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Schalkes Torwart Manuel Neuer (M.) sorgte mit seinem Jubel vor den BVB-Fans für Ärger © getty

Schalke-Trainer Felix Magath feiert einen gelungenen Derby-Einstand, hält aber den Ball flach. In Dortmund fangen rauere Zeiten an.

Von Thorsten Mesch

Dortmund/München - Nach dem Schlusspfiff stellte drehte sich Manuel Neuer in Richtung Südkurve um und baute sich jubelnd vor den Dortmunder Fans auf.

Eine Provokation, die von den BVB-Anhängern mit wütenden Pfiffen quittiert wurde und die für Rangeleien auf dem Rasen sorgte.

"Ich bin 45 Minuten vor der Dortmunder Tribüne bepöbelt und beschmissen worden. Damit kann ich umgehen. Ich habe mich einfach nur gefreut, ich hatte ja keinen zum Umarmen", meinte Schalkes Torwart zu seiner Entschuldigung.

Für Neuer war der 1:0 (1:0)-Sieg im Revier-Derby beim BVB eine besondere Genugtuung, schließlich ist er gebürtiger Gelsenkirchener, und da schmeckt ein Erfolg in Dortmund besonders süß.

Großkreutz wirft Neuer Tätlichkeit vor

Allerdings behauptete der Dortmunder Kevin Großkreutz nach der Partie: "Manuel Neuer hat mir mit dem Ellenbogen auf die Nase geschlagen."

Die Szene soll passiert sein, als die Schalker Profis vom Jubeln zurück in den Mittelkreis liefen. Jedoch gibt es vom Geschehen keine TV-Bilder.

Und Neuer selbst stritt jeglichen Kontakt mit Großkreutz ab.

Maßlos enttäuschte Dortmunder

Für die Dortmunder war die Niederlage gegen den Erzrivalen, noch dazu im heimischen Stadion, "das Bitterste, was passieren kann", wie es BVB-Verteidiger Patrick Owomoyela ausdrückte.

BVB-Trainer Jürgen Klopp war "maßlos enttäuscht über das Ergebnis." Seine Mannschaft habe "das Spiel teilweise kontrolliert und große Möglichkeiten gehabt, aber unter dem Strich haben unsere Bemühungen nicht ausgereicht."

Klopp wartet mit seiner Mannschaft nun schon seit sechs Spielen auf einen Sieg und steht nach dem schlechtesten Saisonstart seit 24 Jahren nur noch einen Platz vor den Abstiegsrängen.

Auch im elften Duell gegen ein von Felix Magath trainiertes Team gelang Klopp kein Erfolg.

Magaths gelungener Derby-Einstand

Neun Siege und zwei Unentschieden, so lautet die Bilanz der Trainer-Duelle aus der Sicht von Magath, der den FC Bayern und den VfL Wolfsburg zu Meisterschaft geführt hat und mit Schalke gleich sein erstes großes Derby gewann.

"Dass wir ausgerechnet in der Höhle des Löwen gewonnen haben, ist besonders schön für die Fans. Es war ein toller Nachmittag, und die Mannschaft hat verdient, am Abend zu feiern", sagte Magath.

Schon jetzt Heldenstatus bei den Fans

"Wir haben drei Punkte mehr, die wir auch gebraucht haben, weil wir das letzte Heimspiel nicht gewonnen haben", betonte der Coach und befand: "Der Sieg im Derby wird unser Verhältnis zu den Fans weiter verbessern."

Beim Schalker Anhang genießt der 56-Jährige bereits wenige Monate nach seinem Dienstantritt fast schon Heldenstatus.

Nach dem 1:2 gegen Wolfsburg wurden Spieler und Trainer von den Fans trotz der Niederlage gefeiert, unter der Woche gelang durch ein 3:0 im "kleinen Derby" in Bochum der Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale.

"Das Ziel ist noch in weiter Ferne"

Nach sieben Spieltagen steht Schalke mit 13 Punkten auf Platz drei, doch von der Teilnahme am Europapokal wollte Magath noch nicht reden.

"Das Ziel ist noch in weiter Ferne", mahnte der Coach: "Wir haben noch einen großen Teil des Weges vor uns und wir haben noch viel Arbeit."

Jüngste Bundesliga-Startelf seit 30 Jahren

Was Magath beim FC Schalke ohne Millionen-Investitionen bisher geleistet hat, ist erstaunlich. In Dortmund standen zuweilen sieben Spieler im Alter von 21 Jahren und jünger auf dem Rasen. Es war die jüngste Schalker Bundesliga-Startelf seit fast 30 Jahren.

Levan Kenia (18), Christoph Moritz (19) und Lukas Schmitz (20) agierten im Mittelfeld abgeklärt wie alte Hasen, Kenia leitete den Siegtreffer mit einem Pass auf Halil Altintop ein, der Jefferson Farfan mustergültig auflegte.

Farfan zeigt sein wahres Potenzial

Der Peruaner, unter Fred Rutten zumeist unter seinen Möglichkeiten spielend, zeigt unter Magath sein wahres Potenzial.

Marcelo Bordon machte in Dortmund mit dem 20 Jahre alten Carlos Zambrano hinten dicht, Neuer rettete mit mehreren Glanztaten den etwas glücklichen, aber verdienten Sieg.

"Nach der schwierigen letzten Saison freuen sich natürlich alle, dass wir wieder eine Mannschaft haben, die kämpft, fightet und mithalten kann", sagte Magath.

BVB: Pech und mangelnder Biss

Gekämpft haben die Dortmunder auch, doch fehlten ihnen letztlich die spielerischen Mittel und das nötige Glück, wie beim Schuss von Lucas Barrios, als der Ball zweimal von der Latte auf die Linie sprang.

Die Fernsehbilder zeigten, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark wohl richtig gelegen hatte, wie auch beim Kopfballtor durch Tamas Hajnal, als er auf Abseits entschied.

Zudem ließen die Dortmunder den nötigen Biss vermissen. In der Schlussphase musste Neuer überhaupt nicht mehr eingreifen, und so feierten die Gäste den 26. Derby-Sieg und glichen damit die Bundesliga-Bilanz im Revier-Duell aus.

"Ein richtiger Scheißtag"

Die Dortmunder waren angesichts der feiernden Schalker restlos bedient. "Heute war ein richtiger Scheißtag. Wir müssen zusehen, dass wir jetzt endlich wieder in die Spur kommen", meinte Owomoyela.

Den Weg aus der Krise zu finden, wird für den BVB kein leichtes Unterfangen.

"Es ist klar, dass es jetzt rauer wird bei uns. Jetzt müssen wir sehen, wie wir damit umgehen", sagte Klopp: "Wir haben uns das eingebrockt, und wir müssen es auch auslöffeln."

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