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Rodolfo Cardoso (l.) und Andreas Zeyer spielten 1993 bis 1995 gemeinsam in Freiburg © imago

Vor dem Gastspiel des FCB in Freiburg erinnern sich die Breisgau-Recken Andreas Zeyer und Rodolfo Cardoso an legendäre Duelle.

Von Thorsten Mesch und Martin Volkmar

München - Wenn der SC Freiburg am Samstag (Sa., ab 15 Uhr LIVE) gegen den FC Bayern antritt, könnten bei den Verantwortlichen im Tross der Münchner ein paar unangenehme Erinnerungen wach werden. (DATENCENTER: Der 9. Spieltag)

Nach dem Aufstieg des Sportclub im Jahr 1993 kassierte der Rekordmeister bis 1996 bei den Breisgauern drei Niederlagen in Folge.

Im Aufstiegsjahr wurden die Bayern nach einem Dreierpack von Uwe Wassmer mit 3:1 nach Hause geschickt. 1996 gab es wieder ein 3:1, der Niederländer Harry Decheiver, bekannt unter dem Spitznamen "der Knipser", erzielte zwei Tore.

Sagenhafte Klatsche

Spektakulärer Höhepunkt aus Sicht der Freiburger aber war das 5:1 am 23. August 1994. Zweimal Rodolfo Esteban Cardoso, Martin Spanring, Ralf "Kanzler" Kohl und Jörg Heinrich trafen für die Mannschaft von Trainer Volker Finke.

"Das werde ich nie vergessen", erinnert sich Cardoso im Gespräch mit Sport1.de: "Dass ein kleiner Verein wie Freiburg fünf Tore gegen Bayern schießt, war ein Riesenerfolg."

Auch Andreas Zeyer schwärmt noch heute von den Überraschungscoups: "Die Spiele, die wir zuhause gegen die Bayern gewonnen haben, gerade in der Anfangszeit nach dem Aufstieg, die waren schon toll."

Zeyer, mit insgesamt 402 Einsatzen für den SC, 236 davon in der Bundesliga und damit immer noch Erstliga-Rekordspieler der Breisgauer, war bei allen drei Siegen dabei und erinnert sich an leichte Konzentrationsschwächen der Münchner.

Genauso gut wie die Münchner

"Die Bayern waren oft nicht so präsent auf dem Platz, und wir hatten einfach ein unheimlich großes Engagement. Und da hatten sie dann nichts entgegenzusetzen. Aber es liegt ja immer auch ein stückweit am Gegner", meint der ehemalige Mittelfeldspieler.

"In dem Jahr, als wir 5:1 gewonnen haben, waren wir von der Qualität her nicht schlechter als die Bayern und unser Engagement war deutlich höher. Das hat sich dann auch im Ergebnis niedergeschlagen", sagt der 41-Jährige, der heute in der Nähe von Ulm lebt und im familieneigenen Betrieb mit Stahlbau und Agrarsystemen zu tun hat.

Kontakt zu ehemaligen Teamkollegen hat Zeyer heute nicht mehr, aber an sein persönliches Highlight gegen die Bayern erinnert er sich gerne zurück.

"Die Bayern an die Wand gespielt"

"Das 5:1 war für mich das herausragende Spiel. Da hatten wir eine wirklich gute Mannschaft. Das Ergebnis war vollkommen gerechtfertigt. Wir haben die Bayern einfach an die Wand gespielt", erinnert sich Zeyer, der von 1989 bis 1997 und von 1999 bis 2004 in Freiburg spielte.

"Wir waren das zweite Jahr in der Bundesliga, die Euphorie bei den Fans war groß und hat sich auch auf dem Platz niedergeschlagen. Dann spielt man sich irgendwann in einen Rausch, und so war es dann auch."

Es dauerte bis 1998, als die Bayern den ersten Sieg im damaligen Dreisamstadion einfahren konnten, Zeyer stand nach einem Gastspiel beim Hamburger SV gerade beim Karlsruher SC unter Vertrag.

Kahn Opfer eines Golfballs

Beim zweiten Bayernsieg war Zeyer schon wieder zurück im Breisgau. Doch nicht nur wegen der 1:2-Niederlage bleibt ihm die Partie im April 2000 in unguter Erinnerung.

Ein Jugendlicher hatte einen Golfball in Richtung Oliver Kahn geworfen und den Bayern-Torwart an der Schläfe getroffen. Die Bilder des stark blutenden Kahn sind wohl jedem Fußballfan noch in Erinnerung.

"Die Sache war sehr gefährlich für Oliver Kahn und sollte natürlich nicht passieren", meint Zeyer, der auch sein letztes Heimspiel gegen die Bayern wohl nie vergessen wird: 0:6 gingen die Freiburger im Dezember 2003 gegen die Münchner unter.

"Das war so ein Spiel, in dem wir nur hinterher gelaufen sind. An solchen Tagen sieht man aber gegen fast jeden Gegner alt aus."

Zeyer: Müssen alles geben

Für das Spiel am Samstag hat Zeyer keine großen Befürchtungen, dass sich ein solches Debakel - 2005 verlor Freiburg im Pokal-Viertelfinale sogar 0:7 - noch einmal wiederholen könnte.

"Wenn die Bayern sich als Mannschaft finden und ihr großes Potenzial abrufen, wird es sicher schwer", glaubt der Ex-Profi.

Wenn die Freiburger an ihr Maximum gingen, hätten sie aber eine Chance. Denn das mit dem Potenzial abrufen hätten die Bayern "ja zuletzt nicht immer getan".

Lahm zeigt sich hochmotiviert

Bayern-Nationalspieler Philipp Lahm zeigt sich gegenüber Sport1.de allerdings hochmotiviert: "Es ist enorm wichtig, in Freiburg den Dreier einzufahren, weil wir schon gewaltigen Rückstand auf die Spitze haben."

Cardoso - der am Tag der Neuauflage Freiburg - Bayern 41 wird - wünscht sich trotzdem einen weiteren Coup seines alten Vereins: "Ich hoffe, dass Freiburg den Sieg am Samstag wiederholen kann."

Er tut das nicht aus reiner Nostalgie: Mittlerweile ist er als U-23-Coach beim Hamburger SV angestellt. Und für den "wäre das natürlich eine ganz große Hilfe".

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