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Michael Oenning ist seit August 2008 Cheftrainer beim 1. FC Nürnberg © getty

Nach drei Pleiten macht sich beim Club Enttäuschung breit. Coach Oenning und Sportdirektor Bader betreiben Ursachenforschung.

Nürnberg - Die Flitterwochen sind vorbei, die Aufstiegseuphorie ist bereits verflogen.

Beim 1. FC Nürnberg und seinen Anhängern herrscht nach dem siebten Spieltag die große Ernüchterung. Das 0:1 (0:1) gegen den VfL Bochum am Freitag endete in einem gellenden Pfeifkonzert.

"Wir können uns darüber nicht beschweren", erklärte Torhüter Raphael Schäfer, "die Zuschauer haben bislang Geduld mit uns gehabt. Es ist schon okay, wenn sie nach so einem Spiel pfeifen. Die letzten drei Spiele sind ja auch nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben." 155954(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

Schlappe in Bochum verhindert Besserung

Nach den Niederlagen bei Bayern München (1:2) und daheim im DFB-Pokal gegen 1899 Hoffenheim (0:1) galt das Spiel gegen Bochum als eine Art vorgezogenes Endspiel, Trainer Michael Oenning hatte es zum "wichtigsten der Trilogie" erhoben.

Der Gegner war aus der Kategorie "unsere Kragenweite", zumindest dachten sie das bei den Franken.

Einen frühen Gegentreffer von Diego Klimowicz (7.) sowie weitere 86 Minuten inklusive Nachspielzeit später war aber nicht nur für das Publikum erkenntlich: Mit dieser Einstellung und mit dieser Spielanlage wird das nichts in der Bundesliga.

Rückschläge haben die Verantwortlichen beim Club erwartet, "aber nicht, dass sie so früh in der Saison kommen", gab Oenning zu.

Vehemenz fehlt

Nach dem Rückstand verkrampften die Gastgeber. "Wir haben zu kompliziert gespielt, die Mannschaft war verunsichert, die Ideen haben gefehlt", analysierte Schäfer.

Trainer Oenning konnte dem nur zustimmen, "die größte Enttäuschung" sei für ihn gewesen, betonte er, "dass wir erstmals Nerven gezeigt haben."

Eingeschüchtert wirkten seine Spieler, mit einer "besseren Körpersprache und mehr Vehemenz" hätte der Sieg aber "erzwungen" werden müssen, sagte Oenning.

Ursachenforschung

Über das Wochenende wollte der Trainer analysieren, woran es derzeit krankt beim Club, ab Montag will er daran arbeiten lassen.

Das kann nur heißen: Zweikämpfe im Strafraum und Torschüsse üben.

Nicht mal gegen die bislang schwächste Abwehr der Liga gelang dem weiter harmlosesten Angriff der Liga ein Treffer.

Bader: "Sind im Strafraum zu wenig präsent"

"Das sind Dinge, die dich schon ins Grübeln bringen", gestand Sportdirektor Martin Bader und klagte:

"Wir schießen nicht nur zu wenig Tore, wir sind auch im Strafraum zu wenig präsent." Ihm fehle, ergänzte er, "die Gier" der Spieler, einen Treffer erzielen zu wollen.

Nach nur sieben Spieltagen sprechen die Nürnberger deshalb schon Sätze aus, die nahe an Durchhalteparolen sind.

"Wir müssen jetzt Ruhe bewahren, die Saison ist noch nicht vorbei. Wir sind jetzt als Team gefordert. Der Weg, den der Verein mit jungen Spielern geht, ist richtig, wir dürfen jetzt nicht alles schlecht reden", sagte Keeper Schäfer.

"Mannschaftsgeist stimmt"

Der erneut verletzte Kapitän Andreas Wolf ergänzte:

"Wir dürfen jetzt nur kein Fass aufmachen. Wir müssen trotzdem positive Gedanken bewahren. Wir sind ein Team, bei uns stimmt es innerhalb der Mannschaft."

Trendwende gegen Leverkusen?

Sportdirektor Bader blickt trotzdem einigermaßen ernüchtert auf das kommende Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen.

"Wir müssen jetzt schauen", sagte er, "dass wir das Spiel in Leverkusen einigermaßen erträglich hinbekommen."

Klingt nicht, als sei der Club gerade überzeugt von dem, was er tut.

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