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Sebastian Deisler erklärte mit 27 Jahren seinen Rücktritt vom Profifußball © imago

Bei seinem ersten Fernsehauftritt seit seinem Rücktritt wirkt er ausgeglichen. Aber dann kommen ihm doch noch fast die Tränen.

Berlin - Relativ ausgeglichen wirkte Sebastian Deisler beim ersten Fernseh-Auftritt seit seinem Rücktritt als Profi.

Nur an einer Stelle versagte ihm seine Stimme für einen Moment.

"Dieser eine Punkt in Berlin ist mir ganz wichtig, denn da sind Sachen passiert, die waren unterste Schublade. Da habe ich lange dran zu knabbern gehabt. Ich möchte, dass die Leute das wissen", sagte der 29-Jährige bei "Stern-TV".

Dieser Stachel sitzt tief, das merkt man Deisler an.

Sein Oberkörper schnellt aus dem roten Ledersessel nach vorne, und die Arme gestikulieren, wenn er über das Kapitel Hertha BSC Berlin spricht.

"Es geht mir nicht darum, wieder in die Öffentlichkeit zu gehen, sondern darum, dass die Wahrheit gesagt wird."

Am Donnerstag erschien seine Biographie "Zurück ins Leben", in der er knapp drei Jahre, nachdem er zermürbt von Verletzungen und Depressionen seine Karriere beendet hatte, einen Einblick in sein Seelenleben gibt und gleichzeitig mit den Hertha-Verantwortlichen abrechnet.

"Das ist der Verräter"

Nach Bekanntwerden seines Wechsels von Berlin zu Bayern München seien "ein paar üble Sachen passiert", erklärte Deisler.

"Man hat mich hingestellt und gesagt: Das ist der Verräter. Das ist derjenige, der alle belogen hat. Aber das ist nicht die Wahrheit."

Laut Deisler, der unter anderem Morddrohungen erhielt, sei es ursprünglich der alleinige Wunsch des Vereins gewesen, den Wechsel geheimzuhalten.

Der damalige Manager Dieter Hoeneß hatte sich bereits gegen die Vorwürfe gewehrt: "Das als seinen Genickschuss zu bezeichnen, geht entschieden zu weit."

Zu früh, zu viel

Doch nicht nur der geräuschvolle Abgang aus der Hauptstadt hatte Deisler psychisch zugesetzt.

Der Druck, der auf den technisch begabten Profi nach dem "Rumpelfußball" der DFB-Elf zur Jahrtausendwende lastete, war zu groß für "Basti-Fantasti", wie er damals gerufen wurde.

"Es war zu früh zu viel. Ich war das Jahrhunderttalent, der Retter des deutschen Fußballs. Ich sollte als erster Krieger aufgebaut werden", sagte er.

Doch Deisler sucht die Gründe für seine unvollendete Karriere auch bei sich selbst: "Ich habe teilweise versucht, etwas zu sein, was ich nicht war."

Noch nicht zurück im Leben

Zudem wäre es im Rückblick besser gewesen, das Elternhaus nicht bereits mit 15 Jahren zu verlassen, "um es der großen Fußball-Welt zu zeigen", meinte der 36-malige Nationalspieler.

Heute gehe es ihm "besser als noch vor zweieinhalb Jahren", vollständig "Zurück im Leben", wie seine Biographie es andeutet, sei er jedoch noch nicht: "So weit ist es noch nicht ganz. Ich bin auf dem Weg dorthin. Ich gebe nicht auf."

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