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Unzufriedenheit bei Trainer Michael Frontzeck (l.) und Spieler Thorben Marx © getty

Nach Anfangseuphorie findet sich Gladbach im Tabellenkeller wieder. Frontzeck steht unter Druck - und hat keinen Bonus.

Von Julian Ignatowitsch

München - Nach gutem Saisonstart (sieben Punkte aus vier Spielen) und anfänglicher Euphorie ist Borussia Mönchengladbach spätestens zur Länderspiel-Pause wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

"Wir sind im Abstiegskampf angekommen", lautet die korrekte Feststellung von Sportdirektor Max Eberl.

"Die Leichtigkeit und Überzeugung der Anfangszeit ist einer extremen Verunsicherung gewichen", räumt Trainer Michael Frontzeck nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge ein.

Die Fakten sind ernüchternd: Tabellenplatz 15, über 250 Liga-Minuten ohne Torerfolg, die drittschlechteste Abwehr, dazu das Pokal-Aus daheim gegen Zweitligist Duisburg.

Trainer früh unter Druck

Zu allem Überfluss hat die Borussia am Freitagabend auch noch in einem Testspiel gegen Vitesse Arnheim mit 0:1 verloren.

Kein Wunder, dass der zu Saisonbeginn neu verpflichtete Trainer schon unter gewaltigem Druck steht, auch wenn Eberl versichert: "Es gibt keine Trainerdiskussion."

Doch die Hoffnung des Managements, das Trainerkarussell abzustellen und dem Wort Kontinuität in Mönchengladbach wieder Bedeutung zu geben, hat einen ersten Dämpfer erlitten.

"Es gibt nichts schön zu reden. Der Wind bläst uns richtig ins Gesicht?, sagt Eberl - und gibt damit auch einen Wink in Richtung Trainer.

Kein Bonus für Ur-Gladbacher

Auf einen Bonus ob seiner tiefen Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Mönchengladbach und 213 BL-Spielen für den Verein kann Frontzeck nämlich kaum hoffen. Bereits vor ihm mussten das mit Rainer Bonhof und Ewald Lienen zwei Gladbacher Urgesteine erfahren.

Bonhof, mittlerweile zwar Vize-Präsident bei den "Fohlen", scheiterte in seiner Funktion als Trainer nach weniger als einem Jahr. Unter ihm stieg die Borussia zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab.

Lienen musste das Team nach gerade einmal einem halben Jahr wegen anhaltender Erfolglosigkeit verlassen.

Selbst Jupp Heynckes kennt das Gefühl des Scheiterns bei der Borussia. Nach einer langen erfolgreichen ersten Phase zwischen 1979 und 1987, gab er im zweiten Anlauf schon nach der Hälfte der Saison 2006/07 ratlos auf und trat zurück.

M'gladbach ist nicht Bielefeld

Kritiker höhnen schon, Frontzeck werde nach Alemannia Aachen und Arminia Bielefeld auch seinen dritten Bundesligaklub in die Zweite Liga führen.

Dass der 45-Jährige gerade in Bielefeld lange Zeit beachtlich viel aus den bescheidenen Möglichkeiten gemacht hat, verschweigen sie.

Dennoch ist klar, dass das Umfeld und dementsprechend auch die Erwartungen in Mönchengladbach andere sind. Allein vor dieser Saison investierte die Borussia 10,5 Millionen Euro in neue Spieler, 2,1 Millionen mehr als sie auf dem Transfermarkt einnahm.

Frontzeck fordert Geduld

Frontzeck fordert Geduld: "Es ist ein Prozess", erklärt er: "Die Mannschaft ist im letzten Winter und jetzt im Sommer neu zusammengestellt worden und es ist klar, dass es solche Phasen gibt."

Die Mannschaft müsse nun "Zähne zeigen", um schnellstmöglich wieder "Boden unter den Füßen" zu bekommen. Eberl wird noch deutlicher: "Spieler wie Arango, Marx oder Meeuwis müssen jetzt vorneweg gehen."

Kapitän kommt zurück

Auch die Rückkehr des verletzten Verteidigers Filip Daems stimmt die "Fohlen" optimistisch.

"Wir müssen den Trend schnellstmöglich drehen, haben nach der Länderspielpause zwar ein schwieriges Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg, aber auch dort müssen und werden wir alles versuchen, um wieder in die Spur zu kommen", gibt der Kapitän die Marschroute vor.

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