vergrößernverkleinern
Peter Neururer trainierte bereits fünf Teams in der Bundesliga © imago

Bochum wartet mit der Benennung des Koller-Erben bis nächste Woche. Neururer, schon in Bochum gesichtet, könnte dann verfügbar sein.

Von Martin van de Flierdt

München - Der 1:0-Erfolg beim 1.FC Nürnberg hat die Verantwortlichen des VfL Bochum durchatmen lassen.

"Es ist gut zu sehen, dass Frank 'Funny' Heinemann und Dariusz Wosz gut mit der Mannschaft arbeiten", sagt VfL-Sportvorstand Thomas Ernst.

"Das gibt uns die Möglichkeit, ohne Druck nach einem neuen Trainer zu suchen."

Bei der Fahndung nach einem Nachfolger für den vor gut einer Woche entlassenen Marcel Koller wird es laut Ernst "keinen Schnellschuss geben":

"Wir werden keinesfalls rund um das Wolfsburg-Spiel einen neuen Trainer präsentieren, nicht davor und auch nicht kurz danach", kündigte er in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" an.

Diskussionen über Rückkehr zum Ex-Klub

Diese Aussage öffnet einer Spekulation Tür und Tor, die im Ruhrgebiet nun fleißig diskutiert wird:

Dass nämlich Peter Neururer einen fliegenden Wechsel vom kriselnden Zweitligisten MSV Duisburg zum VfL vorantreibt, den er bereits von Dezember 2001 bis Sommer 2005 trainiert hat.

In dieser Zeit schaffte er 2002 den Bundesliga-Aufstieg, zog 2004 gar mit den Bochumern in den UEFA-Cup ein, konnte aber im Jahr darauf den Absturz in die Zweitklassigkeit nicht verhindern.

VfL-Aufsichtsratsboss Werner Altegoer gilt immer noch als großer Fan Neururers, dessen extrovertierte Art auch das gewünschte Kontrastprogramm zum bedächtigen Koller darstellen würde.

Neururer in Bochum gesichtet

Wie es der Zufall will, wurde Neururer am Wochenende - zu einem Zeitpunkt also, als Ernst nach eigener Angabe erste Gespräche mit möglichen Kandidaten geführt hat - in Bochum angetroffen.

"Ich hatte in der dem Stadion nahegelegenen Klinik einen privaten Termin", erklärte er der "Bild" diesen Umstand.

"Jeder weiß, dass ich nach wie vor ein tolles Verhältnis zu den Bochumern habe. Doch ich würde nie die Situation beim MSV ausnutzen, um mich beim VfL anzubiedern."

Dies zumindest als Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dürfte aber selbst Neururer nicht als abwegig bezeichnen.

Denn nach dem enttäuschenden Duisburger 0:1 in Oberhausen drohte der 54-Jährige offen mit seinem Rücktritt beim MSV.

Eindeutige Abschiedsdrohung

"Sollten sich die Spieler am Freitag gegen Union Berlin genauso präsentieren, mache ich nicht mehr mit, dann war?s das", hatte er in der "Bild" angekündigt.

Der "Neuen Ruhr-Zeitung" gegenüber bekräftigte er, sollte die geforderte Leistungssteigerung ausbleiben, "gehe ich sofort zum Präsidenten und bin weg. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich das durchziehe".

Eine Pleite gegen die "Eisernen" wäre Duisburgs vierte Niederlage in Serie. Der MSV steht schon jetzt mit nur acht Punkten auf Tabellenplatz 15, weit von den eigenen Aufstiegsambitionen entfernt.

Hiobsbotschaft für den MSV

Dass nun auch noch Duisburgs bester Torjäger Sandro Wagner mit Kreuzbandriss ein halbes Jahr ausfällt, macht Neururers Mission bei den "Zebras" nicht einfacher. Zur Disposition steht der Trainer vereinsintern aber noch nicht.

"Sie wissen, wie ich ticke", sagte MSV-Boss Walter Hellmich zu Journalisten. "Peter Neururer hat in Duisburg gute Arbeit geleistet."

Der Coach selbst registriert dieses Bekenntnis allerdings mit einem Schulterzucken: "Ich brauche keine Rückendeckung."

Schließlich liebäugelt er in dieser Saison nicht zum ersten Mal mit seinem Ausstieg beim MSV.

Schon nach dem kurzfristigen Verkauf von Stürmer Dorge Kouemaha hatte er mit persönlichen Konsequenzen gedroht, die Verpflichtung des Ex-Schalkers Sören Larsen verhinderte sie.

Genug Zeit für die Umsetzung

Geht der MSV am Freitag nun gegen Union baden, könnte Neururer schon gegen 20 Uhr frei für neue Aufgaben sein.

Nach Ernsts Zeitplan bliebe dann auch noch genug Zeit für weitere Verhandlungen.

Denn der VfL-Vorstand will mit seinen Kandidaten "mehr als ein Gespräch führen, damit wir ganz sicher sind, dass wir den Richtigen verpflichten", wie Ernst angibt.

"Entscheidend ist, dass der neue Trainer als Typ zum VfL Bochum passt und sich mit der Aufgabe identifiziert."

Neururer hat das schon einmal bewiesen, Heinemann und Wosz tun es sowieso.

Ob die ebenfalls gehandelten Mike Büskens, Heiko Herrlich oder Christian Gross dem Anforderungsprofil entsprechen, müssen sie erst noch belegen.

Insofern haben Neururer und das Interimsduo durchaus einen kleinen Vorsprung.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel