vergrößernverkleinern
Young Pyo Lee (l.) feierte gegen Schalke sein Bundesligadebüt für den BVB © imago

Eine Werbeanzeiger des Hauptsponsors von Borussia Dortmund sorgt bei den Stadtoberen von Gelsenkirchen für helle Aufregung.

Von Martin van de Flierdt

München - Das Revierderby ist Vergangenheit, der FC Schalke hat gar schon das nächste Spiel, ein 4:1 im UEFA-Pokal bei Apoel Nikosia, hinter sich. Borussia Dortmund verlor am Donnerstagabend im gleichen Wettbewerb 0:2 gegen Udinese Calcio.

Dennoch erregt das 3:3 zwischen beiden Teams am zurückliegenden Samstag weiter die Gemüter im Ruhrpott. Neuer Aufreger ist eine Werbeanzeige von BVB-Hauptsponsor Evonik.

In der Stadionzeitung und einem Fußball-Fachmagazin hatte das Unternehmen folgenden Anzeigentext verbreitet: "Katholisch, Evangelisch, Neuapostolisch. Wir haben kein Problem mit Kirchen. Außer es steht 'Gelsen' davor."

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Klaus Haertel sind für derartogen Humor nicht empfänglich. Sie forderten Evonik-Chef und BVB-Beirat Werner Müller schriftlich zu einer Entschuldigung auf.

"Durch diese Anzeige der Evonik-AG wird eine ganze Stadt mit ihren Bürgerinnen und Bürgern beleidigt", drückte Haertel sein "erhebliches Befremden" über die Werbeaktion aus.

Sie sei gerade für den Nachfolgekonzern der Ruhrkohle AG "völlig unangebracht und geschmacklos", weil besonders die Menschen in Gelsenkirchen den Bergbau "trotz aller Belastungen, die Kohleabbau und -verarbeitung mit sich gebracht haben", immer unterstützt hätten.

BVB-Sponsor nimmt's locker

Die geforderte Entschuldigung wird ausbleiben, denn bei Evonik reagierte man mit einem Schmunzeln auf die pikierte Reaktion in der Nachbarstadt. "Wir können gut verstehen, dass dem Schalke-Anhänger Haertel der Humor nach dem Spiel am Samstag vergangen ist", erklärte eine Sprecherin.

OB Baranowski warf dem Unternehmen daraufhin vor, das Ziel der Anzeige verfehlt zu haben. "Nicht Schalke 04 wurde hier angegriffen, sondern die Stadt Gelsenkirchen." Das wiederum will Evonik so nicht auf sich sitzen lassen. "Es geht hier nicht um die Stadt, es geht um Fußball", meinte Firmensprecher Chistian Kullmann.

Das sei der Anzeige problemlos zu entnehmen. "Schließlich ist neben dem Text ein betender Borussia-Fan in Vereinskluft zu sehen. Und wenn das Spiel anders ausgegangen wäre, hätten wir jetzt nicht diese absichtsvolle Aufregung."

Anzeige mit weniger öffentlichem Echo

Letzteres ist wohl wahr. Denn vor dem vergangenen DFB-Pokalfinale des BVB gegen Bayern München hatte Evonik eine ähnlich provokante Anzeige geschaltet: "Lieber FC Bayern", hieß es da, "Die Besichtigung des DFB-Pokals wird nach telefonischer Voranmeldung jederzeit möglich sein."

Die Münchner setzten sich mit 2:1 nach Verängerung durch und können die Trophäe daher derzeit auch ohne Terminabsprache immer aus der Nähe betrachten. Dass sie sich über den Evonik-Spruch jemals aufgeregt hätten, ist nicht bekannt.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel