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Grafite blieb auch in Bochum weit hinter den Erwartungen zurück © imago

Der Brasilianer redet sich nach seiner Auswechslung ins Abseits - und auf die Bank? Der VfL Bochum hat bei der Trainersuche Zeit.

Bochum - Nach seiner Auswechslung in der 52. Minute war für Grafite das Maß voll.

Deutschlands Fußballer des Jahres ließ seinem Frust freien Lauf und legte sich mit Trainer Armin Veh an.

"Ich habe eine Geschichte in diesem Verein", sagte der Brasilianer nach dem enttäuschenden 1:1 (0:0) des Deutschen Meisters VfL Wolfsburg beim VfL Bochum.

"Ich bin keine 20 mehr. Ich glaube, ich habe ein bisschen mehr Respekt verdient."

Nach der Länderspielpause wird er bei den "Wölfen" wohl nun auf der Ersatzbank Platz nehmen dürfen.

Veh kündigt Konsequenzen an

Denn Veh fehlte für die Attacke des Torschützenkönigs der vergangenen Saison jegliches Verständnis.

Wenn Grafite dies tatsächlich so gesagt habe, so Veh, "dann wird er Probleme bekommen".

Der Coach ließ keinen Zweifel daran, dass er hart durchgreifen wird:

"Bei uns hat der Trainer was zu sagen, nicht der Spieler. Deshalb wird sich hier nichts hochschaukeln."

Grafite: Ein Schatten seiner selbst

Dabei war die Auswechslung von Grafite, in der Bundesliga aus dem Spiel heraus mittlerweile seit 576 Minuten torlos, nur die logische Konsequenz einer erneut völlig enttäuschenden Vorstellung.

Der Vollblutstürmer, der in der vergangenen Saison die gegnerischen Abwehrspieler in Angst und Schrecken versetzt und insgesamt 28 Tore erzielt hatte, war in Bochum nur ein Schatten seiner selbst.

"Er hat nicht gut gespielt, keine Frage. Er macht sich zu viel Druck, er muss sich wieder lockerer machen. Daran müssen wir arbeiten", sagte Veh.

Zudem hob er hervor, dass er Grafite "zuletzt immer aufgestellt hat, obwohl die Leistung nicht stimmte".

Martins macht Werbung für sich

Ein weiteres Indiz, dass sich der 30-Jährige demnächst auf der Ersatzbank wiederfinden könnte, lieferte Obafemi Martins.

Für Grafite ins Spiel gekommen, war der Nigerianer nie auszurechnen, hatte allerdings Pech.

Sein Schuss von der Strafraumgrenze (77.) sprang an beide Innenpfosten und dann wieder ins Spielfeld.

"Obafemi ist eine Option. Er war wieder belebend", sagte Veh, der nun bis zum nächsten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach zwei Wochen Zeit hat, zu überlegen, wer neben Edin Dzeko stürmen soll.

Der Bosnier war erneut um zwei Klassen besser als Grafite und erzielte nach der Bochumer Führung durch Vahid Hashemian (53.) auch den Ausgleichstreffer (75.).

In der Schlussphase vergab Wolfsburg nach der Gelb-Roten Karte für den Bochumer Shinji Ono (63.) "fünf bis sechs Hundertprozenzige" (Veh) und damit leichtfertig drei Punkte.

"Zwei Punkte verloren"

"Wir hätten den Sack zumachen müssen. Wir haben auf jeden Fall zwei Punkte verloren", sagte Spielmacher Zvjezdan Misimovic.

Und Marcel Schäfer fügte hinzu: "Wir sind bitter enttäuscht."

Immerhin brauchten sich die "Wölfe" drei Tage nach dem knappen 1:2 in der Champions League im "Theater der Träume" bei Manchester United nicht den Vorwurf gefallen zu lassen, überheblich agiert zu haben.

"Mit dem Spiel war ich zufrieden, nur mit dem Ergebnis nicht", sagte Veh.

Trainerfrage beim VfL weiter offen

Die Bochumer lieferten zumindest kämpferisch eine gute Leistung ab, so dass Interimstrainer Frank Heinemann weiterhin auf eine langfristige Anstellung als Chefcoach hoffen darf.

Manager Thomas Ernst ließ sich erneut nicht zu einer konkreten Wasserstandsmeldung hinreißen.

"Wir haben niemanden von Beginn an ausgeschlossen", sagte der Ex-Torwart des VfL mit Blick auf Heinemann.

Gut möglich, dass er auch nach der Länderspielpause im Derby bei Borussia Dortmund verantwortlich sein wird.

Ernst: "Ich gehe schwer davon aus, dass er auch in Dortmund auf der Bank sitzen wird, weil wir uns bei der Trainersuche alle Zeit der Welt lassen werden."

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