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Louis van Gaal (r.) begann seine Trainerkarriere 1986 beim AZ Alkmaar © imago

Der Coach der Bayern gibt sich vor dem Spiel in Freiburg ungemein selbstsicher. Nur Alex Ferguson und Fabio Capello seien erfolgreicher.

Von Felix Götz

München - Jürgen Klinsmann hatte in Zeiten des Misserfolgs die Verantwortlichen und die Fans des FC Bayern immer wieder vertröstet, indem er auf Prozesse hinwies, die Zeit brauchen würden.

Umso erschrockener war so mancher, als Trainer Louis van Gaal vor der Partie am Samstag beim SC Freiburg (ab 15 Uhr LIVE) plötzlich in dieselbe Kerbe schlug.

"Ich bin ein Prozesstrainer. Wir stehen erst am Anfang, wir sind noch nicht so weit", erklärte der Niederländer, der betont locker auftrat.

Mit dieser Art der Erklärung wird der 58-Jährige bei Sportdirektor Christian Nerlinger, der unmissverständlich jetzt Ergebnisse fordert, wohl aber nicht mehr oft auf Verständnis stoßen.

"Sie können mich rauswerfen"

Das weiß auch van Gaal, scheint ihn allerdings nicht sonderlich zu stören. Der frühere Trainer des FC Barcelona schmunzelte und provozierte was das Zeug hielt und erklärte für den Fall, dass seine Elf auch im Breisgau Punkte liegen lässt: (DATENCENTER: Der 9. Spieltag)

"Sie können mich rauswerfen, und dann? Es gibt keinen Trainer mit einem besseren Lebenslauf. Wenn ich jetzt weg wäre, wen sollte Bayern dann verpflichten? Ferguson? Capello? Die haben vielleicht mehr Titel geholt, sind aber besetzt."

Bereits im August hatte van Gaal die Verantwortlichen ähnlich herausgefordert: "Wenn sie kein Vertrauen haben, dann ist Schluss. Dann gehe ich."

Der Mann, der vor der Saison vom AZ Alkmaar an die Isar kam, scheint sich seiner Sache sicher zu sein. Auch, weil beim Rekordmeister eine ernsthafte Trainerdiskussion (noch) tabu ist.

Kein Wunder: Eine vorzeitige Entlassung würde nach der Pleite mit Klinsmann in der vergangenen Saison einer persönlichen Niederlage für Uli Hoeneß Co. gleichkommen.

Beckenbauer lobt van Gaal

"Van Gaal ist ein Fachmann, ein Lehrer, ein Fußball-Lehrer. Also ganz anders, genau das Gegenteil von Jürgen Klinsmann", hatte Franz Beckenbauer gegenüber der "Hamburger Morgenpost" dem Trainer den Rücken gestärkt.

Allerdings sagte auch der "Kaiser": "Du musst die Spiele gewinnen."

Die Tabellensituation ist angesichts von acht Punkten Rückstand auf den Hamburger SV und Bayer Leverkusen bedrohlich, eigentlich ist ein Sieg beim Aufsteiger bereits Pflicht.

"Bin nicht nervös"

"Jeder Spieler, jeder Trainer, der Sportdirektor und auch der Vorstand weiß, dass wir jetzt Ergebnisse brauchen. Diesen Druck haben wir alle. Ich habe viele Jahre Erfahrung. Ich bin nicht nervös", erklärt van Gaal.

Trotz der Länderspielpause, in der zahlreiche Spieler des FC Bayern mit ihren Nationalteams in aller Welt verstreut waren, glaubt sich van Gaal gut gewappnet.

Die letzten Tage seien gut für den FC Bayern gewesen, meinte der zweimalige spanische Meistercoach und verwies darauf, dass einige Nationalspieler wie Miroslav Klose nur wenige Minuten zum Einsatz kamen.

Andere spielten gar nicht und nutzten die Zeit, um ihre Verletzungen auszukurieren.

Robben doch nicht dabei

Zwar wird Franck Ribery weiterhin auf unbestimmte Zeit ausfallen und auch Ivica Olic am Wochenende nicht spielen können, dafür stößt Kapitän Mark van Bommel wieder zur Mannschaft.

Van Bommel wird gegen Freiburg definitiv auflaufen, aber nicht über 90 Minuten. Unsicher ist deshalb, ob der Niederländer von Beginn an auflaufen wird, oder eingewechselt wird.

Arjen Robben steht dagegen doch nicht zur Verfügung. Der niederländische Nationalspieler klagte nach dem Abschlusstraining des Rekordmeisters am Freitag über leichte Probleme und verzichtete auf die Reise.

Robben, der vor zwei Wochen am Knie operiert worden war, wird am Wochenende in München behandelt. Er soll nach Möglichkeit beim Champions-League-Spiel am Mittwoch in Bordeaux in den Kader zurückkehren.

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