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Thomas Müller ist der Frust über das 0:0 gegen Köln anzumerken © getty

Acht-Punkte-Abstand statt Aufholjagd: Die Enttäuschung über das torlose 0:0 gegen den 1. FC Köln sitzt bei den Bayern tief.

Von Martin Hoffmann

München - "Wie die Eichhörnchen" sollten die Bayern ab dem Köln-Spiel die Punkte sammeln, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Spiel gefordert.

Doch wenn die Bayern gegen Köln an ein Eichhörnchen erinnerten, dann allenfalls an "Scrat", die komische Nebenrolle aus den "Ice-Age"-Filmen.

Denn genauso glücklos wie besagtes Nagetier beim Nüssesammeln waren die Bayern beim müden 0:0 gegen den 1. FC Köln.

Ein erneutes Torlos-Spiel mit bösen Folgen: Denn was als Startschuss einer großen Aufholjagd geplant war, hat den stolzen Rekordmeister noch tiefer ins Tabellen-Mittelfeld absacken lassen 158448(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags).

Wie ein Magen-Darm-Virus

Nur zwölf Punkte nach acht Spieltagen, das sind nicht mehr als in der Vorsaison unter Jürgen Klinsmann (Kommentar: Wiesn-Kater bei Louis van Klinsmann).

Schlimmer noch: Der Abstand zur Spitze ist sogar noch größer. Acht Punkte ist der aktuelle Tabellenführer Leverkusen weg.

Es ist eine Marke, die bei Bayern ähnlich schwer aufs Gemüt schlägt wie ein tückisches Magen-Darm-Virus.

"Es ist zum Kotzen"

"Es ist zum Kotzen, der Abstand nervt", hielt Bastian Schweinsteiger fest. Philipp Lahm ergänzte mit besorgter Miene: "Der Rückstand ist schon gewaltig."

Und Miroslav Klose musste nur etwas einfache Mathematik anwenden, um die Dimension des Problems zu verdeutlichen: "Um das aufzuholen, müssen wir dreimal gewinnen - und die anderen dreimal verlieren."

Was man verlangen muss

Den Bayern misslang gegen Köln etwas, was von einer Spitzenmannschaft eigentlich verlangt werden muss.

"Uns muss es einfach gelingen, ein Abwehrbollwerk zu knacken", ärgerte sich Trainer Louis van Gaal.

Das schafften die Bayern nicht - trotz 73 Prozent Ballbesitz, trotz eines 9:0 im Eckenverhältnis. Was sich gut liest, aber hinter den Zahlen steckten viele Details, die van Gaal zu kritisieren hatte.

Qualitätsverlust ohne "Robbery"

Der Coach bemängelte fehlende Aggressivität, fehlende Konsequenz bei der Chancenkreation und eine Vielzahl misslungener Hereingaben von außen - was er Gebern wie Abnehmern anlastete.

Es machte sich deutlich bemerkbar, dass die Verletzung von Arjen Robben auf die Qualität drückt.

Und die Auswechslung Franck Riberys in der zweiten Hälfte verdeutlichte den Kontrast zwischen dem, was der FCB mit und was er ohne sein Flügelduo "Robbery" wert ist.

Das übliche Bild im Sturm

Das Problem, das alle anderen überlagert ist aber das banalste von allen: Der Rekordmeister trifft das gegnerische Gehäuse nicht.

Miroslav Klose, der wieder den Vorzug vor Mario Gomez erhielt, lieferte die zuletzt übliche Kombination aus bemüht, aber glücklos.

Der zur Pause eingewechselte 35-Millionen-Mann Gomez fand auch wieder keinen Weg, sich in Szene zu setzen.

Auch Olic scheint infiziert

Die Torkrise beide ist dabei auch wieder Munition für die Debatte um Luca Toni, für den van Gaal wieder nicht einmal einen Bankplatz frei hatte.

Und Ivica Olic, der Schütze des bislang letzten Münchener Stürmertors beim 2:1 gegen Nürnberg, scheint auch schon von der Seuche infiziert.

Sein Fehlschuss in der Nachspielzeit wäre an guten Tagen genau das "Dusel-Tor" gewesen, mit dem die Bayern einen Haken hinter unangenehme Pflichtaufgaben setzen.

Podolski lässt Kritik nicht gelten

So blieb es bei der Punkteteilung, die für Bayern zu wenig, für Köln aber das erwünschte Ergebnis war.

Und Ex-Bayer Lukas Podolski wollte auch keine Kritik an der Art und Weise zulassen: "Dem einen oder anderen wird nicht gefallen haben, wie wir gespielt haben", ist ihm klar.

Der Kritik setzte er einer seiner gewohnt knappen podolskischen Wahrheiten entgegen: "Das Wichtige ist der eine Punkt."

Der für Podolski vielleicht angenehmste Detail seiner Rückkehr nach München: Er musste sich am Ende nicht wieder dafür rechtfertigen, kein Tor geschossen zu haben.

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