S04 widerspricht einem Bericht, dass sogar die Sicherheitskonten leer seien. Finanzchef Peters wird angeblich zum Rücktritt gedrängt.

Von Martin Volkmar

München/Gelsenkirchen - Schalkes finanzielle Krise ist weit schlimmer als ohnehin schon bekannt - behauptet die gewöhnlich im Wirtschaftsbereich gut informierte "Financial Times Deutschland".

"Stimmt alles nicht", dementiert zum wiederholten Mal der Bundesligist - trotz rund 137 Millionen Euro Verbindlichkeiten.

Die "FTD" hatte unter der Überschrift "Schalke ist fast pleite" behauptet, dass sich auf drei von vier Sicherheitskonten des Vereins kein Guthaben mehr befinde.

Eigentlich müssten dort aber immer acht Millionen Euro liegen, mit denen die zahlreichen Kredite von Schalke 04 bedient werden.

Lediglich das Konto für die sogenannte Schechter-Anleihe sei gefüllt, heißt es weiter.

"Informationen, die nicht den Tatsachen entsprechen"

Der Verein hingegen erklärte in einer Pressemitteilung, es würden "Informationen verbreitet, die nicht den Tatsachen entsprechen".

Und weiter: "Die in einem Artikel der Financial Times Deutschland thematisierten Sicherheitskonten der Schechter-Anleihe sind vertragsgemäß gefüllt. Alle bislang fälligen Raten der Anleihe sind vom FC Schalke 04 pünktlich bedient worden."

Liest man genau, erkennt man aber: Die Schalker sprechen explizit nur vom Schechter-Konto, das ja laut "FTD" als einziges gefüllt ist.

Von den anderen drei Sicherheitskonten, die eben leergeräumt sein sollen, ist nicht die Rede.

Angeblich Rücktrittsforderungen an Peters

Auch auf einen weiteren Inhalt des Berichts geht der Traditionsklub bei seinem Dementi nicht ein:

Demnach soll der Londoner Investor Stephen Schechter den Rücktritt des neuen S04-Finanzchefs Peter Peters fordern.

Schechter, dem die "Knappen" für einen Kredit von rund 85 Millionen Euro einen Großteil der künftigen Zuschauereinnahmen verpfändet haben, halte den Nachfolger von Josef Schnusenberg für ungeeignet.

Peters sei mit den komplizierten Finanzkonstruktionen überfordert und habe auch nicht die nötigen Kontakte, um das dringend benötigte frische Geld aufzutreiben.

30 Millionen Euro sollen fehlen

Angeblich müssen die Schalker bis zum Frühjahr rund 30 Millionen Euro besorgen, sonst drohe die Insolvenz und damit auch die Verweigerung der Lizenz durch die DFL.

Auch das war vom Verein dementiert worden. Die Indizien der massiven Finanzlücke verdichten sich aber.

So wurde in dieser Woche acht langjährigen Mitarbeitern unter anderem aus der Rechtsabteilung und der Hausmeisterei gekündigt.

Vor einigen Wochen waren bereits zwei Kräfte aus dem Schalke-Museum entlassen worden.

"Der Verein befindet sich im Umbruch, dazu gehören die Veränderung der Strukturen und unangenehme Aufgaben wie die Entlassungen", sagte Trainer und Manager Felix Magath.

"Wir reduzieren die Ausgabenseite und arbeiten daran, Gelder reinzubekommen."

Ex-Aufsichtsrat als neues Vorstandsmitglied?

Angesichts der kaum noch zu leugnenden Fakten ist es laut "FTD" denkbar, dass in Kürze ein Finanz-Fachmann in den Vorstand aufrückt.

Als Kandidaten nennt das Blatt Albrecht Schade, ehemaliges Vorstandsmitglied der WGZ Bank und bis zum Sommer Mitglied im S04-Aufsichtsrat.

"Keiner hat dieses Thema angedacht, wir lassen uns nicht von Außenstehenden reinreden", bestritt Vorstandsmitglied Magath:

"Es wird keinen neuen Vorstand geben, keiner wird gehen, und keiner neu hinzukommen."

"Situation ist nicht so schlecht wie dargestellt"

Und weiter: "Die Situation ist nicht so schlecht, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt wird."

Trotzdem muss Magath viel Energie auf diese Diskussionen verwenden statt auf seine eigentliche Aufgabe.

Dabei ist die sportliche Situation nach dem Derbysieg bei Borussia Dortmund wesentlich besser als die wirtschaftliche.

Allerdings muss am Freitag gegen Eintracht Frankfurt nach saisonübergreifend fünf Niederlagen in den letzten sechs Heimspielen endlich wieder ein Sieg in der Schalker Arena her.

"Ich sehe keinen Heimkomplex", bestritt Magath aber auch hier ein Problem.

"Im Gegensatz zu früheren Zeiten können wir jetzt von unseren Fans volle Unterstützung erwarten."

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