. "Ich tippe auf ein 3:0", sagte er der "Bild". "Denn wir sind spielerisch besser und haben mehr Qualität als Hertha."

Völlig mutlos werden die Berliner allerdings die Rhein-Neckar-Arena nicht betreten. Schließlich haben sie die beiden bisherigen Bundesligabegegnungen mit Hoffenheim jeweils mit 1:0 für sich entschieden.

Optimismus speist sich aus der Niederlage

Zudem glauben sie in der zweiten Halbzeit und der Verlängerung des Pokalspiels in München einen eigenen Aufwärtstrend erkannt zu haben.

"Die Leistung nach der Pause stimmt mich optimistisch", bekennt Favre, "weil wir uns so viele Torchancen erarbeitet haben wie selten zuvor. Wir werden uns steigern und aus dieser Situation herauskommen."

Erschwert wird dieses Unterfangen jedoch durch den Muskelfaserriss von Cicero.

Der Brasilianer fällt zwei Wochen aus und gesellt sich zu Artur Wichniarek (Leistenprobleme), Florian Kringe (Mittelfußbruch), Fabian Lustenberger (Reha nach Mittelfußbruch) und Torhüter Jaroslav Drobny (Muskelfaserriss) ins Lazarett.

Ochs für Burchert

Letzterer wird am Sonntag aller Wahrscheinlichkeit vom frisch verpflichteten Timo Ochs vertreten, nachdem sich Nachwuchskeeper Sascha Burchert in seinen drei bisherigen Einsätzen nicht in Szene setzen konnte.

Zur Vorbereitung weilen die Berliner seit Freitag im Kurztrainingslager in Bad Schönbrunn.

"Wir bereiten uns in aller Abgeschiedenheit und Ruhe vor", erläutert Preetz diese Maßnahme. "Wir haben schwere Wochen vor uns. Aber die Mannschaft lebt noch, die Moral ist intakt."

Wenn Preetz dann noch hinzufügt, dass "unser Trainer fest im Sattel sitzt", ist man geneigt, dem Glauben zu schenken.

Wenn da nicht am Donnerstag diese Ordner in müllmannorange gewesen wären?

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