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Streckt Bruno Labbadia (l.) bald seine Fühler nach van der Vaart aus? © getty

Noch steht der Hamburger SV bestens da. Doch die großen Träume drohen aufgrund der schlimmen Verletztenmisere zu platzen.

Von Daniel Rathjen

München - Der Ausfall des kompletten ersten Sturms schockt den Hamburger SV.

Die Misere erreichte mit der Verletzung von Mladen Petric beim 3:1 in Berlin vorläufig den traurigen Höhepunkt.

Es ist der sechste Ausfall, den die Hanseaten in dieser Saison verkraften müssen.

Zuvor hatten sich bereits Alex Silva (Kreuzbandriss), Collin Benjamin (Kreuzbandriss), Bastian Reinhardt (Mittelfußbruch), Marcell Jansen (Meniskusverletzung) und Paolo Guerrero (Kreuzbandriss) langfristig krank gemeldet.

Den Hamburgern droht nach dem Traumstart mit 20 Punkten aus acht Partien der Absturz von Platz zwei.

Wann der Paradesturm in dieser Saison wieder vereint ist, ist völlig offen. Mit Glück könnte das wieder ab Mitte März der Fall sein. Das hängt vor allem von Guerreros Genesung ab.

"Eine Tragödie"

"Die Situation ist eine Tragödie", klagt David Jarolim.

Nicht nur dem Kapitän wird jetzt bewusst: "Es wird sehr hart, das aufzufangen. Solche Spieler kann man nicht ersetzen. Es wird brutal schwer, oben zu bleiben", zitiert ihn der "kicker".

An Nachkäufe denkt Coach Bruno Labbadia derzeit trotzdem nicht. Er erklärte gegenüber mehreren Medien, dass es bei seinem Nein zu einer Verpflichtung des Ex-Dortmunders Ebi Smolarek bleiben werde.

Smolarek kommt nicht

"Im Augenblick würde ich das ausschließen. Ich glaube nicht, dass uns jemand, der vier Monate nicht gespielt hat, weiterhelfen könnte", sagte der HSV-Coach. Der vereinslose Smolarek hatte in der vergangenen Woche ein Probetraining bei den Hanseaten absolviert.

Labbadia verwies darauf, dass man schon den Ausfall von Paolo Guerrero kompensiert habe und dies auch bei Petric plane. "Ich habe großes Vertrauen in die Mannschaft und sehe das als Prüfung", so der 43-Jährige.

Absage an alle Vereinslosen

Es ist gleichzeitig eine Absage an weitere Stürmer mit klangvollem Namen.

Denn auch Mark Viduka (zuletzt Newcastle), Sylvain Wiltord (Olympique Marseille) oder Christian Vieri (Atalanta Bergamo) sind aktuell ohne Vertrag.

Ohne Verstärkungen sind Labbadias Möglichkeiten begrenzt. Einzig verbliebener Angreifer ist Marcus Berg.

Der Schwede hat zwar enormes Potenzial und auf internationaler Ebene bereits viermal getroffen, doch in der Liga präsentierte sich der 23-Jährige bislang nicht als treibende Kraft im Sturm.

Wer füllt die Lücken?

Ändert Labbadia deshalb sein 4-4-2-System? Wohl nicht. Der Trainer wird aller Voraussicht der eingespielten Variante vertrauen.

Neben Berg könnten als zweite Spitze Eljero Elia oder Jonathan Pitroipa agieren. Auch Tunay Torun käme in Frage.

"Wir alle müssen enger zusammenrücken", fordert Labbadia im "kicker". "Wir haben eine Top-Ausgangslage geschaffen und jetzt stellen wir uns der Herausforderung", sagt er kämpferisch.

Die Rückschläge wurmen den Coach, der gleichzeitig auch noch als Sportchef arbeitet, sie werfen ihn aber nicht um:

"Unsere Bedingungen waren schon im Sommer nicht einfach. Ich habe deshalb einen großen Glauben an die Mannschaft."

Nachrüsten im Winter

Und trotz allem gibt es auch noch einen positiven Nebeneffekt. Ab der siebten Verletzungswoche übernimmt die Berufsgenossenschaft die Lohnzahlungen für die Verletzten.

Dadurch wird der HSV Gehälter in einer Höhe von rund zwei Millionen Euro einsparen. Das ist Geld, das in der Winterpause verwendet werden könnte.

Denn dass dann nachgerüstet wird, ist sehr wahrscheinlich. Petric wird zur Rückrunde zwar wieder fit sein, doch der Kader bleibt offensiv zu dünn besetzt.

Der Bundesliga-"Dino" sondiert den Markt schon seit Wochen. Und eine Personalie könnte im Januar ganz heiß werden.

Van der Vaart bleibt Thema

Rafael van der Vaart elektrisiert die Fans an der Elbe noch immer. Der "kleine Engel", wie er in Hamburg einst aufgrund seiner bezaubernden Spielweise getauft wurde, fristet bei Real Madrid ein Leben als Bankdrücker.

Noch ist unklar, ob der HSV die Rückholaktion finanziell stemmen kann und ihn aus sportlicher Sicht überhaupt verpflichten will. Doch eine Ausleihe könnte sehr wohl ein Thema werden.

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