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Auch im siebten Bundesligaspiel bleibt Bayer 04 Leverkusen ohne Niederlage © getty

Leverkusen setzt den Liga-Höhenflug auch im Rhein-Derby in Köln fort. Die Verantwortlichen treten aber die Euphorie-Bremse.

Köln - Mit Disziplin, Glauben und der außergewöhnlichen Erfahrung eines Meistertrainers mausert sich Bayer Leverkusen Schritt für Schritt zu einem ernsthaften Titelkandidaten in der Bundesliga.

"Spiele wie das gegen Bremen oder auch dieses musst du 1:0 gewinnen. Dann bist du oben dabei. So haben früher Spitzenklubs wie Bayern München Meisterschaften gewonnen", sagte der 64 Jahre alte Fußballlehrer Jupp Heynckes nach dem 1:0 (0:0)-Sieg seines Klubs Bayer Leverkusen im 49. Bundesliga-Rheinderby beim Erzrivalen 1. FC Köln.

17 Punkte nach sieben Spielen sind der beste Saisonstart für Bayer in der Bundesliga.

Defensive als Schlüssel zum Erfolg

30 Jahre übt der einstige Weltklassestürmer Heynckes nun den Beruf des Trainers aus und weiß, dass die Defensive der Schlüssel zu Titeln ist.

"Das eine ist eine gute Defensivarbeit, das andere aber auch der Tempowechsel nach vorne", sagt er. Das habe beim 0:0 gegen Werder Bremen und auch beim Pokal-Aus beim 1. FC Kaiserslautern gefehlt.

1989 und 1990 führte Heynckes Rekordmeister Bayern München zu zwei Titeln - Basis waren nur 54 Gegentore in 68 Spielen.

Keine verfrühte Euphorie

Und die starke Defensive war auch Basis für den Champions-League-Triumph 1998 mit Real Madrid, damals hatten die Königlichen in elf Spielen ganze fünf Gegentreffer hinnehmen müssen.

Gegenwärtig sind es fünf in sieben Spielen.

Heynckes wollte aber auch keine verfrühte Euphorie verbreiten: "Wir hatten einen guten Start, es gibt aber auch noch einiges zu verbessern. Unser erklärtes Ziel bleibt der internationale Wettbewerb."

Das war ganz im Sinne der Verantwortlichen beim Werksklub, der in den vorangegangenen zwei Spielzeiten durch beispiellose Abstürze in der Rückrunde das internationale Geschäft verpasst hatte.

Blick zurück als Warnung

"Das ist viel zu früh. Im vergangenen Jahr waren wir am 13. Spieltag Tabellenführer und sind noch abgestürzt", sagte Sportchef Rudi Völler mit Blick auf den eklatanten Abfall unter dem damaligen Coach Bruno Labbadia.

Der Weltmeister von 1990 stellte vor allem einen Unterschied zu damals heraus.

"Wir sind nach einem Negativerlebnis wieder zurückgekommen", sagte Völler, dessen Klub durch das 1:2 beim 1. FC Kaiserslautern knapp vier Monate nach dem DFB-Pokalfinale diesmal schon in der zweiten Runde die Segel streichen musste.

Seitenhieb gegen Labbadia

Diese und eine weitere Aussage zu den pädagogischen Fähigkeiten eines Jupp Heynckes können auch als versteckter Seitenhieb gegen Labbadia verstanden werden: "Was mir nach dem Kaiserslautern-Spiel gefallen hat, ist, dass Heynckes nicht draufgehauen, sondern die Spieler gelobt und ermutigt hat."

Als es im vergangenen Jahr bergab ging, hatte Labbadia das Rundum-Sorglos-Paket für die Spieler bei Bayer und damit indirekt auch die Selbstzufriedenheit der Profis kritisiert.

Teens und Twens und alte Hasen

Offensichtlich kommt Heynckes in dem Team aus hochtalentierten Teens und Twens oder alten Hasen wie Sami Hyypiä an.

"Wir haben eine direkte Reaktion gezeigt, damit man keinen Negativlauf bekommt", sagte Kapitän Simon Rolfes, der mit einem energischen Einsatz das verdiente Siegtor (82.) vor 49.300 Zuschauern erzielte.

Und Nationaltorhüter Rene Adler meinte: "Es war immer der starke Glaube zu sehen, dass wir das Spiel gewinnen können. Die Arbeit von Heynckes zahlt sich aus: die Defensive stärken und punktuell nach vorne spielen."

Schmerzhafte Pleite für Köln

Schmerzhaft war für Adler die 34. Minute, als Maniche ihm mit beiden Füßen in den Unterleib rutschte. Schmerzlich für Köln war die 87. Minute, als der Portugiese für eine ähnliches Vergehen von Schiedsrichter Michael Kempter (Sauldorf) die Rote Karte sah.

Und schmerzlich war nach Siegen beim VfB Stuttgart und im Pokal gegen Meister VfL Wolfsburg für Köln die Niederlage, die weiter den Verbleib auf einem Abstiegsplatz bedeutet.

"Ich habe zuvor bereits angedeutet, dass wir viel arbeiten müssen, um aus dieser Situation rauszukommen. Deshalb ist es schade, dass wir nicht einen Punkt geholt haben", sagte FC-Trainer Zvonimir Soldo.

Nationalstürmer Lukas Podolski blickte bereits zum nächsten Spieltag: "Ich freue mich auf die Bayern."

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