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Michael Zorc schoss in 463 Bundesliga-Spielen 131 Tore für Dortmund © getty

Dortmunds Manager Michael Zorc spricht im Sport1.de-Interview über die Ursachen der Krise und die Kritik an seinen Einkäufen.

Von Martin Volkmar

Dortmund - Es sind unruhige Tage bei Borussia Dortmund.

Der schlechteste Saisonstart seit 22 Jahren (DATENCENTER: Der 8. Spieltag), die Derby-Pleite gegen Schalke 04 mitsamt all ihren Nachwehen 70433(Die Bilder) und zu allem Überfluss noch die böse Prügel-Attacke auf Keeper Roman Weidenfeller in einer Pizzeria.

Im Brennpunkt der Krise steht Manager Michael Zorc, der oft auch wegen seiner Einkaufspolitik kritisiert wird.

Im Interview mit Sport1.de verteidigt er sie - und spricht vor dem Duell der Borussen in Mönchengladbach (Sa., 18 Uhr LIVE) über die Gründe der Talfahrt, die Jobgarantie für Trainer Jürgen Klopp und den Zustand von Weidenfeller sowie Sebastian Kehl.

Sport1.de: Herr Zorc, muss man nach dem schwachen Ligastart von einer Krise sprechen?

Michael Zorc: Wenn Sie das tun möchten, dann haben wir mit Tabellenplatz 15 und den wenigen Punkten wenig entgegenzusetzen. Tatsache ist, dass wir einen alles andere als guten Auftakt hingelegt haben.

Sport1.de: Wo liegen die Gründe?

Zorc: Es sind verschiedene Faktoren. Insgesamt haben wir nicht das Leistungsniveau der vergangenen Saison, speziell der Rückrunde. Einige Leistungsträger sind bislang unter ihren Möglichkeiten geblieben. Sebastian Kehl, die zentrale Figur auf und neben dem Feld, fehlt, auch wenn ich seinen Ausfall nicht als Alibi verwenden möchte. Wir sind in vielen Spielen in Führung gegangen, haben dann aber zu unkonzentriert agiert und zu viele Gegentore durch Standards kassiert.

Sport1.de: Es gibt Meldungen, dass Sebastian Kehl vor dem Karriereende steht. Wie ist der Stand?

Zorc: Sebastian wurde nochmals von einem Experten untersucht, die Entzündung an der Sehne im Adduktorenbereich ist noch nicht komplett ausgeheilt. Wir müssen uns darauf einstellen, dass er weitere sechs Wochen ausfallen wird. Mit einem Einsatz vor der Winterpause wird es knapp.

Sport1.de: Also fehlt der Kopf der Mannschaft, was zuletzt ja deutlich bemerkbar war.

Zorc: Die Mannschaft ist im Umbruch. Wir haben viele neue und junge Spieler, die diesen Führungsanspruch noch nicht haben können. Das muss sich entwickeln. Aber der Ausfall von Sebastian darf nicht als Ausrede gelten. Jeder einzelne Spieler muss mehr Verantwortung übernehmen, um diesen Ausfall zu kompensieren

Sport1.de: Ist die fehlende Torgefahr beim BVB nicht selbst verschuldet? Schließlich wurden Alex Frei und Mladen Petric abgegeben.

Zorc: Petric war schon in der letzten Saison nicht mehr beim BVB, und wir sind Sechster geworden. Gerade sein Verkauf hatte einen klaren wirtschaftlichen Hintergrund. Wir mussten diesen Schritt vollziehen. Bei Alex Frei war es nicht geplant, ihn abzugeben. Ein Wechsel war aber sein ausdrücklicher Wunsch, weil er unbedingt zurück in die Heimat zum FC Basel wollte. Wir standen vor der Frage: Bekommen wir für einen 31-Jährigen gut vier Millionen Euro Ablöse, oder lassen wir ihn kommende Saison ablösefrei ziehen?

Sport1.de: Lucas Barrios kam mit großen Vorschusslorbeeren, die Rolle des Frei-Nachfolgers kann er aber noch nicht erfüllen.

Zorc: Ich bin fest davon überzeugt, dass Lucas Barrios diese Lücke in den kommenden Wochen und Monaten schließen kann. Uns ist klar, dass gerade Spieler aus Südamerika Zeit der Anpassung brauchen. Er hat in vielen Spielen, auch in der Vorbereitung, bewiesen, dass er ein Torjäger ist.

Sport1.de: Ihre Einkaufspolitik wird ganz allgemein häufig kritisiert...

Zorc: Wir haben Perspektivspieler verpflichtet, die momentan noch nicht die ganz großen Verstärkungen sein können. Für den Gesamtkontext waren dies aber allesamt wichtige ? und im übrigen auch günstige - Verpflichtungen.

Sport1.de: Der kämpferische Einsatz stimmt, das spielerische Element kam bislang aber kaum zum Tragen. Warum?

Zorc: Naja, wir hatten auch wirklich starke Phasen. Bayern München haben wir in den ersten 30 Minuten fußballerisch beherrscht. In unserer Situation werden 1000 Gründe gesucht, warum wir da unten stehen. Aber nicht alle sind richtig. Mit Hajnal und Zidan haben wir spielstarke Akteure, auch Nuri Sahin besitzt enorme Qualität. Den Vorwurf mangelnder spielerischer Elemente kann ich nicht nachvollziehen.

Sport1.de: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat Coach Jürgen Klopp praktisch eine Jobgarantie ausgestellt. Kann man so etwas in der heutigen Zeit überhaupt noch machen?

Zorc: Wir sehen uns in dieser personellen Konstellation perfekt aufgestellt und sind nach wie vor sehr zufrieden mit der Arbeit von Jürgen Klopp. Unsere Richtlinie ist ganz klar: Es wird keine Trainerdiskussion geben.

Sport1.de: Am Samstag gastiert Dortmund in Mönchengladbach. Was macht Sie zuversichtlich, dass dem BVB die Wende gelingt?

Zorc: Für beide Klubs geht es um sehr viel, es wird ein enorm schweres Spiel. Wir verfallen nicht in Unruhe und Panik und möchten natürlich drei Punkte holen. Und ich bin zuversichtlich, dass uns das auch gelingen wird.

Sport1.de: Wie steht es um Roman Weidenfeller? Hat er den Schock nach dem tätlichen Angriff auf ihn in einem Restaurant verdaut?

Michael Zorc: Ja, da habe ich keine Sorgen. Es ist natürlich schlimm, dass so etwas in unserem Land passiert. Aber Roman hat keine Verletzungen davongetragen und haut sich im Training voll rein. Er wird in Gladbach wieder ein sicherer Rückhalt für uns sein.

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