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Louis van Gaal wurde in der vergangenen Saison Meister mit AZ Alkmaar © imago

Nach dem erneuten Rückschlag in der Bundesliga will sich der FC Bayern wenigstens in der Champions League schadlos halten.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Ursprünglich hatte er geplant, ein festes System zu etablieren.

Doch Trainer Louis van Gaal überrascht fortwährend mit neuen taktischen Variationen - so wie auch beim 0:1 gegend den Hamburger SV.

Er darf das, der Niederländer hat von Manager Uli Hoeneß offiziell den Titel "richtiger Fußballlehrer" erhalten.

Am Dienstag wartet der Rekordmeister seit 500 Tagen auf eine Bundesliga.Tabellenführung.

Doch bei van Gaal kommt niemand auf die Idee, die Umstellung als Fehler zu sehen - sondern vielmehr als Flexibilität.

Kein Vergleich mit Klinsmann

Seinem Vor-Vorgänger beim FC Bayern, Jürgen Klinsmann, wurden Experimente mit der Dreierkette noch als Inkompetenz ausgelegt.

Im Sommer studierte van Gaal noch sein 4-4-2 mit Raute mit Franck Ribery als Zehner ein.

Gegen Hamburg ergänzte er aber die mittlerweile lange Liste der diesjährigen taktischen Variationen um eine weitere Facette, indem er seine Elf in einem 3-3-3-1 agieren ließ.

Experiment mit Dreier-Abwehr

Vor Torhüter Jörg Butt formierte sich erstmals in dieser Saison keine Vierer-, sondern eine Dreierkette mit Breno (rechts), Daniel van Buyten (zentral) und Holger Badstuber (links).

Davor fand sich ein dichtes Sechser-Mittelfeld. Als einzige Spitze agierte Ivica Olic.

Das Konzept ging nur zum Teil auf, am Ende stand fest, dass van Gaal noch immer auf der Suche nach Form und Formation ist.

Sein "Entwicklungsprozess" dauert an. Noch nicht jeder seiner Profis versteht, was der Trainer will.

Entsprechend wollte sich der Coach gar nicht mehr lange mit der Pleite im Spitzenspiel aufhalten. Schlecht gelaunt richtete er vielmehr den Blick nach vorne.

"Jetzt geht es weiter. Meine Aufgabe ist es, jede Partie zu gewinnen", sagte der knorrige Niederländer vor dem Duell mit Juventus Turin am Mittwoch.

Herausforderung gegen Juve

In der Champions League führt der deutsche Rekordmeister die Gruppe A an und kann mit einem Sieg einen wichtigen Schritt in Richtung Achtelfinale machen.

"Das ist der erste internationale Gradmesser", weiß Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

In der Allianz Arena stehen bei der wieder erstarkten "Alten Dame" gefährliche Offensivkräfte wie Vicenzo Iaquinta, David Trezeguet und der Ex-Bremer Diego auf dem Rasen.

Für die Bayern-Abwehr wird das eine große Herausforderung. Denn auf den Außenbahnen gibt es ein echtes Problem.

Am Samstag durfte sich noch Breno auf der rechten Seite versuchen. Philipp Lahm wechselte dafür wieder auf links.

Wo ist Brenos Klasse?

Doch Breno blieb einmal mehr den Beweis seiner angeblichen Klasse, die ihm von Rummenigge und von Manager Uli Hoeneß immer wieder attestiert wird, schuldig.

Auch die von van Gaal verpflichteten Daniel Pranjic und Edson Braafheid konnten die Erwartungen bisher nicht erfüllen.

Lediglich auf Innenverteidiger Daniel van Buyten ist Verlass. Talent Holger Badstuber agiert im Abwehrzentrum solide, international hat er aber keinerlei Erfahrung.

Nach dem Verkauf von Lucio zu Inter Mailand bliebe nur noch Martin Demichelis - doch der Argentinier ist seit Wochen verletzt.

Im Angriff dagegen hat van Gaal die Qual der Wahl.

Das Sturmduo der deutschen Nationalmannschaft mit dem formschwachen Mario Gomez und Miroslav Klose fand sich zuletzt meist auf der Bank wieder, Luca Toni musste in der "Zweiten" Spielpraxis in der 3. Liga sammeln.

Dafür standen Ivica Olic und der junge Thomas Müller im Fokus.

Hoeneß müht sich um Gelassenheit

Da der Bayern-Coach auf ein System mit drei Angreifern inklusive der beiden "Außen" Franck Ribery und Arjen Robben setzt, bleibt auch gegen Juve im Zentrum nur Platz für einen Stürmerstar.

Für Hoeneß ist dies aber nur "ein Luxusproblem". Unruhe befürchtet er nur dann, "wenn der eine oder andere eine unbedachte Äußerung macht".

Gomez hat seinen Frust bereits im Sport1.de-Interview öffentlich gemacht und dafür von Rummenigge den ersten Rüffel erhalten.

Doch trotz der vielen Problemfelder und der unbefriedigenden Tabellensituation waren Spieler und Verantwortliche auch vor dem Juve-Spiel um Gelassenheit bemüht.

Hoeneß sieht trotz sechs Punkten Rückstand auf Hamburg das Team "grundsätzlich auf einem guten Weg. Ich glaube, dass wir allen Grund haben, ruhig zu bleiben. Erst wenn wir am Ende nicht ganz oben stehen, haben wir vielleicht ein Problem".

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