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Lukas Podolski wechselte für rund zehn Millionen Euro von Bayern zu Köln © getty

Vom nach Köln zurückgekehrten Podolski erwarten viele Wunderdinge. Vor der Rückkehr zum FCB hat er die noch nicht bewerkstelligt.

Von Martin Hoffmann

München - Die vielumjubelte Heimkehr des "Prinzen" war gerade erst fixiert, da malte Uli Hoeneß schon ein düsteres Vorzeichen an die Wand.

"Die größte Gefahr ist die Erwartungshaltung in Köln", warnte der Bayern-Manager Lukas Podolski vor seinem Wechsel zum FC: "Der kann kein Mensch gerecht werden."

Es sind Worte, die nachhallen, bevor Podolski am Samstag wieder bei seinem ehemaligen Verein zu Gast ist (ab 15 Uhr LIVE).

Bislang nämlich steht die Begeisterung, die "Poldis" Wiederkehr in Köln ausgelöst hat, im deutlichen Kontrast zum bisherigen Saisonverlauf des Klubs 12095(DIASHOW: Lukas Podolskis Karriere).

"Nie sagen, dass es der falsche Schritt war"

Vier Punkte aus sieben Ligaspielen, Tabellenplatz 17 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) - wer ernsthaft geglaubt hatte, die Zufuhr von Podolski würde aus den "Geißböcken" eine Wundertruppe machen, ist schnell ernüchtert worden.

Klar, dass da schnell die üblichen Fragen kamen, ob Podolski die Rückkehr schon bereuen würde.

"Ich werde niemals sagen, dass es der falsche Schritt war", erklärte er in der "Bild"-Zeitung. Womit das für alle Zeiten geklärt wäre.

Bürde des eigenen Hypes

Podolski geht mit solchen Fangfragen genauso abgeklärt um, wie er es generell mit der Bürde seines eigenen Hypes tut.

Egal ob es Autogrammstunden sind oder Fotoshootings mit Sponsoren, die sein Gesicht in der ganzen Stadt plakatieren.

Oder die Daueraufmerksamkeit der Medien, die sich durch den Weggang des schillernden Coachs Christoph Daum und das Engagement des hyperseriösen Boulevardreporter-Albtraums Zvonimir Soldo noch mehr auf den Starspieler fokussiert.

Er erduldet alles, ohne je den Eindruck zu hinterlassen, dass es ihm lästig wäre.

Fast schon überanstrengt

Podolski weiß, dass die Ansprüche an ihn gestiegen sind, seit er das letzte Mal in Köln war - natürlich auch auf dem Platz.

Verlassen hat er den Klub als unbekümmerter Jungstar, jetzt werden ihm Führungsaufgaben abverlangt.

Podolski rackert sich auf dem Platz sichtlich ab, um dieser Erwartung gerecht zu werden - und wirkt dabei bisweilen schon überanstrengt.

"Früher hat er sich keine Gedanken gemacht"

Einen neuen, verantwortungsvolleren Podolski erkennt auch Bundestrainer Joachim Löw in ihm.

"Früher hat er sich keine Gedanken gemacht, welche Abläufe und Strukturen eine Mannschaft braucht", hat der eben der "Süddeutschen Zeitung" erklärt.

Inzwischen erzähle er ihm in Gesprächen, was besser werden muss beim FC Köln: "Er weiß, dass er auf dem Platz vorangehen muss, und er überlegt sich, was er außerhalb des Platzes tun kann. Das finde ich gut."

Torjäger-Instinkte nicht wiederentdeckt

Verfehlt ist bislang aber die Erwartung, dass Podolski seine bei Bayern verschütteten Torjägerinstinkte wiederfinden würde.

Beim Rekordmeister hatte er in drei Spielzeiten nur 15 Liga-Treffer erzielt, in Köln ist es bislang auch nur einer in sechs Spielen.

Allein: Das muss kein so großer Makel sein, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Der Quasi-Spielmacher

Podolski blieb schließlich auch bei seinem bislang besten Auftritt beim 3:2-Pokalerfolg gegen Wolfsburg torlos.

Dafür glänzte er als zurückgezogener Quasi-Spielmacher, der im Mittelfeld die Wege suchte, um seine Mitspieler in Szene zu setzen.

Es ist womöglich die Rolle, in der sich Podolski dauerhaft einrichten wird - auch wenn er in anderen Spielen vergeblich bemüht war, darin Impulse zu geben.

Kein böses Wort über Bayern

Ob es ihm eine besondere Genugtuung wäre, wenn er seine Kölner gerade bei seinem Ex-Klub zum Sieg führen würde? So wie beim 2:1-Auswärtscoup in der vergangenen Saison?

Wenn Podolski so denken sollte, er lässt es sich kein Stück anmerken. Ganz sachlich sagt er im "kicker": "Wenn wir so diszipliniert spielen wie in Stuttgart und gegen Wolfsburg, können wir auch in München bestehen."

Über die Zeit bei den Bayern, wo er sich nie nachhaltig durchsetzen konnte, lässt er sich kein böses Wort entlocken.

"Drei schöne Jahre"

"Es waren drei schöne Jahre. Ich freue mich auf ein Wiedersehen", sagt er stattdessen.

Gerade auch mit Uli Hoeneß, der ihm versprochen hat, jederzeit ein offenes Ohr für ihn zu haben, wenn er Probleme hat.

Podolski hat das dankend aufgenommen, bislang aber noch keinen Anlass gesehen, Hoeneß sein Leid zu klagen.

Und er hofft natürlich, dass er das am Samstag auch nicht tun muss.

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