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Bruno Labbadia begann seine Trainerkarriere beim SV Darmstadt 98 © imago

Bruno Labbadia kommt an beim HSV. Was macht der Trainer also anders als noch bei Bayer Leverkusen? Sport1.de gibt Antworten.

Von Daniel Rathjen

München - Er ist besessen.

"Ich bin gierig nach Siegen! Im Siegen finde ich Befriedigung", hat Bruno Labbadia einmal über sich selbst gesagt.

Sein Name steht für Akribie. Das Arbeiten hat er im Blut. Und er liebt den Fußball.

Bei Bayer Leverkusen scheiterte der Trainer in der vergangenen Saison trotzdem. Mit dem Hamburger SV steht Labbadia aber nun punktgleich mit seinem Ex-Klub an der Tabellenspitze.

Am Samstag kommt es zum brisanten Wiedersehen - und alle fragen sich: Was macht er in Hamburg anders?

Der Makel, dass sein Abgang aus Leverkusen nicht geräuschlos über die Bühne ging, haftet an dem 43-Jährigen.

In einem Interview vor dem Pokalfinale gegen Werder Bremen hatte er sich Luft verschafft und die Bayer-Verantwortlichen hart attackiert.

Zoff in Leverkusen

Die Spieler sollen ihn nach der Niederlage in Berlin in der Kabine verhöhnt haben.

Es war bekannt, dass es zwischen ihm und den Profis in Leverkusen immer wieder Zoff gab, weil er nicht bereit war, Zugeständnisse zu machen.

Labbadia spricht nicht gerne über diese Vergangenheit. "Ich denke jetzt nur noch an den HSV", stellt er im "kicker" klar, "aber grundsätzlich werde ich meine Art nicht ändern."

Lob von HSV-Profis

Nach mehr als 100 Tagen in Hamburg wird aber deutlich: Seine Art kommt an. Niemand redet mehr von Martin Jol, den es zu Ajax Amsterdam zog.

"Bruno Labbadia arbeitet mit uns sehr akribisch und weiß genau, was er möchte. Zudem legt er sehr viel Wert auf taktische Dinge", urteilt Jerome Boateng, der unter Labbadia zum A-Nationalspieler avancierte, auf Nachfrage von Sport1.de.

Er ergänzt: "Ich denke, man hat zuletzt gesehen, dass wir gut gearbeitet haben."

Routinier Ze Roberto lobt Labbadia ebenfalls bei Sport1.de. "Er zeigt uns immer wieder auf, worauf wir achten müssen. Das ist sehr gut", findet er.

Vielleicht ist Labbadia erfolgreich, weil er flexibler geworden ist.

Mehr Flexibilität

"Ich verlange von meinen Spielern, dass sie sich permanent weiterentwickeln. Also verlange ich das auch von mir", merkt der Coach an. "Wenn Dinge vor einem Jahr nicht funktioniert haben, muss ich die überprüfen", weiß Labbadia.

Bei Greuther Fürth und Leverkusen ließ er noch ein spektakuläres 4-1-3-2-Offensivsystem spielen, in Hamburg hat er die Ausrichtung an das Spielermaterial angepasst.

Mit Ze Roberto und David Jarolim setzt er auf die wohl beste Doppel-Sechs der Liga.

Zugeständnisse und Leidenschaft

Bei Bayer beklagten sich die Spieler oft über fehlende Pausen, jetzt achtet Labbadia penibel genau darauf.

Freie Sonntage sind keine Seltenheit. Rekonvaleszenten bekommen Zugeständnisse.

Paolo Guerrero erholt sich derzeit in der Heimat Peru von seinem Kreuzbandriss, Marcell Jansen durfte sein Wochenende in Mönchengladbach bis Montag verlängern.

Jansen hat aufgeholt

"Wir wollen langfristig etwas von ihm haben, deshalb hätte es nichts gebracht, ihn zu schnell zu bringen. Die Länderspielpause war für ihn extrem wichtig, um aufzuholen", hat Labbadia eingesehen.

Er versucht seinen Spielern die Leidenschaft zu vermitteln. "Ich sage ihnen immer: Ihr könnt fünf Ferraris besitzen, aber bestimmte Momente könnt ihr nicht kaufen, die müsst ihr erleben. Das macht mich selbst gierig, immer mehr erreichen zu wollen."

Das Wiedersehen mit Leverkusen, einem Kader, für dessen Zusammenstellung er mit verantwortlich war, ist brisant. Nicht nur, weil der Zweite den Ersten empfängt.

Brisantes Wiedersehen

Nur zu gerne würde Labbadia seinem Ex-Klub zeigen, wie stark er und seine Mannschaft sind.

Improvisieren muss er allerdings im Angriff. Guerrero und Mladen Petric sind schwer verletzt. Neben Marcus Berg könnte der Trainer Eljero Elia in die Spitze beordern.

Der wiedergenesene Jansen könnte dann wiederum den Part im linken offensiven Mittelfeld übernehmen.

Der Ex-Münchner hat sich ohnehin hohe Ziele gesetzt. Nach den Teamkollegen will auch er sein WM-Ticket lösen. "Wenn ich gesund war, habe ich immer zum Aufgebot gehört. Und es wäre doch klasse, wenn mit Boateng, Piotr Trochowski und mir drei Hamburger bei der WM wären."

Labbadia würde es ebenfalls begrüßen.

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