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Hans Meyer (l.) und Friedhelm Funkel könnten bald wieder gut lachen haben © getty

Nicht nur Fredi Bobic rechnet mit einem "Feuerwehrmann" als Favre-Nachfolger. Daher sind zwei Routiniers erste Anwärter in Berlin.

Von Martin Volkmar

München/Berlin - Spätestens Anfang nächster Woche soll der neue Trainer von Hertha BSC feststehen.

Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer werden wegen der Suche erst am Donnerstag zum Europa-League-Spiel bei Sporting Lissabon nachreisen.

Und vieles spricht dafür, dass es weder ein Neuling noch einer mit glanzvollem Namen sein wird.

Denn die Vereinsführung des Tabellenletzten hat sich auf zwei Haupt-Kriterien festgelegt:

Erfahren im Abstiegskampf und deutschsprachig soll der Nachfolger des am Montag entlassenen Lucien Favre sein.

Bobic rechnet mit "Feuerwehrmann"

"Generell wird jetzt wohl kein Trainer mit großem Konzept kommen, weil der in dieser schwierigen Situation überhaupt keine Zeit für perspektivisches Arbeiten hätte", sagte auch Herthas Ex-Stürmer Fredi Bobic Sport1.de.

"Ich rechne daher eher mit einem Feuerwehrmann. Dann hätte Hertha genug Zeit, um für die nächste Saison einen neuen Mann mit Perspektive auszusuchen."

Daher wurde Lothar Matthäus wegen seiner fehlenden Tätigkeit in der Bundesliga ebenso verworfen wie die früheren Hertha-Profis Eyölfur Sverrisson und Kjetil Rekdal.

Nur geringe Chancen für Vogts

Und auch Ex-Bundestrainer Berti Vogts, der nur in der Saison 2000/2001 mit mäßigem Erfolg Bayer Leverkusen in Deutschland trainierte, hat eher geringe Chancen.

Auch wenn der Nationalcoach von Aserbaidschan gesprächsbereit wäre. "Berlin ist ein schlafender Riese", sagte Vogts der "BZ".

Im Moment aber geht der Blick beim abgestürzten Hauptstadt-Klub nur nach unten. Und daher gilt auch Hans Meyer wieder als Top-Kandidat.

Schließlich hat der 66-Jährige nicht nur schon 2004 Hertha vor dem Abstieg bewahrt, sondern danach auch den 1. FC Nürnberg und Borussia Mönchengladbach.

Meyer soll sich Bedenkzeit erbeten haben

Nach Angaben des Berliner "Kurier" haben die Berliner Meyer kontaktiert, dieser erbat sich Bedenkzeit.

Ansonsten spricht vieles für Friedhelm Funkel, der schon zahlreiche Klubs aus dem Tabellenkeller führte und vor allem durch seine letzten Jobs beim 1. FC Köln und bei Eintracht Frankfurt die nötige Medienerfahrung in der Krise mitbringt.

Sollte es mit dem 55-Jährigen keine Einigung geben, gelten Dieter Hecking ("Ich würde mir diese Aufgabe zutrauen") und Klaus Augenthaler ("Eine reizvolle Aufgabe") als weitere Kandidaten.

In jedem Fall wird der neue Mann viel zu tun bekommen, denn dem Team fehlt nach dem Ausfall von Torhüter Jaroslaw Drobny und dem Verkauf von Josip Simunic, Marko Pantelic und Andrej Voronin derzeit jegliche Struktur.

"Es war klar zu sehen, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht hat. Der Auftritt in Hoffenheim war erschreckend", meint auch Bobic.

Friedrichs Demontage und die Folgen

Maßgeblich dazu beigetragen hat Favres Demontage der Führungsspieler, für die Arne Friedrich das Extrem-Beispiel ist.

Der Coach verzichtete im Saisonendspurt auf den zuvor verletzten Kapitän (und auch auf Voronin), die von Schulden geplagte Hertha verspielte die Riesenchance auf die Meisterschaft oder zumindest die Teilnahme an der lukrativen Champions League.

Seitdem war das schon vorher gestörte Verhältnis irreparabel.

Als Friedrichs Formkurve dann zuletzt steil in den Keller ging, musste er sich von Manager Michael Preetz laut "kicker" sogar vorwerfen lassen, gegen Favre zu spielen.

Nun aber muss ausgerechnet Friedrich als Anführer auf dem Platz den Weg aus dem Keller zeigen - schon am Donnerstag in der Europa League bei Sporting Lissabon.

Heine setzt auf bessere Stimmung

Deshalb versucht Intermiscoach Karsten Heine vor allem für bessere Stimmung zu sorgen.

"Die Spieler müssen auf dem Feld wieder die einfachen Dinge beherzigen. Sie brauchen Mut und Selbstvertrauen", sagt der 54-Jährige.

Darüber hinaus bräuchte Hertha aber auch etwas Torgefahr, denn die geht dem Team aktuell völlig ab.

Deshalb wollen die Berliner nun trotz aller finanziellen Sorgen angeblich noch mal nachlegen.

Und dem Hamburger SV rechtzeitig zum Spiel gegen den Spitzenreiter am Sonntag den vereinslosen Ebi Smolarek wegschnappen.

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