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Jens Lehmann (l.) tritt nach dem Zweikampf gegen Marko Marin aus © imago

Jens Lehmann benahm sich gegen Bremen erneut daneben. Fast schon symbolisch für die Probleme der Stuttgarter, die nun reagieren.

Von Rainer Nachtwey

München/Stuttgart - Die Worte von Markus Babbel in Richtung Jens Lehmann vor dem Spiel des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen klangen wie eine Drohung.

"Er muss sich hitzige und unüberlegte Aktionen verkneifen, nun langsam mal entspannter werden", forderte der Coach in der "Bild am Sonntag" von seinem mittlerweile 39 Jahre alten Routinier.

Geholfen hat es indes wenig.

Bei der 0:2 (0:1)-Heimpleite wenige Stunden später fiel Lehmann zum wiederholten Mal negativ auf.

Zusammenprall mit Marin

Im Zweikampf mit Bremens Marko Marin, zog der ehemalige Nationaltorwart seinen Fuß hoch, traf den Gegner am Bein.

Anschließend lieferten sich beide noch ein heftiges Wortgefecht, ehe Schiedsrichter Florian Meyer die beiden nach einer Ermahnung trennte.

Auch wenn Marin die Aktion herunterspielte - "War da irgendetwas? Ich kann mich an nichts erinnern" - sorgte "Mad Jens" erneut für Kopfschütteln bei seinem Trainer und beim Gegner.

Werders Sportdirektor Klaus Allofs nahm die Aktion nicht so locker wie sein Spieler, ging aber einer direkten Anklage aus dem Weg.

"Ich will keine Spieler anschwärzen", sagte Allofs, "und solche Aktionen will ich nicht kommentieren. Aber das hat ja jeder gesehen."

Wiederholungstäter Lehmann

Zumal es nicht Lehmanns erste Aktion in dieser Saison war, bei der er sich in der Öffentlichkeit als Rüpel darstellte.

Nachdem für das Pokalspiel in Lübeck aus dem Kader gestrichen wurde, rempelte er beim folgenden Spiel in Frankfurt beim Einlaufen einen Fotografen, so dass der stürzte. 144097(DIASHOW: Lehmanns Ausraster)

Zur vorübergehenden Suspendierung hatte ein mit dem Verein nicht abgesprochener Oktoberfestbesuch geführt.

Ausgerechnet nach der Heimniederlage gegen den 1. FC Köln, bei der Lehmann durch seinen Ausflug aus dem Tor das 0:2 verschuldete.

Gegen Bremen bester Stuttgarter

An der nächsten Pleite am Sonntag gegen Bremen war Lehmann dagegen schuldlos und verhinderte sogar mehrfach einen höhere Niederlage.

Dennoch passt Lehmanns wiederholte Verhaltensauffälligkeit im Moment zum Auftreten der gesamten Mannschaft, die meilenweit von der Glanzform der letzten Rückrunde entfernt ist.

Nach dem Abrutschen auf Platz 13 stecken die Schwaben in der Krise, und Babbel machte dafür vor allem seine nominellen Leistungsträger verantwortlich. (DATENCENTER: 8. Spieltag).

Kritik an Nationalspielern

"Jetzt muss ich sie auch mal in die Pflicht nehmen", meinte er vor allem mit Blick auf die erneut schwächelnden Thomas Hitzlsperger, Sami Khedira und Cacau.

"Vor allem die Nationalspieler sind jetzt gefragt. Sie müssen sich darauf besinnen, erstmal ihre Hausaufgaben im Verein zu machen."

Doch sämtliche Auswahlspieler fehlen dem VfB nun wegen der WM-Qualifikation bis zum Tag vor dem nächsten Spieltag, so dass an vernünftiges Arbeiten kaum zu denken ist.

Ratloser Babbel muss nicht zum Lehrgang

"Das ist Gift in der momentanen Situation", meinte Sportdirektor Horst Heldt und zog die Reißleine:

Am Montag erwirkte er in einem Gespräch mit DFB-Chef-Ausbilder Frank Wormuth, dass Babbel zumindest in dieser Woche den Trainerlehrgang in Köln schwänzen darf.

Allerdings wirkt der im Vorjahr so erfolgreiche Trainer-Neuling derzeit zusehends ratloser.

Besonders die Lethargie im Stuttgarter Spiel kann sich Babbel nicht erklären. Er vermisse "die Leidenschaft der Rückrunde", sagte Babbel.

Ein Rezept zur Lösung der Probleme hat der frühere Nationalspieler aber nicht, wie er offen einräumte:

"Wenn es so einfach wäre, würden wir den Schalter umlegen."

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