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Wolfgang Stark ist seit 1999 FIFA-Schiedsrichter © getty

Öffentliche Stellungnahmen der Referees sind nicht erwünscht. Wer gegen das Redeverbot verstößt, dem droht der WM-Ausschluss.

München - Pfeifen ja, reden nein:

Wenn der deutsche Top-Schiedsrichter Wolfgang Stark in den kommenden Wochen seine Spiele in der Champions League, der WM-Qualifikation und der U17-WM in Nigeria geleitet hat, dann ist nach dem Willen der FIFA seine Arbeit jeweils mit dem Schlusspfiff getan.

Sagen sollte der 39-Jährige im Anschluss an die Partien besser nichts, wenn er seine Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika nicht gefährden will.

Die FIFA hat allen WM-Kandidaten einen "Maulkorb" verpasst.

Auch beim Revierderby kein Statement

Für Stellungnahmen in der Öffentlichkeit sollen die Unparteiischen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Deshalb durfte sich Stark nach dem Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 (0:1) am Samstag nicht äußern.

Dabei hätte es mit einem Wembley-Tor und einem annullierten Abseitstreffer von BVb-Angreifer Lucas Barrios genügend Gesprächsstoff gegeben.

Ähnliches Vorgehen schon 2006

Dieses rigide Vorgehen praktizierte die FIFA bereits bei den zurückliegenden Großveranstaltungen.

Auch dort durften die Referees nur bei ausgesuchten Terminen vor und während den Endrunden Stellung beziehen.

"Wir durften schon Monate vor der Weltmeisterschaft keine Äußerungen mehr machen. Das war gang und gäbe vor großen Turnieren", sagte der frühere FIFA-Schiedsrichter Herbert Fandel, der vor der WM 2006 kurzfristig aus dem Schiedsrichter-Aufgebot gestrichen wurde.

Merk abgestraft

Wer sich in der Vergangenheit nicht an diese Vorgabe hielt, musste mit Konsequenzen rechnen. Vor allem Fandels damaliger Kollege Markus Merk spürte das am eigenen Leib.

Der für seine offene Art geschätzte dreimalige Welt-Schiedsrichter aus Otterbach wurde von der FIFA noch während der WM im eigenen Land abgestraft.

Merk durfte damals nach der Vorrunde nicht mehr pfeifen. Zudem wurde dem Pfälzer der erhoffte Einsatz in seiner Geburtsstadt Kaiserslautern verwehrt.

Merk führte daraufhin den offenen Bruch mit der FIFA herbei und beschuldigte den Weltverband, ihm mit der Kasernierung im Schiedsrichter-Quartier in Neu-Isenburg zwei Wochen seines Lebens gestohlen zu haben.

DFB hat andere Ansicht

Damit Merks Nachfolgern ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, erlaubt sich der DFB keine Kritik an der FIFA.

Auch wenn das Vorgehen des Weltverbands im Gegensatz zu den Vorstellungen des Verbands, der die Referees sogar zu öffentlichen Stellungnahmen ermuntert, steht.

"Vonseiten des DFB dürfen sich die Schiedsrichter selbstverständlich zu den Spielen äußern. Wir haben aber keinen Einfluss darauf, welche Anforderungen die FIFA an ihre Schiedsrichter stellt", sagte der für die Unparteiischen zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

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