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Er wäre ein alter Bekannter in der Bundesliga: Berti Vogts, derzeit Coach in Aserbaidschan © getty

Nach der Entlassung von Trainer Favre wird über dessen Nachfolger spekuliert. Aufsichtsrat Schiphorst hält das bei Sport1.de für verfrüht.

Von Martin Volkmar

München/Berlin - 827 Tage war Lucien Favre bei Hertha BSC im Amt und ließ den Hauptstadt-Klub im Mai sogar lange von der ersten Meisterschaft seit 1931 träumen.

Doch seit der Entlassung des Schweizers am Montagabend geht der Blick nach vorne.

Und führt zu der alles entscheidenden Frage: Wer wird neuer Chefcoach und soll den ans Tabellenende abgestürzten Berlinern wieder neues Leben einhauchen?

Nach Informationen des Boulevard-Blatts "BZ" steht nun auch Ex-Bundestrainer Berti Vogts auf dem Zettel der Hertha-Bosse.

Auch Matthäus "Favorit"

"Ich bin gesprächsbereit. Berlin ist ein schlafender Riese. Ich müsste sehen, wo Hertha hin will", wird der Nationaltrainer Aserbaidschans zitiert.

Zuvor hatte die Zeitung schon Lothar Matthäus zum "Favoriten" erklärt - wie auch die "Bild", die mittlerweile jedoch wieder zurückruderte.

So oder so: "Es gibt keinen Kontakt zur Hertha", erklärte der deutsche Rekord-Nationalspieler, der zuletzt den israelischen Erstligisten Maccabi Netanya betreut hatte.

Vereinsführung überlegt

"Es wäre schön in der Bundesliga zu arbeiten. Auch Berlin ist schön. Ich lasse das jetzt auf mich zukommen."

In der Vereinsführung soll jedenfalls über eine Verpflichtung von Matthäus nachgedacht werden.

Auch wenn dieser noch nie in Deutschland als Trainer tätig war.

Aufsichtsratsboss Schiphorst: "Spekulation verfrüht"

Bestätigen will das vorerst keiner. "Zu diesem Zeitpunkt über einzelne Kandidaten zu spekulieren, ist völlig verfrüht", sagte Herthas Aufsichtsratsboss Bernd Schiphorst Sport1.de.

"Zur Nachfolge wird die Geschäftsführung unverzüglich einen Vorschlag ausarbeiten. Mit dem werden sich Präsidium und Aufsichtsrat dann beschäftigen."

Manager Preetz, der nach wenigen Monaten im Amt schon seinen ersten Trainer gefeuert hat, will nun ein Anforderungsprofil erstellen und dann die Liste der potenziellen Kandidaten abarbeiten.

Alternative zu Matthäus wäre ein Mann mit Erfahrung im Abstiegskampf. Angeblich steht der im August in Hannover entlassene Dieter Hecking dabei hoch im Kurs.

Hecking ist "wieder heiß"

"Es gab noch keinen Kontakt, aber ich bin wieder heiß auf Fußball", sagte der 45-Jährige der "BZ".

"Ich würde mir diese Aufgabe zutrauen. Hannover habe ich in einer ähnlichen Situation übernommen."

Als weiterer Kandidat wird Herthas Ex-Profi Eyölfur Sverrisson genannt, den sein ehemaliger Mitspieler Preetz bereits kontaktiert haben soll.

Der Isländer coacht derzeit die U 21 seines Heimatlandes.

Wenig wahrscheinlich ist dagegen die Rückholaktion eines früheren Trainers, obwohl Hans Meyer und Falko Götz Zeit hätten.

Und auch Jürgen Röber wäre nach dem Zwangsabstieg von Ankara wohl zu haben.

Heine übernimmt zum vierten Mal

Vorerst übernimmt zum vierten Mal der U-23-Coach Karsten Heine und wird das Team am Donnerstag in der Europa League bei Sporting Lissabon und vermutlich auch am Sonntag gegen Spitzenreiter Hamburger SV betreuen.

"Die Mannschaft hat genügend Qualität. Wir müssen die Talfahrt stoppen und wieder Mut und Selbstvertrauen zeigen", sagte der 54-Jährige nach der ersten Trainingseinheit am Dienstagvormittag, bei der die Stimmung im Team schon gelöster war als zuletzt. (DATENCENTER: Der Hertha-Kader)

Der neue Mann hätte danach in der zweiwöchigen Länderspielpause Zeit, die Wende einzuleiten. Denn Favre hinterlässt einen Scherbenhaufen.

Absturz verändert alles

Vor wenigen Wochen wollte der Vorjahresvierte noch den bis 2011 laufenden Vertrag mit dem 51-Jährigen vorzeitig bis 2013 verlängern. Dann folgten acht Pflichtspiele ohne Sieg und der Absturz ans Tabellenende.

"Es hat sich alles verkehrt, was in der letzten Saison geklappt hat. Deshalb war der Schritt notwendig", begründete Preetz die Ablösung Favres.

Aufsichtsrat Schiphorst bedauerte die Trennung. "Wir waren auf eine langfristige Zusammenarbeit eingestellt", erklärte der frühere Hertha-Präsident Sport1.de.

Verhältnis zwischen Trainer und Team "nachhaltig gestört"

"Leider mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Trainergespann und Mannschaft nach dem völlig verpatzten Saisonstart nachhaltig gestört war."

Nach der Abgabe der Leistungsträger Josep Simunic, Marko Pantelic und Andrej Voronin sowie der Demontage der Führungsspieler, allen voran Arne Friedrich, hatte Favre am Ende alle Sympathien im Team verspielt.

Dieses Zerwürfnis bestätigte dessen Assistent Harald Gämperle mit einem Wutausbruch nach dem letzten Training am Montag.

"Hertha BSC hat fachlich noch nie einen so guten Trainer gehabt wie jetzt, aber die Spieler merken das nicht und machen hinter dem Rücken des Trainers Politik", schimpfte der ebenfalls entlassene Gämperle da.

"Wenn ein paar Spieler solche Leistungen abliefern, muss man sich schon fragen, welche Interessen sie haben."

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