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Lucien Favre (l.) ist seit dem 1. Juni 2007 Trainer bei Hertha BSC © getty

Nach dem Debakel gegen Hoffenheim ringen die Verantwortlichen um Worte. Der Trainer erklärt, dass er nicht zurücktreten werde.

Von Felix Götz

München - Trainer Lucien Favre hatte es nach dem 1:5-Debakel seiner Berliner in Hoffenheim die Sprache verschlagen.

Minutenlang schaute der Schweizer von seiner Bank aus fassungslos ins Leere, ehe er wortlos an den wartenden Journalisten vorbei ging und in der Kabine verschwand. 155954(DIASHOW: Der 7. Spieltag)

Dort saß der 51-Jährige über eine Stunde lang mit Manager Michael Preetz zusammen, um die angesichts der sechsten Niederlage in Folge und dem letzten Platz in der Tabelle katastrophale Lage zu begreifen.

"Wenn man so schnell 0:3 zurückliegt, ist das Spiel gelaufen. Ich muss mir die Partie morgen noch mal anschauen, deshalb möchte ich jetzt nichts dazu sagen", erklärte Favre anschließend.

"Natürlich ist in dieser Situation niemand zufrieden. Es bringt nichts, jetzt voreilig zu analysieren."

"Werde nicht zurücktreten"

Noch in der letzten Saison war der frühere Coach des FC Zürich der gefeierte Held in der Hauptstadt, jetzt scheint seine Entlassung nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

"Wir werden Lösungen finden. Ich werde aber nicht zurücktreten", sagte Favre.

Preetz erklärte: "Wir haben weiter das volle Vertrauen in den Trainer. Aber man muss auch sehen, dass all die letzten Maßnahmen, die wir ergriffen haben, nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sind."

Auf die Frage, ob er garantieren könne, dass Favre auch in den nächsten Spielen auf der Hertha-Bank sitzen wird, antwortete der frühere Stürmer:

"Ich bitte um Verständnis. Ich kann nach so einem Spiel dazu nichts Eindeutiges sagen."

Favre hat noch Ideen

Und Preetz sagte weiter: "Wir müssen uns jetzt alle an einen Tisch setzen, die Lage analysieren und schauen, dass wir eine Lösung finden, um wieder da rauszukommen."

Ideen dazu, so versicherte Favre, habe er noch immer genug.

In Berlin versucht man eine voreilige Trainerentlassung vielleicht auch deshalb hinauszuzögern, weil alle Beteiligten wissen, dass es der Mannschaft an Qualität fehlt.

Es ist nichts Neues, dass die Leistungsträger Marko Pantelic, Andrej Voronin und Josip Simunic, die den Verein vor der Saison verlassen haben, nicht im Ansatz adäquat ersetzt wurden.

Also könnte ein neuer Übungsleiter womöglich auch nicht wesentlich mehr aus dem Team herauskitzeln.(DATENCENTER: Der Hertha-Kader)

Hertha BSC erstarrt

Selbst das kurze Trainingslager, das die Berliner seit Freitag in Nordbaden bezogen hatten, und ein Mannschaftsabend bei dem Alkohol ausdrücklich "erwünscht" war, hauchten den Spielern keine neuen Lebensgeister ein.

Ganz im Gegenteil: Die Mannschaft erstarrte vor den starken Hoffenheimern wie das Kaninchen vor der Schlange und lag bereits nach 21 Minuten durch einen lupenreinen Hattrick von Vedad Ibisevic mit 0:3 zurück.

Obwohl Raffael mit einem herrlichen Freistoß unmittelbar vor der Pause noch verkürzte, änderte sich im zweiten Durchgang an der Berliner Lethargie nichts.

Die Herthaner ließen die Köpfe hängen, gingen nicht in die Zweikämpfe und wurden von Carlos Eduardo und Co. in einer Art und Weise vorgeführt, die ihresgleichen suchte.

Schließlich erhöhten Chinedu Obasi (58.) und Eduardo per Elfmeter (63.) auf 5:1.

"Eine klasse Leistung"

Während die Berliner nach dem Spiel völlig fertig waren, feierten die Hoffenheimer mit ihren begeisterten Fans überschwänglich.

"Es war eine klasse Leistung", fasste 1899-Trainer Ralf Rangnick, dessen Gesicht von einem glückseligen Lächeln überzogen war, kurz aber passend zusammen.

Die Spielweise der Kraichgauer erinnerte in Sachen Tempo und Präzision doch wieder sehr an die der Hinrunde der vergangenen Saison.

Durch den vierten Sieg in Folge und den damit verbundenen Sprung auf Platz drei verschafften sich die Hoffenheimer, die nur noch drei Punkte hinter Hamburg und Leverkusen liegen, eine glänzende Ausgangsposition für die beiden schweren Auswärtsspiele in Mainz und bei Werder Bremen.

Alle freuen sich für Ibisevic

Besonders gefeiert wurde Ibisevic, der erstmals seit seinem Kreuzbandriss wieder in einem Pflichtspiel getroffen hatte.

Sogar Rangnick fiel dem Bosnier um den Hals. "Ich habe ihm immer gesagt, dass man Toreschießen nicht verlernt. Der Hattrick war für ihn ein Traum. Jeder in der Mannschaft hat sich total für ihn gefreut", sagte der 51-Jährige.

Tore dank neuem Schuh

Ibisevic selbst war überglücklich: "In der letzten Zeit haben die Tore gefehlt. Heute kamen sie ja wie von allein."

Den Grund dafür glaubte der Stürmer zu kennen: "Ich habe heute zum ersten Mal mit meinen neuen Schuhen gespielt."

Der 25-Jährige sollte sich vielleicht den Berlinern als Berater zur Verfügung stellen - die würden sich über so einfache Möglichkeiten zur Problemlösung sicher freuen.

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