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In der vergangenen Saison parierte Tim Wiese in München einen Elfmeter von Luca Toni © getty

Werder Bremen will sich mit einem Erfolg bei den Bayern für den schwachen Saisonstart reahbilitieren. Der Sport1.de-Teamcheck.

Von Matthias Becker

München - Der Saisonbeginn von Vizemeister Werder Bremen verlief alles andere als gelungen.

Nur ein Sieg in vier Ligaspielen, dazu die blamable Vorstellung beim 0:0 zum Champions-League-Auftakt gegen Außenseiter Anorthosis Famagusta:

Der Druck auf die Bremer wächst vor dem Bundesliga-Topspiel bei Bayern München, was man nicht zuletzt an der scharfen Kritik von Kapitän Frank Baumann an den eigenen Mitspielern ablesen kann.

"Die beste Gelegenheit, die Dinge geradezurücken"

Neben dem Erfolgsdruck bietet die Partie in der Münchner Arena den Bremern aber auch die Chance zum ultimativen Befreiungsschlag: Ein Sieg bei den Bayern und Werder wäre mit dem Rekordmeister wieder gleich auf und zurück im Kreis der Spitzenteams.

"Die Partie bei den Bayern ist die beste Gelegenheit, die Dinge wieder geradezurücken. Ich sehe uns nicht chancenlos, wir haben uns vorgenommen, etwas zu holen", weiß deshalb auch Werder-Sportdirektor Klaus Allofs, auch wenn er ergänzt: "Von der Tendenz her ist Bayern aber Favorit."

Vor dem Kracher (Samstag, ab 15 Uhr LIVE) vergleicht Sport1.de beide Teams im Head-to-Head und erklärt, warum die Bayern die Favoritenrolle inne haben.

Torhüter:

Tim Wiese ist der einzige Bremer, der in dieser Saison schon ein uneingeschränkt positives Erlebnis hatte: Er wurde von Bundestrainer Joachim Löw erstmals in den Kader der Nationalelf berufen. Zudem spielte er bislang auch eine konstante Saison.

Gegenüber Michael Rensing hat nach langen Jahren auf der Bank die Nachfolge von Oliver Kahn übernommen. Während Bayern-Präsident Franz Beckenbauer noch darauf wartet, dass Rensing auch mal einen "Unhaltbaren" rausholt, erlebte der Keeper beim Champions-League-Auftakt in Bukarest einen schweren Abend.

Einzelne Unsicherheiten paarten sich mit etwas Glück und solidem Stellungsspiel - am Ende stand die Null, trotzdem:

Vorteil: Bremen

Abwehr:

Die Umstellung des Spielsystems auf ein 3-5-2 ist die taktisch bislang auffälligste Entscheidung des neuen Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann. Der Lohn für seinen Mut: Die Bayern-Defensive steht mit Martin Demichelis, Lucio und Daniel van Buyten stabil und vor allem van Buyten erlebt unter Klinsmann einen neuen Frühling.

Bei den Bremern bereitet die Defensive Sorgen: In vier Bundesligaspielen kassierte die Elf von Trainer Thomas Schaaf schon sechs Gegentreffern. Zudem fällt gegen die Bayern Nationalspieler Clemens Fritz aus. Vom formschwachen Außenverteidiger gingen zuletzt aber auch zu wenig Offensivimpulse aus.

Vorteil: Bayern

Mittelfeld:

Noch gegen Energie Cottbus gelang es Werders lange vermisstem Mittelfeld-Zauberer Diego, dem Spiel mit einer Einzelaktion inklusive Traumtor die entscheidende Wendung zum Guten zu geben.

Gegen Famagusta wartete man vergeblich auf einen Geistesblitz des kleinen Brasilianers oder seiner Mittelfeldkollegen. Auch Torsten Frings konnte keine entscheidenden Impulse setzen. Er fällt in München aber, ebenso wie Fritz und auch Daniel Jensen, ohnehin aus.

Die Bayern müssen weiter auf Franck Ribery verzichten, der sein geplantes Comeback verschieben muss. Daher lasten die Kreativaufgaben im Bayern-Mittelfeld auf den Schultern des ehemaligen Langzeit-Sorgenkinds Bastan Schweinsteiger - und der blüht im Fünfermittelfeld in neuer Rolle auf der Zehner-Position auf.

Weiterer Vorteil: Durch die taktischen Umstellungen kommen auch die Offensivqualitäten von Philipp Lahm noch mehr zum tragen.

Vorteil: Bayern

Angriff:

Ein unzufriedener Lukas Podolski, ein angeschlagener Miroslav Klose und ein Luca Toni, der nach langer Verletzungspause in der italienischen Nationalmannschaft ausgepfiffen wird: Der Bayern-Angriff bietet eigentlich reichlich Konfliktstoff.

Trotzdem erzielten die Münchner in den vergangenen beiden Bundesliga-Spielen sieben Tore, fünf davon durch Stürmer.

Die Werder-Angreifer stehen dagegen unter Beschuss. Vor allem Rückkehrer Claudio Pizarro bekommt die Kritik ab, dabei bieten die Kollegen Markus Rosenberg, Boubacar Sanogo und Hugo Almeida auch nicht viel mehr an.

Pizarro hat sich für den Auftritt bei seinem Ex-Verein trotzdem viel vorgenommen: "Wenn ich in München zwei bis drei Tore mache, dann sind es vielleicht zehn Prozent, die mir noch fehlen."

Vorteil: Bayern

Fazit:

3:1 für die Bayern

Der Befreiungsschlag für Werder ist eher unwahrscheinlich. Zumal die Bayern einen weiteren Vorteil auf ihrer Seite haben:

Am Samstag wird in München das Oktoberfest eröffnet - und da sind die Bayern immer besonders gut drauf: Von 71-"Wiesn-Heimspielen" in der Bundesliga haben sie nur sechs verloren.

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