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Friedhelm Funkel übernahm am 3. Oktober den Hauptstadt-Klub © imago

Im Sport1.de-Interview nennt Herthas Trainer Funkel Gründe für die Berliner Misere und verrät, wie er aus der Krise will.

Von Matthias Fiedler

München - Beim Tabellenletzten Hertha BSC brennt es derzeit lichterloh. Feuerwehrmann Friedhelm Funkel soll die Hauptstädter nun retten.

Doch die Heimpremiere gegen den Hamburger SV ging für den Hoffnungsträger nach hinten los.

"Es braucht eben alles seine Zeit", weiß Funkel und lässt erkennen, dass man von der Mannschaft nicht sofort große Wunder erwarten kann.

Im Interview mit Sport1.de erläutert der 55-Jährige, wo es bei den Hauptstädtern im Moment klemmt, spricht über Unglücksraben Sascha Burchert und erklärt wie er die Wende schaffen will.

Sport1.de: Herr Funkel, Sie sind jetzt seit einer guten Woche Trainer bei Hertha. Wie haben Sie sich eingewöhnt?

Friedhelm Funkel: Mit meinem Einstand kann ich nicht zufrieden sein. Trotzdem habe ich mich gut eingelebt und kann auf die hundertprozentige Rückendeckung des Vereins setzen. Für mich gibt es im Moment nur Hertha und sonst nichts.

Sport1.de: Haben Sie ein bestimmtes Ritual, wenn Sie ein neues Team übernehmen?

Funkel: Nein. Ich muss so arbeiten, wie es die Situation erfordert. Und das mache ich in Berlin genau wie mit allen anderen Mannschaften zuvor auch.

Sport1.de: Was erfordert denn Ihrer Meinung nach die derzeitige Situation?

Funkel: Wir müssen uns in allen Bereich verbessern, viele Gespräche führen und den Spielern ihr Selbstbewusstsein zurückgeben. Dazu bedarf es in der Bundesliga natürlich noch ein paar Erfolgserlebnisse.

Sport1.de: Fehlt dem Team eine Kämpfermentalität?

Funkel: Es ist nicht die Kämpfermentalität, die fehlt. Die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen waren in den letzten Partien einfach zu groß. Wir haben in der Defensive viele Fehler gemacht und sind mit den Torchancen zu fahrlässig umgegangen.

Sport1.de: Ihr Trainer-Kollege Jürgen Röber sagte uns, dass es immer Ihr Traum gewesen sei, bei Hertha zu arbeiten. Könnte sich dieser Traum jetzt in einen Albtraum verwandeln?

Funkel: Mein Engagement in Berlin wird nie ein Albtraum werden. Denn ich freue mich, hier Trainer zu sein. Und die Mannschaft wird in den nächsten Wochen alle Hebel in Bewegung setzen, um aus der jetzigen Schieflage herauszukommen.

Sport1.de: Im Angriff hakt es im Moment gewaltig. Artur Wichniarek hat bisher kein Tor gemacht. Und seine Sturmpartner Adrian Ramos und Raffael sind bisher nicht wirklich in Erscheinung getreten. Ist das nicht besorgniserregend?

Funkel: Solche Situationen gibt es immer wieder. Aber da darf man als Coach nicht verzweifeln, sondern muss das Gespräch suchen. In Trainingsspielen fordere ich daher von jedem den Abschluss, damit die Sicherheit so schnell wie möglich zurückkehrt.

Sport1.de: Jaroslav Drobny ist noch verletzt, Timo Ochs auch. Bleibt Sascha Burchert nach seinen drei Gegentreffern gegen Hamburg vorerst die Nummer eins?

Funkel: Lassen Sie mich eines vorwegnehmen: Sascha Burchert trägt keine Schuld an den Toren. Er hat alles richtig gemacht, hervorragend mitgespielt und all das getan, was ich von einem Torwart erwarte. Dass der Ball dann unglücklicherweise zweimal zum Gegenspieler kommt ? dafür kann der Junge nichts. In so einer Situation darf Kaka nicht wie versteinert dastehen, sondern muss schneller schalten und die Torlinie besser absichern.

Sport1.de: Also vertrauen Sie Ihrem Nachwuchs-Keeper.

Funkel: Natürlich. Sascha zeigt im Training sehr gute Leistungen und falls Jaroslav Drobny in Nürnberg noch nicht spielen kann, wird er auf jeden Fall im Tor stehen.

Sport1.de: Was denken Sie, ist mit diesem Spielerpotenzial noch drin?

Funkel: Das kann ich noch nicht sagen, schließlich ist die Saison erst acht Spieltage alt. Aber wir haben bisher nur drei Punkte geholt, was kein gutes Vorzeichen ist. Ziel muss es sein, so schnell wie möglich aus der Abstiegszone zu kommen. Aber selbst das dauert seine Zeit und braucht Geduld.

Sport1.de: Vielleicht braucht es auch ein paar neue Spieler in der Winterpause...

Funkel: Ob wir nachverpflichten werden, kann ich jetzt weder mit ja noch mit nein beantworten. Fakt ist, dass ich dieser Mannschaft erstmal das Vertrauen schenke. Meine Spieler sind gut - das haben sie in den vergangenen Monaten bewiesen. Nun müssen sie an diese Leistungen wieder anknüpfen.

Sport1.de: Aufgrund der Länderspielpause haben Sie eine Woche mehr Zeit. Was lässt sich da noch bewegen?

Funkel: Wir haben in den letzten Tagen sehr hart trainiert, viel in kleinen Gruppen gearbeitet. Jeder hat mir gezeigt, dass er unbedingt in die Mannschaft will. Das ist schon mal das erste Licht am Ende des Tunnels.

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