vergrößernverkleinern
Chinedu Obasi, Marvin Compper und Demba Ba (v.l.n.r.) schleichen vom Platz © getty

1899 scheitert an der eigenen Einstellung, Ralf Rangnick stellt die Mentalität in Frage. Mainz untermauert seine Heimstärke.

Mainz - Kaum war die Siegesserie gerissen, bekam auch die heile Welt bei 1899 Hoffenheim wieder Risse.

"Es ist ein schmaler Grat zwischen Überheblichkeit und Selbstbewusstsein", sagte der frustrierte Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand nach dem 1:2 (0:2) beim Aufsteiger FSV Mainz 05 und nahm seine Kollegen ins Visier:

"Man darf gegen eine bessere Mannschaft verlieren, aber nicht gegen eine leidenschaftlichere."

Dass die Leidenschaft und die Kampfkraft der spielerisch klar unterlegenen Mainzer zum Erfolg gegen die Kraichgauer vor 20.300 Zuschauern im ausverkauften Bruchwegstadion ausreichte, brachte auch Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick auf die Palme.

"Nicht verstanden, um was es geht"

"Mir hat in der ersten halben Stunde kein Spieler gefallen", erklärte der Coach.

"Obwohl wir dem Team der ganzen Woche über gesagt haben, dass es ein heißes Spiel wird, haben wir in der ersten Halbzeit nicht verstanden, um was es geht."

Rangnick traf mit seiner schonungslosen Kritik ins Schwarze.

Bevor seine Profis richtig auf dem Platz waren, hatten die Mainzer bereits zweimal zugeschlagen.

Mainzer Doppelschlag

Dem schnellen Rückstand durch den Doppelschlag von Andreas Ivanschitz (6.) und Aristide Bance (11.), die jeweils zum vierten Mal in der laufenden Saison trafen, rannten die Gäste vergeblich hinterher.

Der Anschlusstreffer durch Andreas Ibertsberger (87.) kam zu spät für die Gäste, die sich über weite Strecken an der eigenen Spielstärke erfreuten, anstatt den Kampf anzunehmen.

Die Niederlage der Hoffenheimer bei dem nun punktgleichen Überraschungsteam aus Mainz (beide 14 Zähler) ließ Rangnick sogar an der Einstellung seiner Profis zweifeln.

Rangnicks Rundumschlag

"Das ist eine Mentalitäts-Frage. Der ein oder andere war in der ersten Hälfte offensichtlich nicht bereit, das zu tun, was man tun muss", meinte der 51-Jährige:

"Wenn wir das nicht abstellen, werden wir auch zukünftig Punkte liegen lassen, die wir nicht liegen lassen müssen."

Rangnick war mit der Vorstellung seiner Schützlinge dermaßen unzufrieden, dass er sogar dem am Ende noch möglichen Remis nicht nachtrauerte.

"Im Nachhinein kam das 1:2 einen Tick zu spät", sagte der Trainer.

"Wäre es früher gefallen, hätten wir vielleicht noch ein Unentschieden geschafft. Aber selbst ein Punkt hätte mich nicht über den Ärger der ersten Hälfte hinweggetröstet."

Auch Tuchel sieht Verbesserunsbedarf

Doch nicht nur Rangnick war unzufrieden.

Auch sein früherer Lehrling Thomas Tuchel, für den die Partie gegen seinen Mentor nach eigener Aussage "nichts Besonderes" war, hatte trotz des Erfolgs seiner Schützlinge etwas auszusetzen.

"Es ist das passiert, was oft passiert, wenn der Underdog führt. Wir wollten nur noch verteidigen und auf Konter lauern. Das war aber nicht der Plan", erklärte der Mainzer Coach, dessen Schützlinge in der laufenden Saison noch kein Heimspiel verloren haben.

Trotz der Heimstärke wollte auch FSV-Manager Christian Heidel die Euphorie der Fans (noch) nicht teilen:

"Der Start in die Saison ist jetzt natürlich optimal. Aber mit 14 Punkten steigt man eben immer noch ab."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel