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Schalkes Torwart Manuel Neuer (M.) sorgte mit seinem Jubel vor den BVB-Fans für Ärger © getty

Die angebliche Attacke gegen Großkreutz hat für Neuer kein Nachspiel. Der BVB gesteht auch eigene Schwächen ein.

Von Thorsten Mesch

München/Dortmund - Was genau nach dem Revierderby geschah, ist noch nicht endgültig geklärt.

"Er hat mir mit dem Ellenbogen einen gegeben", behauptete Dortmunds Kevin Großkreutz nach dem 0:1 (0:1) gegen Schalke 04 und ergänzte: "Er hat es mit voller Absicht getan.

"Er" ist Schalkes Torwart Manuel Neuer, und der bestreitet eine Tätlichkeit gegen den Dortmunder Stürmer.

Nachdem es am Samstag nach dem Spiel keinerlei Bildmaterial der besagten Szene gegeben hatte, tauchte später ein Video auf, in dem Neuer mit dem Kopf eine Bewegung in Richtung des hinter ihm stehenden Großkreutz machte. 70433(Die Bilder)

"Sein Kopfstoß war die erste Attacke, die mich zum Glück nicht voll erwischte. Danach kam noch sein Ellenbogen", erklärte Großkreutz: "Er lügt, wenn er das bestreitet."

DFB ermittelt nicht

Ähnlich wie Großkreutz hatten sich Dortmunds Profis Nuri Sahin und Marcel Schmelzer geäußert, die den Vorgang beobachtet haben wollen.

Doch für Neuer bleibt die Szene ohne Folgen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes nimmt keine Ermittlungen gegen den U-21-Europameister auf.

Für eine Tätlichkeit an Großkreutz gebe es keine Anhaltspunkte, hieß es vom DFB nach Ansicht der Fernsehbilder.

"Gute Nacht, deutscher Fußball"

Schalke-Coach Felix Magath bezeichnete die anhaltende Diskussion als "total unsinnig".

"Ich habe so etwas in 30 Jahren Fußball noch nie erlebt und muss erstmals sagen, die Dortmunder sind einfach schlechte Verlierer. Wenn das Denunzieren von Spielern Schule macht: Gute Nacht, deutscher Fußball", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Historischer Fehlstart

Vielleicht wollen die Dortmunder mit den Vorwürfen gegen Neuer auch vom schlechtesten Saisonstart seit 24 Jahren ablenken. Nur 1985/86 wies die Borussia mit lediglich drei Unentschieden nach sieben Spieltagen eine noch schlechtere Bilanz auf.

Am Ende der Saison landete der BVB auf dem 16. Platz und entging in der Relegation gegen Fortuna Köln nur haarscharf dem Abstieg.

Breitseite gegen Schiri Stark

Dass es gegen Schalke erneut nicht reichte, lag für Sportdirektor Michael Zorc - vor 24 Jahren selbst als Spieler im Einsatz - auch an der Leistung von Schiedsrichter Wolfgang Stark.

"Wir müssen doch festhalten, dass wir klar benachteiligt worden sind. Und das nicht zum ersten Mal", sagte Zorc.

"Barrios' Schuss war drin, vor dem Gegentor foult Farfan, und bei Pliatsikas' Attacke gegen Großkreutz muss es Elfmeter geben."

Zorc gesteht Offensivschwäche ein

"Wir wollen nicht lamentieren", meinte auch Trainer Jürgen Klopp, um es dann doch zu tun:

"Wir reden über Tatsachen, die möglicherweise zu einer anderen Entwicklung geführt hätten. Sie herauszustellen, ist für die Einschätzung unser Situation wichtig."

Als Entschuldigung für das enttäuschende Resultat wollte Zorc die Entscheidungen des Unparteiischen aber nicht gelten lassen. "Fakt ist auch, dass wir im vorderen Bereich einfach zu wenig Durchschlagskraft haben und zuletzt häufig die nötige Kreativität vermissen ließen", sagte der BVB-Sportchef der "Bild". (DATENCENTER: Der 7. Spieltag)

Das spielerische Element kam gegen Schalke - wieder einmal - zu kurz.

Wehmütige Erinnerungen an Alex Frei

Als Lucas Barrios zweimal in aussichtsreicher Position an Neuer scheiterte, werden sich nicht wenige BVB-Fans einen abgezockten Torjäger vom Typ eines Alexander Frei zurückgewünscht haben.

Doch der Schweizer wurde von Klopp ebenso aussortiert wie der Kroate Mladen Petric, der den Hamburger SV am Sonntag zum Sieg gegen den FC Bayern schoss.

Beide konnten bisher nicht gleichwertig ersetzt werden.

Leitwolf vermisst

Im offensiven Mittelfeld kann Tamas Hajnal nicht die nötigen Impulse setzen, und auch im defensiven Mittelfeld wird ein echter "Leitwolf" schmerzlich vermisst.

"Wir brauchen schnellstmöglich einen Spieler wie Sebastian Kehl", klagte Torwart Roman Weidenfeller. "Ich kann nur hoffen, dass er bald zurückkommt, um die Mannschaft zu führen."

Bei den lautstarken Diskussionen, die nach dem Spiel auch auf dem Gang in die Kabinen weitergingen, war Kehl als Schlichter beteiligt.

Doch auf dem Platz wird der Kapitän wird der Borussia wegen seiner Adduktorenverletzung wohl noch länger fehlen.

Klopp gibt sich trotzig

So auch am Samstag im nächsten Westschlager bei Borussia Mönchengladbach. Dort geht es für den BVB, der nur einen Platz vom Relegationsrang entfernt ist, darum, ein noch tieferes Abrutschen zu verhindern.

Klopp, der den BVB in seiner ersten Saison auf Platz sechs führte, muss sich plötzlich wieder, wie zuvor in Mainz, mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen. "Wir werden uns da rausziehen und ich bin mit ziemlich sicher, dass uns das gelingen wird", ist der Coach überzeugt.

"Wenn sich jemand nicht aus der Spur werfen lässt, dann sind wir das", gab sich Klopp trotzig. Doch ein Blick auf die nackten Zahlen lässt den Schluss zu, dass die Dortmunder diese Spur schon längst verlassen haben.

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