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Logan Bailly und die Borussia sind endgültig zurück auf dem Boden der Tatsachen © getty

Abstiegsangst hat in Gladbach die Euphorie des Saisonstarts längst abgelöst. In Dortmund ist der Bann beim Welttorjäger gebrochen.

Mönchengladbach - Die Fans wendeten sich mit Grausen ab und verabschiedeten die Verlierer mit gellenden Pfiffen.

Auf dem Rasen zofften sich die frustrierten Profis von Borussia Mönchengladbach nach der fünften Pflichtspielniederlage in Folge und dem Sturz auf den 15. Bundesliga-Rang.

Trainer Michael Frontzeck musste nach dem 0:1 (0:1) gegen Borussia Dortmund bedient feststellten: "Das ist ein bitterer Abend für uns. Wir befinden uns in einer unangenehmen Situation."

Ernüchterung nach Blitzstart

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl zog nach dem Krisen-Gipfel zwischen zwei verunsicherten Teams eine nicht minder erschütternde Zwischenbilanz:

"Wir sind da angekommen, wo wir nicht hinwollten - im Abstiegskampf. Wir wollten ins Mittelfeld, wo die Mannschaft sich in Ruhe entwickeln kann. Die Zeit wird nun knapp und der Druck immer größer."

Die Hoffnung auf eine beschauliche Saison ohne Abstiegsängste nach einem Blitzstart mit sieben Punkten aus drei Spielen ist längst zerstoben.

"Zu viele Fehler"

Das 2:4 nach 2:0-Führung gegen Hoffenheim, die 0: 1-Pokalpleite ebenfalls im eigenen Stadion gegen den Zweitligisten MSV Duisburg und nun der Rückschlag gegen Dortmund vor 53.253 maßlos enttäuschten Zuschauern stürzten den fünfmaligen Meister schon nach acht Spieltagen in eine tiefe Krise.

"Wir müssen sehen, dass wir schnell wieder Boden unter die Füße bekommen", sagte Frontzeck und wirkte ratlos.

Der einstige Gladbacher Profi vermisste bei seiner Mannschaft "die Leichtigkeit und Überzeugung der ersten Saisonspiele" und beklagte "zu viele Fehler" im Spiel seiner Mannschaft.

"Wir befinden uns in einer Phase, in der man Zähne zeigen muss", ergänzte Frontzeck. Doch davon war gegen den BVB nicht viel zu sehen.

Heftiger Disput nach Abpfiff

Mittelfeldspieler Thorben Marx will ein Gladbach erlebt haben, "das zumindest wieder als Mannschaft aufgetreten ist".

Der von den TV-Kameras eingefangene heftige Disput zwischen Abwehrchef Dante und Tobias Levels nach dem Abpfiff vermittelte jedoch einen anderen Eindruck.

Endlich trifft Barrios

Dagegen fiel den zuvor in sechs Bundesligarunden erfolgslosen Dortmundern ein riesiger Felsen vom Herzen - dank Lucas Barrios. Der Argentinier erzielte nach drei Treffern in den ersten beiden Pokalrunden endlich sein erstes Liga-Tor (38.).

"Auch ich bin erleichtert. Besonders freue ich mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte", ließ der 4,3 Millionen Euro teure Welttorjäger, der bisher unter den Erwartungen geblieben war, übersetzen.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke relativierte: "Auch ein Edin Dzeko in Wolfsburg hat ein Jahr gebraucht, bis er sich richtig eingewöhnt hat. Vier Pflichtspieltore sind nicht so schlecht. Über die Fähigkeiten von Lucas gibt es bei uns keine zwei Meinungen."

"Der Druck war enorm"

Einig waren sich die Dortmunder auch über die Bewertung ihres ersten Auswärtserfolgs der Saison.

"Der Druck nach der Niederlage im Derby gegen Schalke war enorm. Es war ein sehr wichtiger Sieg. Fußball aus der Feinkostabteilung konnte niemand erwarten", meinte Sportdirektor Michael Zorc und Watzke ergänzte:

"Jetzt müssen wir Bochum im kommenden Heimspiel schlagen, dann haben wir den schleppenden Start zumindest relativiert."

Trendwende eingeleitet

Auch für Trainer Jürgen Klopp zählte in erster Linie nur der zweite Saison-Dreier, mit dem der BVB wieder den Anschluss an das Tabellenmittelfeld hergestellt hat.

"Wir haben zwar nicht die Sterne vom Himmel gespielt, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie bereit ist, auch mit schwierigsten Situationen umzugehen", sagte der 41-Jährige.

Darauf hoffen sie auch in Gladbach vor dem Gastspiel beim Meister Wolfsburg und dem rheinischen Prestige-Derby gegen Köln.

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