Bundesliga-Kommentar: Bayern-Trainer van Gaal hat genauso viele Punkte wie Klinsmann vor einem Jahr. Endet es wieder im Desaster?

Er mag kein Bier, hat er mal gesagt. Auch das noch.

Louis van Gaal kann sich den Frust beim Oktoberfest in München nicht einmal wegtrinken.

Trotzdem hat der Bayern-Trainer nach acht Spieltagen einen ordentlichen Kater. Der Rückstand zu Spitzenreiter Bayer Leverkusen ist mit acht Punkten schon enorm.

Seit 274 Minuten hat die Creme-de-la-Creme der Bundesliga-Offensivabteilungen nicht mehr getroffen.

Weder die deutschen Nationalspieler Mario Gomez und Miroslav Klose noch Ivica Olic oder Thomas Müller.

Franck Ribery schleppt Patellasehnenbeschwerden mit sich herum, Arjen Robben wurde am Knie operiert und fällt noch Wochen aus.

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Luca Toni spielt bei van Gaal gar keine Rolle. Dass der Italiener am Samstag erneut auf der Tribüne schmorte, ist ein Indiz dafür, wie wenig ihm der Coach zutraut, den Angriff noch beleben zu können.

Es ist eine Frage der Zeit, wann Toni endgültig der Kragen platzt. Auch der mit vielen Vorschusslorbeeren verpflichtete Anatoliy Tymoshchuk schiebt Reservisten-Frust.

Ungeachtet dessen baut van Gaal nach wochenlangem Systempuzzle mittlerweile auf ein 4-3-3, das ohne Robben nichts wert ist.

Es fehlen die klaren Aktionen im Strafraum. Der jeweilige Mittelstürmer ist auf sich alleine gestellt.

Systemumstellungen, wenig Punkte und Frust auf der Bank?

Das erinnert doch stark an die vergangene Desaster-Saison mit Jürgen Klinsmann, der nie an die Tabellenspitze kam und Jupp Heynckes als Feuerwehrmann gerade noch den zweiten Platz retten konnte.

Auch Klinsmann hatte nach acht Spieltagen erst zwölf Punkte gesammelt. Der Rückstand zum damaligen Tabellenführer Hamburger SV betrug dagegen nur fünf Zähler.

Natürlich kann van Gaal nicht selbst die Bälle über die Linie drücken. Doch ist er als Trainer in gewisser Weise verantwortlich für die Psyche seiner Spieler, die sich an seine rigorosen Auswahlmaßnahmen immer noch gewöhnen müssen.

Er braucht mehr Zeit für die Arbeit mit der Mannschaft. Denn dass die Findungsphase noch immer andauert, ist das Kernproblem des FC Bayern.

Viele Möglichkeiten etwas zu verbessern hat van Gaal aber im Moment nicht. Jetzt steht die zweiwöchige Länderspielpause an, in der ihm mehr als die Hälfte des Kaders fehlt.

Mit einer bayerischen Turbozündung ist deshalb vor der Winterpause kaum noch zu rechnen.

Nun ist van Gaal weit davon entfernt, umstritten zu sein. Er ist laut Manager Uli Hoeneß schließlich "richtiger Fußballlehrer".

Doch die Verantwortlichen sind durch ihre Erfahrungen sehr wachsam.

Sie werden ihrem Coach nahe legen, bis zum Spiel beim SC Freiburg das Konzept zu überdenken.

Denn sonst könnte es wieder nichts mit der Meisterschaft werden.

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