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Da kommt Freude auf: Dreifach-Torschütze Patrick Helmes (M.) lässt sich feiern © imago

Ein Hattrick macht Bayers Patrick Helmes zum besten Liga-Torschützen - und verbessert seine Karten auch im Nationalteam.

Von Christian Paschwitz

Leverkusen - Mit seinen drei Treffern beim 4:0 (2:0) auf der Baustelle BayArena zerlegte er Hannover 96 quasi im Alleingang.

Und ganz am Ende war unverkennbar, dass Patrick Helmes sich aus seiner Rolle des Vorarbeiters für die etablierten Leverkusener Angreifer Theofanis Gekas und Stefan Kießling inzwischen endgültig zum Architekten des neuen Leverkusener Fußball-Bauwerks aufgeschwungen hat.

Drei Tore hatte der vor Saisonbeginn vom Zweitligisten 1. FC Köln gekommene Helmes erzielt (19./59./66.) - die personifizierte Torfabrik der Liga, der jetzt beste Goalgetter in der heimischen Spielklasse, lief bei seinen Saisontreffern Nummer vier bis sechs einmal mehr auf Hochtouren.

Zuvor hatte auch Simon Rolfes (5.) sein Scherflein beigetragen zum deutlichen Sieg gegen die Gäste, die nach ihrer dritten Saisonpleite schweren Zeiten entgegen gehen.

Während die Riege von Coach Bruno Labbadia ("Ein sehr, sehr schöner Abend") zumindest vorübergehend auf den zweiten Rang sprang.

Hannover war zwar ohne fünf Stammspieler angetreten und von einer Grippewelle heimgesucht worden. Fraglich ist dennoch, ob das Team von Trainer Dieter Hecking mit Christian Schulz, Arnold Bruggink, Mike Hanke, Mikael Forssell sowie Steven Cherundolo mehr entgegenzusetzen gehabt hätte.

Jan Schlaudraff gesellte sich zu allem Übel mit Verdacht auf Außenmeniskusschaden während des Spiel zu den Ausfällen dazu. Was er bis dato miterlebt hatte, nannte Nationaltorwart Robert Enke nicht zu Unrecht "eine Vorführung und ein Desaster".

Vor allem den quirligen Hattrick-Schützen Helmes bekamen die 96-er nicht in den Griff.

Labbadia und Völler schwärmen

Der hat mit der eindrucksvollen Demonstration seiner Vollstrecker-Qualitäten auch seine Chancen enorm erhöht, am 11. und 15. Oktober gegen Russland und Wales in der WM-Qualifikation zum Zug zu kommen. Zumal die Konkurrenten Lukas Podolski und Miroslav Klose (beide FC Bayern) ihrer Bestform weiter hinterhinken.

"Er hat diese außergewöhnliche Gabe beim Torabschluss, egal ob mit links oder rechts", schwärmte Labbadia. "Ich habe das Gefühl, dass er bereit ist, den nächsten Schritt zu machen." Auch Sportdirektor Rudi Völler meinte, Helmes müsse sich "auch in der Nationalelf hinter keinem verstecken".

Der so Gelobte hielt den Ball flach: "Ich beschäftige mich nicht aktiv mit dem Thema Nationalelf, die Aufstellung entscheidet der Bundestrainer."

Im Moment des Leverkusener Triumphs schickte der Torjäger stattdessen ein Generallob an die Teamkollegen: "Ich kann nur so gut spielen, wie die anderen die Dinger vorbereiten." Das taten sie vorbildlich: Dem 1:0 vorausgegangen war eine starke Aktion von Renato.

Renato, Castro und Barnetta glänzen

Der Brasilianer zog mit herrlichem Doppelpass in den Strafraum. Sein Pass von links in den Rücken der Abwehr erreichte am Elfmeterpunkt Helmes, der den Ball mit viel Übersicht unter die Latte setzte.

Sehenswert auch der zweite Treffer: Arturo Vidal passte scharf in den Strafraum. Von dort leitete Gonzalo Castro den Ball direkt weiter auf Helmes, der in der Mitte aus sechs Metern goldrichtig stand und überlegt einnetzte. Tranquillo Barnetta schließlich legte Helmes das 4:0 auflegte. Es wirkte wie blindes Verständnis.

Bis 2013 hat Helmes seinen Vertrag bei Bayer verlängert, wurde in der Halbzeitpause bekannt. "Dass wir das vor und nicht nach dem Spiel gemacht haben, lässt mich doch ein wenig besser schlafen", gestand Völler. "Da es sehr viele reiche englische Vereine gibt, wollten wir erst gar nichts Falsches aufkommen lassen."

Auch Helmes ist mit dem neuen Kontrakt offenbar mehr als zufrieden. "Man sieht einfach, dass wir guten Fußball spielen. Wir werden in Zukunft noch viel Erfolg haben", schwärmte er. "Auf andere Vereine schaue ich gar nicht. Hier entsteht etwas Großes." So sprechen engagierte Architekten.

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