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Louis van Gaal im Wandel der Zeit: Jetzt muss der Trainer oft grübeln © getty

Acht Spiele, achter Platz: Die 100-Tage-Bilanz von Louis van Gaal beim FC Bayern ist unbefriedigend. Es wartet noch viel Arbeit.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Eigentlich ist es nie still an der Säbener Straße.

Doch während der Länderspielpause geht es doch beschaulich zu im Leistungszentrum des FC Bayern.

Mark van Bommel arbeitet hart für sein Comeback, auch Andreas Ottl und Christian Lell lassen sich blicken.

13 Akteure sind dagegen mit ihren Nationalteams unterwegs. Und selbst Louis van Gaal ist verreist.

Am 100. Tag seiner Amtszeit weilt der Cheftrainer in den Niederlanden, um dort seine Biografie vorzustellen.

Kommenden Dienstag beim Testspiel in Regensburg wird der Coach seine Arbeit wieder aufnehmen. Einen Tag früher als eigentlich geplant.

In seinem Buch porträtiert er sich übrigens als einen fanatischen Toptrainer, dem es hier und da an Feingefühl mangelt.

"Prozess" läuft noch

Er hat eine direkte Art, er scheut sich nicht, einem Profi ins Gesicht zu sagen, was er von ihm hält.

Die Stars in München mussten sich erst an die direkte Art des Niederländers gewöhnen. Dass sie teilweise im Training regelrecht zusammengeschrien wurden, war ungewohnt.

Der "Prozess", von dem der 58-Jährige seit Saisonbeginn spricht, ist aber längst nicht vollendet.

Acht Spiele, zwölf Punkte und nur Tabellenrang acht stehen bislang zu Buche. Das ist unbefriedigend (DATENCENTER: Bundesliga).

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß sind noch nicht nervös, aber seit der vergangenen Saison mit Jürgen Klinsmann sehr wachsam.

Noch kein "Voetbal totaal"

Dass es statt "Voetbal totaal" oft nur "Experimente total" gab, werden sie registriert haben.

Eingangs hatte van Gaal betont, er richte ein System nach dem vorhandenen Personal aus, setzte dann aber doch sein bevorzugtes 4-3-3 durch.

Den FC Bayern kostete das 24 Millionen Euro, für den Außenstürmer Arjen Robben.

Eine Handschrift des neuen Trainers ist dabei durchaus zu erkennen, die Münchner legen Wert auf viel Ballbesitz, Pass-Stafetten und Ordnung.

Aber nach dem vollmundigen Amtsantritt van Gaals am 1. Juli hatten sich viele einen reibungsloseren Start erhofft.

Licht und Schatten

Starke Vorstellungen wie gegen den VfL Wolfsburg (3:0) oder in der Champions League gegen Juventus Turin (0:0) wechseln sich mit ernüchternden Auftritte wie in Mainz (1:2) oder gegen den 1. FC Köln (0:0) ab.

"Ich denke nicht, dass die Preise jetzt verteilt werden, sondern immer in den Monaten April und Mai", sagt van Gaal selbst dazu.

Was jedoch schwer wiegt: Die Spitzenteams der Liga, Bayer Leverkusen und der Hamburger SV, haben einen Vorsprung von acht Punkten.

Hitzfeld warnt

Euphorie komme derzeit nicht auf, befand Präsident Franz Beckenbauer.

"Bei Bayern ist immer der Erfolg das Wichtigste und nicht die Spielphilosophie und das System", warnt indes Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld im DSF.

Zugleich glaubt er aber an einen Aufschwung. "Ich bin überzeugt, dass Louis van Gaal die Resultate bald einfahren wird."

Auch van Gaal ist der Meinung, dass er den Rekordmeister wieder auf Erfolgskurs bringen wird.

"Ich bin ein sehr direkter Trainer. Ich trainiere mehr das Gehirn als die Beine. Ich bin fanatisch beim Training, das ist schwierig für die Spieler", beschreibt der 58-Jährige seine Art.

Er eckt an und sorgt mit seinem rigorosen Leistungsprinzip auch schon mal für Verunsicherung.

Mario Gomez oder Ivica Olic wunderten sich, dass sie trotz ihrer Treffer plötzlich wieder auf der Bank saßen. Seit drei Spielen wartet die Bayern-Offensive auf ein Tor.

Andererseits verhalf van Gaal den Eigengewächsen Holger Badstuber und Thomas Müller zu einem Sensations-Aufstieg.

"Ära ist erst am Anfang"

Dagegen tun sich gerade die für viel Geld geholten neuen Spieler schwer.

Gegen Köln stand der bislang nicht überzeugende Edson Braafheid als einziger Neueinkauf in der Startformation. Danijel Pranjic ist keine Verstärkung, ebenso wie Anatoliy Tymoshchuk.

In den ersten Saisonspielen war zudem zu spüren, dass die Gegner den FC Bayern nicht mehr wie einst fürchten.

Doch genau das will van Gaal wieder erreichen. 159303(DIASHOW: Die Bayern auf der Wiesn)

"Die Ära von Louis van Gaal ist noch am Anfang. Er kann jeden Spieler besser machen. Wir werden mit ihm Erfolg haben", prognostiziert Bastian Schweinsteiger. Es wartet noch viel Arbeit.

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