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Mladen Petric (l.) und Ze Roberto harmonieren glänzend beim HSV © imago

Mit dem Sieg gegen den FC Bayern ist beim Hamburger SV die Euphorie zurückgekehrt. Im Mittelpunkt des Jubels steht Ze Roberto.

Von Daniel Rathjen

München - Wie ein Aal glitt er durch die Bayern-Abwehr.

Auch Tage danach ist Ze Roberto, der die Vorarbeit zum entscheidenden 1:0 durch Mladen Petric gab, noch das Gesprächsthema beim Hamburger SV.

"Insgesamt ist der Sieg hoch einzuordnen. Wir hatten die stärkere Moral und den stärkeren Kopf", lobte Trainer Bruno Labbadia.

Das angekratzte Selbstwertgefühl ist endgültig wieder aufpoliert. Nach einer katastrophalen Woche hat sich der HSV am Rekordmeister wieder aufgerichtet.

Sowohl das 0:3 gegen Rapid Wien in der Europa League als auch das bittere Pokal-Aus in Osnabrück sind damit vergessen.

Lob gab es vor allem für Ze Roberto. Er ist der Hamburger Glückstransfer des Sommers.

Der Brasilianer spielte gegen seinen Ex-Klub ganz groß auf und dirigierte das HSV-Spiel. Fit, genial, erfahren und abgeklärt wirkte er dabei.

Vorlagengeber und Leitfigur

Mit seinen 35 Jahren erfrischt er den Bundesliga-Dino, dem lange eine solch spielerisch starke Komponente fehlte.

Bei den Rothosen ist er Vorlagengeber, Torjäger - schon drei Liga-Treffer in sieben Partien stehen für ihn zu Buche - und Leitfigur in einer Person.

Zur Erinnerung: Nur weil die Bayern dem "Zauber-Ze" keinen Zweijahresvertrag geben wollten, führte ihn sein Weg überhaupt an die Elbe.

"Ich freue mich für den HSV und für mich selber, dass wir ihn bekommen haben, weil für uns das Alter keine Rolle gespielt hat, weil wir nur die Qualität und auch den Menschen geholt haben", stellt Labbadia klar.

Ausgesprochen gut ist auch die Gemütslage beim Brasilianer selbst. "Ich bin glücklich beim HSV. Der Sieg war ein sehr schönes Gefühl. Wir hatten die Bayern im Griff", strahlte er.

Kampfansage an die Konkurrenz

Und er schickte eine Kampfansage an die Konkurrenz: "Dieses Spiel war ein Signal. Auch wir können Meister werden."

Von Genugtuung wollte er nicht sprechen, dennoch sei dieser Sieg für ihn "ein Geschenk Gottes".

Aufgrund seiner momentan herausragenden Form rechnet er sich auch wieder Chancen in der Nationalmannschaft aus. "Wenn ich so weiterspiele, habe ich große Chancen, dort wieder zu spielen", meinte er.

Doch nicht nur Ze Roberto war nach dem Coup gegen Bayern erleichtert.

Labbadia erleichtert

"Wenn man an der ersten Stelle steht und nur noch von Krise die Rede ist, muss man sehen, dass man sein eigenes Tempo geht", erklärte Labbadia.

"Die Mannschaft weiß, dass Sie im Pokal einen Fehler gemacht hat und ihrer Verantwortung gegenüber Fans und Verein nicht gerecht geworden ist. Daher bin ich froh, dass sie gegen Bayern über den Kopf gegangen ist und ein Gefühl dafür bekommen hat, was im Körper alles drinsteckt."

Das gilt auch für den Siegtorschützen Petric. "Wir waren nach den letzten Spielen niedergeschlagen. Wir hatten uns vorgenommen, mehr Gas zu geben, um aus der Phase der letzten Wochen rauszukommen", gestand er.

Demel nicht verletzt

Es scheint, als sei das nun gelungen. Bereits am Donnerstag muss sich der HSV in der Europa League gegen Hapoel Tel Aviv erneut beweisen.

Guy Demel, der gegen die Münchener zur Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden musste, ist dann wohl auch wieder dabei.

Nachdem zunächst eine schlimmere Verletzung befürchtet wurde, trainierte der Ivorer am Montagnachmittag überraschend unbeschwert wieder mit.

Boateng vor Verlängerung

Eine feste Größe ist mittlerweile auch Jerome Boateng - bei dem Abwehr-Allrounder läuft es richtig rund, auch sein DFB-Debüt dürfte er in Kürze feiern.

Und vor wenigen Tagen stieg der Verein in die Gespräche über eine Verlängerung seines noch bis 2012 laufenden Vertrages ein.

"Vorstellen kann ich mir das", zitiert die "Hamburger Morgenpost" Boateng.

"Ich sehe Hamburg nicht als Durchgangsstation. Der HSV ist ein großer Verein, ich habe ihm vieles zu verdanken."

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