vergrößernverkleinern
Grafite kam 2007 von Le Mans UC nach Wolfsburg © getty

Erstmals seit mehr als 18 Monaten droht Grafite gegen Gladbach die Bank. Veh sucht bei Sport1.de Erklärungen für seine Krise.

Von Martin Hoffmann und Mathias Frohnapfel

München - Der schärfste Sprengsatz ist in der Länderspielpause ohne viel Aufhebens entschärft worden.

Wolfsburgs Stürmerstar Grafite hat 10.000 Euro an "Ein Herz für Kinder" gespendet und sich öffentlich für seine Trainerkritik nach der Auswechslung beim 1:1 in Bochum entschuldigt.

"Natürlich" sei damit alles ausgeräumt, meint Coach Armin Veh nun gegenüber Sport1.de.

Alles wieder gut also zwischen dem Deutschen Meister und seinem Torschützenkönig? Nicht unbedingt. Es könnte auch gut sein, dass der Stress mit dem Duell am Sonntag gegen Mönchengladbach (ab 15 Uhr LIVE) erst richtig losgeht.

Der tiefere Grund ist nicht aus der Welt

Der tiefere Grund für Grafites Zwist mit Veh ist schließlich nicht aus der Welt.

Der Ballermann der vergangenen Spielzeit ist außer Form, und Veh muss seine Konsequenzen daraus ziehen.

Grafite droht gegen Gladbach die Bank - es wäre das erste Mal seit März 2008, das er dort Platz nehmen müsste.

Ein Gefühl, wie lange das her ist, bekommt man durch die Zusatzinformation, dass damals ein gewisser Danijel Ljuboja an seiner Stelle auflief.

"Die meisten können das nicht wiederholen"

In der Meistersaison saß Grafite nie draußen, wenn er fit war. Und mit sensationellen 28 Toren in 25 Spielen schoss er die "Wölfe" zum Titel - träumte auch von einer WM-Teilnahme mit Brasilien.

"Die meisten Torjäger konnten das im zweiten Jahr nicht wiederholen", weiß Veh.

Aber Grafites Niedergang ist bislang besonders dramatisch: Nur zwei Treffer in acht Ligaspielen, einer davon per Elfmeter.

Drastisch verschlechterte Torquote

Besonders seine Chancenverwertung hat sich drastisch verschlechtert: In der Meistersaison saß statistisch gesehen noch jeder dritte Schuss, im Moment tut das nicht einmal jeder neunte.

Richtig überzeugend war der 30-Jährige nur mit seinem Dreierpack in der Champions League gegen ZSKA Moskau.

Doch das blieb ein Strohfeuer.

"Er muss lockerer bleiben"

Was ist los mit Grafite? "Als Stürmer ist es der schwierigste Job überhaupt", meint Veh. "Du brauchst Selbstvertrauen und die Tore dazu."

Grafite mache sich zusätzlich Druck, weil er im Vorjahr so überragt hatte: "Da muss er lockerer bleiben."

Es wird aber kaum zu Grafites Auflockerung beitragen, dass Neuzugang Obafemi Martins kräftig mit den Hufen scharrt.

Martins empfiehlt sich

Mit dem Jokertor zum 1:1 in Bochum hat sich der starke Nigerianer wieder eine Empfehlung für einen Stammplatz abgegeben.

Leidtragender bei einer Beförderung Martins' wäre Grafite, zumal Sturmpartner Edin Dzeko nahtlos an die Vorsaison anknüpft. 106199(DIASHOW: Die gefährlichsten Torjäger-Duos)

In der WM-Qualifikation tankte er auch mit zwei Treffern für Bosnien-Herzegowina weiter Selbstvertrauen.

Nicht nur Grafites Seelendoktor

Das fehlt Grafite - und die vielen Auswechslungen haben ihren Anteil daran.

Aber Veh macht klar, dass er es sich nicht zur Hauptaufgabe machen kann, Grafites Seelendoktor zu spielen.

"Jeder Spieler verdient Vertrauen", erklärt er: "Doch als Trainer müssen Sie jede Woche die Mehrzahl der Spieler enttäuschen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel