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Luca Toni wechselte 2007 vom AC Florenz zum FC Bayern München © imago

Der Italiener trägt "viel in Wut" in sich und will sich auf dem Platz beweisen. Einen vorzeitigen Abschied schließt er aber nicht aus.

Von Rainer Nachtwey

München - Der bisherige Saisonverlauf war für Bayern-Stürmer Luca Toni sehr unbefriedigend: Eine Achillessehnenreizung warf ihn in der Vorbereitung aus der Bahn und der lange Weg zurück in die Mannschaft zieht sich hin.

Selbst den Umweg über die FCB-Reserve musste der Weltmeister von 2006 in Kauf nehmen, um sich wieder ans Team heranzutasten.

Nach der Rückkehr in die erste Mannschaft beim Pokalspiel gegen Oberhausen folgte jedoch der Rückschlag. Für die Partien in Hamburg und gegen Juventus Turin strich ihn Trainer Louis van Gaal aus dem Kader.

Für den Italiener eine riesige Enttäuschung.

"Ich habe ja sogar in der Dritten Liga gespielt. So groß war meine Lust auf das Spiel gegen Juve. Aber ich wurde eben nicht aufgestellt. Es ist doch normal, dass man dann enttäuscht ist", sagte der 32 Jahre alte Stürmer in der "Bild".

Trotz Singen keine Lust auf Zuschauerrolle

Zumal ihm die Rolle als Zuschauer überhaupt nicht behagt: "Ich leide sehr, wenn ich auf der Tribüne sitze", beschreibt Toni die Situation. "Für mich ist es beschwerlich ins Stadion zu gehen, wenn ich nicht selbst spielen kann."

Er fühle sich dann wie ein Fan und singe eben bei den Liedern mit. Dabei glaubt Toni, dem FC Bayern nicht nur mit seinem Gesang helfen zu können.

"So gut wie im ersten Jahr"

Vielmehr ist er davon überzeugt, die Torflaute der Münchner - 0:1 in Hamburg, 0:0 gegen Juve und 0:0 gegen Köln - beenden zu können.

"Ich fühle mich wieder richtig gut. So wie im ersten Jahr bei Bayern", sagt der Italiener, der die Münchner 2007 mit 24 Treffern als Torschützenkönig zur Meisterschaft geschossen hatte.

Die "Enttäuschung und Wut" über die Nichtberücksichtigung will Toni in positive Energie umwandeln und sich "auf dem Platz beweisen. Ich möchte Bayern helfen, die Bundesliga zu gewinnen und mich für die WM empfehlen", führt er aus.

Angst um WM-Platz

Denn um seinen Platz in der italienischen Nationalmannschaft macht sich Toni große Sorgen. "Ich sehe meine WM-Teilnahme absolut in Gefahr! Ich fühle mich als Italiener und bin stolz, für meine Nation spielen zu können."

Nach der Pause aufgrund der WM-Qualifikation, die er nicht bei der "Squadra Azzurra" sondern mit Training in München zubringt, will Toni in der Bundesliga wieder angreifen.

Erstes Opfer soll der SC Freiburg werden. "Die Hoffnung ist sehr groß. Ich will nur wieder auf den Platz und den Leuten beweisen, dass ich noch da bin. Ich denke, dass mir meine Wut über diese unbefriedigende Situation dabei helfen wird."

Unterstützung von Hitzfeld

Dabei stellt Toni klar, dass diese Wut sich nicht gegen Coach Louis van Gaal richte.

"Ich verstehe den Trainer durchaus. Er hat fünf Stürmer zur Auswahl und denkt derzeit, dass ich derjenige bin, der am wenigsten in Form ist", sagt Toni. "Ich persönlich denke hingegen, dass ich bereit bin."

Unterstützung erhält Toni im Kampf um einen Stammplatz von Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. "Ich habe mit Bayern München mit Luca Toni und Miroslav Klose gute Erfahrungen gemacht. Das ist ein Stürmer-Duo, das seinesgleichen in Europa sucht", sagte der Schweizer Nationalcoach im DSF.

"Van Gaal hat sicher mit Luca Toni noch einen Trumpf in der Hand und wenn er diesen Trumpf zieht, wird er wieder erfolgreich sein", führt Hitzfeld aus.

Verhandlungen in der Winterpause?

Sollte sich an seiner Situation bis zur Winterpause nichts ändern, müsse man sich an einen Tisch setzen, um "eine Lösung zu finden. Ich weiß nicht, was im Januar passieren wird."

Allerdings wolle er seinen Vertrag bis 2011 erfüllen: "Ich will für Bayern spielen!"

Zumal er sich beim FC Bayern und in München wohl fühlt 159303(DIASHOW: Die Bayern auf der Wiesn). "Mit Mario Gomez, Ivica Olic, Thomas Müller und Miro Klose habe ich ein hervorragendes Verhältnis. Sie haben mir immer Mut gemacht und gefragt: 'Wann spielst du wieder? Wir warten auf dich'."

Zum Gewinnen verdammt

Und auch die Anhänger lägen ihm sehr am Herzen. "Die Fans sind nett und wohlwollend", sagt Toni. "In Italien würde in unserer Situation ein ganz anderes Klima herrschen. Aber wir dürfen uns ab jetzt keine Fehler mehr erlauben." (DATENCENTER: Bundesliga)

Nach den Investitionen in Höhe von 70 Millionen Euro "sind wir verdammt dazu, zu gewinnen".

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