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Louis van Gaal kam vor der Saison vom AZ Alkmaar zum FC Bayern München © getty

Louis van Gaal reagiert auf die Pleite des FC Bayern gegen Hamburg dünnhäutig. Bruno Labbadia freut sich über eine Super-Antwort.

Von Felix Götz

München - Die Gesichtsfarbe von Trainer Louis van Gaal erinnerte an die eines in Rage geratenen Uli Hoeneß.

Der Niederländer war nach der 0:1-Niederlage seines FC Bayern beim Hamburger SV und dem damit verbundenen Abrutschen auf Rang sechs restlos bedient.

Dementsprechend dünnhäutig reagierte der 58-Jährige auf Fragen, die seine überraschenden taktischen Umstellungen betrafen.

"Wir haben ein gutes Spiel gemacht und haben die Chancen nicht genutzt. Das war das Problem und nichts anderes", knurrte der frühere Trainer des FC Barcelona ins Mikrophon.

Van Gaal überrascht mit Dreierkette

Van Gaal änderte trotz fünf Siegen in Folge seine Taktik und ließ zunächst mit einer Dreierkette spielen.

155954(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

Auf der rechten Außenverteidigerposition wurde der gelernte Innenverteidiger Breno aufgeboten, Philipp Lahm rückte dafür ins rechte Mittelfeld.

Obwohl das neue System in der ersten Halbzeit recht gut funktionierte, stellte van Gaal im zweiten Durchgang auf eine Viererkette um.

"Sie haben dann mit Elia links und mit Piotr Trochowski rechts gespielt. In der ersten Halbzeit haben sie mit einer Raute agiert. Wenn sie das nicht sehen, dann ist das nicht mein Problem", fuhr er einen Journalisten an.

"Das habe ich schon oft erklärt"

Der FC Bayern hat noch immer nicht die ideale Formation gefunden. Das räumte van Gaal - immer noch sauer - auch ein: "Wir befinden uns in einem Prozess. Das habe ich schon so oft erklärt."

Das Spiel an sich deprimierte van Gaal nicht unbedingt. Er räumte richtigerweise ein, dass die Begegnung nicht nur von der Tabellensituation her "ein Spitzenspiel" war. Und in solchen Duellen entscheidet oft nur eine Aktion.

"Es war klar, dass der gewinnt, der das Tor macht. Wir haben leider keines gemacht", so van Gaal. 155954(DIASHOW: Der 7. Spieltag)

Auch weil die Bayern mit dem Millionensturm, der zunächst nur aus Olic, später dann aus Miroslav Klose und Mario Gomez bestand, erstmals in dieser Saison ohne eigenes Tor blieben.

Gomez agiert unglücklich

Erstens weil Olic in der 57. Minute freistehend am guten HSV-Keeper Frank Rost scheiterte und zweitens, weil Miroslav Klose bei seinem Treffer im Abseits stand.

Außerdem hinterließ der wahrscheinlich etwas verunsicherte Gomez in den 24 Minuten, in denen er auf dem Feld stand, einen unglücklichen Eindruck.

Der ehemalige Stuttgarter ließ in der 72. Minute Ze Roberto in den Strafraum ziehen, der legte quer auf Petric, und der Kroate erzielte aus fünf Metern das einzige Tor des Tages.

Schlechter Saisonstart hat Folgen

Vielmehr als die Niederlage im Spitzenspiel ist es die allgemeine Situation bei den Bayern, die für mäßige Laune sorgt. Nach den Erfolgen gegen Wolfsburg, Dortmund und Nürnberg hatte der Rekordmeister den Angriff auf die Spitze geplant.

Jetzt aber reißen alte Wunden wieder auf. Der schlechte Saisonstart mit nur zwei Zählern aus den ersten drei Partien macht sich bemerkbar.

Anstatt wie geplant bald vom Platz eins zu grüßen, gilt es jetzt sich neu zu motivieren.

Die Aufholjagd auf das Spitzenduo aus Leverkusen und Hamburg, die mittlerweile bis auf sechs Punkte enteilt sind, muss wieder gestartet werden.

Van Gaal muss immer gewinnen

Am Mittwoch stehen die Münchner somit in der Champions League gegen Juventus Turin schon wieder unter Druck.

Van Gaal weiß, dass nur konstant gute Ergebnisse für Ruhe sorgen: "Meine Aufgabe ist es, immer zu gewinnen. So einfach ist das."

Während die Münchner unzufrieden waren, atmeten die Hamburger nach der erfolgreichen Verteidigung der Tabellenspitze kräftig durch.

"Super-Antwort" vom HSV

Nach den peinlichen Niederlagen im DFB-Pokal beim Drittligisten VfL Osnabrück und dem 0:3-Debakel in der Europa League bei Rapid Wien prophezeite so mancher, dass die Norddeutschen nun abstürzen würden.

Und das, obwohl die Hamburger in der Liga nach wie vor ungeschlagen sind.

"Wir waren vor dem Spiel Erster und überall wurde nur über Krise gesprochen. Das war eine Super-Antwort. Die muss man gegen den FC Bayern erstmal hinbekommen", erklärte Trainer Bruno Labbadia.

HSV will wie Bayern sein

Während die HSV-Fans bereits wieder von der Meisterschaft träumten, wollten die Spieler nicht vom einen ins andere Extrem übergehen.

"Gerade wir wissen, wie schnell es gehen kann. Wir müssen auf dem Boden bleiben", sagte Torschütze Petric.

Auch Labbadia hält die Bayern nach wie vor für stärker als die Hamburger, alleine schon wegen des breiten Kaders: "Wenn man sieht wen die Bayern noch eingewechselt haben. Da wollen wir mal hin. Aber dazu müssen wir noch den ein oder anderen Schritt machen.

Dazu braucht man sportlichen Erfolg: Die nächste Gelegenheit dazu haben die Hamburger am Donnerstag in der Europa League, wenn es gegen Hapoel Tel Aviv geht.

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