Im Sport1.de-Interview spricht Andreas Luthe, aktuelle Nummer eins des VfL Bochum, über seine Mama, seinen Blitzstart und Ambitionen.

Von Daniel Rathjen

München - Er hat dafür gekämpft.

"Tag für Tag", wie er selbst sagt.

Andreas Luthe ist die Nummer eins des VfL Bochum - zumindest momentan.

Seit der C-Jugend spielt der Torhüter beim Revierklub und war vor der Saison für die Regionalligamannschaft vorgesehen.

Der 22-Jährige hat die Vereinsphilosophie verinnerlicht. Nun erfüllt sich gerade seinen Traum vom Bundesliga-Keeper.

Luthe wusste schon immer genau, was er wollte und er war schlau genug, auf seine Chance zu lauern.

Als sich der Stammtorwart Philipp Heerwagen beim 0:3 gegen 1899 Hoffenheim am 12. September einen Kieferbruch zuzog, schlug seine Stunde.

Luthe feierte einen Einstand nach Maß.

Mit starken Paraden machte er sowohl beim 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg als auch anschließend beim 1:1 gegen Meister VfL Wolfsburg auf sich aufmerksam.

Im Sport1.de-Interview spricht der Schlussmann über seine Mama, den Blitzstart und Ambitionen.

Sport1.de: Herr Luthe, Sie sind mittlerweile "echter" Fußballprofi. Dabei war ihre Mutter Gabi strikt dagegen, oder?

Andreas Luthe: Das ist nicht ganz richtig. Sie hat das ein bisschen kritischer gesehen als andere und hätte es wohl lieber gehabt, wenn ich zunächst etwas Solides gelernt hätte. Aber Mütter bevorzugen ja generell den sicheren Weg für ihre Kinder.

Sport1.de: Was hätten Sie denn machen sollen, etwa auch eine kaufmännische Lehre?

Luthe: Ja, irgendwie so etwas wahrscheinlich.

Sport1.de: Kneifen Sie sich manchmal? Am 18. Oktober werden Sie vor 80.000 Zuschauern beim Derby gegen Dortmund auflaufen...

Luthe: Ich weiß ja noch gar nicht, ob ich spiele! (lacht) Aber wenn ich spiele, dann habe ich damit sicherlich kein Problem. Ob vor 30.000, 40.000 oder 80.000 ist letztlich aber auch nicht so wichtig. Entscheidend ist, was auf dem Platz passiert.

Sport1.de: Die Atmosphäre berührt Sie gar nicht?

Luthe: Doch, definitiv. Das ist schon ein cooles Gefühl. In solch einem Stadion wie in Dortmund, vor so einer Kulisse, das ist schon etwas Besonderes. Aber es hat keinen Einfluss auf mein Torwartspiel.

Sport1.de: War Ihnen das Ziel, Profi zu werden, immer vor Augen?

Luthe: Ja, dafür habe ich Tag für Tag hart trainiert. Jetzt hat es sich ausgezahlt. Dass es so schnell ging und der Einstand so gelungen ist, dazu gehört natürlich auch Glück. Und ich weiß, dass auch mal Rückschläge kommen werden. Aber daraus will ich dann lernen.

Sport1.de: Und irgendwann werden Sie dann so wie Ihr Vorbild Edwin van der Sar...

Luthe: Ja, ich habe immer gesagt, dass van der Sar ein ausgezeichneter Torwart ist, den ich gerne spielen sehe. Hier in Bochum kann ich in erster Linie von Torwart-Trainer Peter Greiber eine Menge lernen. Er hat mich so geformt, dass ich in der Bundesliga spielen kann. Ohne ihn hätte ich das wohl nicht geschafft.

Sport1.de: Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Luthe: Nicht sehr aufregend (lacht). Eher sachlich. Aber wenn es etwas zu sagen gibt, dann sage ich es. Auf dem Platz ist es egal, wie alt man ist. Es geht darum, das Spiel zu gewinnen. Und ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Sport1.de: Sie haben sich mit Ihren Leistungen Respekt erarbeitet. Spüren Sie, dass die Kollegen Sie nun mit anderen Augen wahrnehmen?

Luthe: Ich habe den Vorteil gehabt, dass ich in der Vorbereitung auch schon ein Spiel absolvieren durfte. Dabei haben die Jungs gemerkt, dass sie sich auf mich verlassen können. Das ist in unserer Situation sehr wichtig.

Sport1.de: Ist es schon an der Zeit, Ansprüche auf die Nummer eins zu stellen?

Luthe:(lacht) Nein, das wäre vermessen. Ich bin seit der C-Jugend beim VfL und mein Ziel ist es, irgendwann die Nummer eins zu sein. In dieser Saison ist es noch nicht so weit, ich habe noch einiges zu lernen. Wenn Philipp Heerwagen wiederkommt, hat er es auch verdient, zu spielen. Er war in den ersten Spielen ein sicherer Rückhalt für uns.

Sport1.de: Beim 1:1 gegen Wolfsburg haben Sie Ihrem Verein mit starken Paraden einen Punkt gerettet. Eine Selbstverständlichkeit für Sie?

Luthe: Du darfst dir eben in der Bundesliga nicht eine Minute eine Auszeit nehmen und keine Fehler erlauben. Die werden sofort bestraft.

Sport1.de: Schafft der VfL denn den Klassenerhalt?

Luthe: Wir sind auf einem guten Weg. Der Einsatz stimmt und die Liga ist so ausgeglichen, dass jeder jeden schlagen kann. Über Sieg oder Niederlage entscheidet oft allein die Einstellung, der Kampfgeist. Und den haben wir.

Sport1.de: Sie kämpfen gleichzeitig für einen neuen Vertrag, Ihrer läuft zum Saisonende aus. Wie geht es weiter?

Luthe: Der VfL ist mein erster Ansprechpartner. Ich habe dem Klub viel zu verdanken. Aber meine Aktien steigen und ich werde weiter hart dafür arbeiten, dass das so bleibt.

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