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Für Franz Beckenbauer ist Bastian Schweinsteiger als DFB-Kapitän die logische Wahl
Franz Beckenbauer ist seit 1994 Präsident des FC Bayern © getty

Bayern-Präsident Franz Beckenbauer analysiert die Mini-Krise der Bayern und Trainer Louis van Gaals experimentierfreudigen Stil.

Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Daniel Rathjen

München - Offen, direkt und schonungslos: Nach der Torlos-Serie des FC Bayern hat Franz Beckenbauer prägnant die Situation bei den Roten analysiert.

Dabei hat der Bayern-Präsident auch den Stil des experimentierfreudigen Trainers Louis van Gaal und die Schwächen einiger Stars angesprochen.

Die Nullnummer gegen den 1. FC Köln hatte dem "Kaiser" zusätzlich die Laune verhagelt. 159303(Diashow: Die Bayern auf der Wiesn)

"Wenn man die Tabelle und die Ergebnisse anschaut, kommt nicht die große Euphorie auf. Die Art und Weise, wie man spielt, ist nicht souverän", grantelte Beckenbauer auf "Sky".

Und er gab zu, dass die ganze Mannschaft "in einem gewaltigen Umbruch" steckt.

"Braafheid, Pranjic und Tymoshchuk sind neu. Badstuber spielt jetzt zum ersten Mal mit van Buyten in der Innenverteidigung. Auch der Trainer ist neu", sagte Beckenbauer.

"Dass das Zeit braucht, dafür muss man Verständnis haben."

Insgesamt glaubt er ans Team: "Die Mannschaft hat Qualität - und die ist groß genug, um in der Liga und international eine Rolle zu spielen", sagt er.

Van Gaal unter Druck

Bei allem Respekt vor dem Fußballlehrer van Gaal beäugt der Bayern-Präsident aber mit leichter Skepsis dessen Experimente.

"Van Gaal hat die Formation noch nicht gefunden. Er hat alle gängigen Spielsysteme schon durchgespielt", erklärte Beckenbauer und forderte: "Er wird aber irgendwann zum richtigen Ergebnis kommen müssen." (Kommentar: Kater bei Louis van Klinsmann)

Und offen mäkelte der ehemalige Weltklassespieler auch am Elf-Millionen-Euro-Einkauf Anatoliy Tymoshchuk herum. Der fand sich zuletzt auf der Bank wieder, ersetzt durch Bayern-Eigengewächs Andreas Ottl. (Andreas Ottl im Sport1.de-Interview)

Kritik an Tymoshchuk

Beckenbauer ist bislang vom Ukrainer enttäuscht, dem er zugetraut hatte, das Bayern-Spiel mitzulenken.

"Man hat gemeint, Tymoshchuk könnte diese Rolle spielen. Kann er aber nicht. Er ist noch zurückhaltend. Das ist vielleicht der Nachteil des Neuen, der sich erst noch einfinden muss."

Und der Bayern-Chef hofft auf die Rückkehr des Kapitäns Mark van Bommel, der womöglich das Spiel ordnen könne.

"Kaiser" vermisst Ze Roberto

Und der "Kaiser" erneuerte seine Zweifel, ob es richtig war, Ze Roberto zum HSV ziehen zu lassen.

"Im Nachhinein ist man immer schlauer. Er ist so ein Spieler, der uns fehlt. Ein Spieler, der das Spiel eröffnet. Ze Roberto war ein wunderbarer Spieler."

Angst vor der enteilenden Bundesliga-Konkurrenz hat Beckenbauer aber nicht.

"Wenn die Mannschaft mal ihr Potenzial ausspielt, ist sie ganz schnell wieder vorne. Leverkusen und der HSV werden auch nicht so stabil sein, dass sie da vorne wegmarschieren. Sie werden auch noch Federn lassen."

Derweil denken die Münchner Profis immer noch darüber nach, weshalb ihnen trotz des teuersten Sturms der Bundesliga im Moment einfach keine Tore gelingen.

Van Gaal: "Müssen Lösung finden"

Am aus Bayern-Sicht dichten Kölner Abwehrriegel hat das laut Louis van Gaal nicht gelegen.

"Wir müssen gegen Köln einfach eine Lösung gegen solch eine Verteidigung finden. Das ist enttäuschend", kritisierte der FCB-Coach.

Manager Uli Hoeneß gibt sich kämpferisch: "Wir werden kein Trübsal blasen. Wir haben einen Schlachtplan, wie wir da wieder rauskommen", sagte Manager Uli Hoeneß am Rande des 159303Wiesn-Besuches der "Bild".

Offensive in der Kritik

Im Zentrum der Kritik steht die Offensivabteilung, die seit 274 Minuten kein Tor mehr zustande gebracht hat.

Van Gaal muss sich vorwerfen lassen, dass er die Stürmer mit seinen ständigen Personalrochaden im Zentrum verunsichert. "Wenn man dann einmal von Anfang an spielt, hat man gleich unglaublichen Druck, alles richtig zu machen", klagte Angreifer Ivica Olic.

Analyse-Arbeit wartet

Van Gaal wird die Länderspielpause nutzen, um sich Gedanken zu machen. Ein Blick in die Geschichte könnte ihn beruhigen.

Die Bayern haben zuletzt vor neun Jahren in drei Pflichtspielen in Folge kein Tor erzielt - damals gewannen sie am Saisonende die Meisterschaft. Und zum vierten Mal die Champions League.

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