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Markus Babbel beerbte Armin Veh im November 2008 als VfB-Coach © getty

Der Trainer schlägt Alarm, der Sportchef hat Albträume, der Star muckt auf. in Stuttgart kriselt es vor dem Schalke-Spiel heftig.

München/Stuttgart - Der Sportvorstand klagt über schlaflose Nächte, der Trainer attackiert die Profis, und der Star muckt auf.

Beim VfB Stuttgart treten die Krisensymptome nach dem durchwachsenen Saisonstart offen zu Tage.

"Die Jungs wissen: Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern eine Minute vor zwölf. Jeder Einzelne ist gefordert, angefangen bei mir. Es gibt nun keine Alibis mehr, alle müssen Farbe bekennen", formuliert Trainer Markus Babbel vor dem Schalke-Spiel (Sa., 15 Uhr LIVE) ein prächtiges Phrasen-Panorama.

In acht Spielen haben die Schwaben nur acht Punkte gesammelt, nur noch drei Zähler trennen sie von einem Abstiegsplatz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Heldt hat Albträume

Und auch in der Champions League hat der VfB mit zwei Unentschieden gegen die international zweit- oder drittklassige Konkurrenz seine Erwartungen nicht erfüllt.

Am Dienstag kommt der spanische Topklub FC Sevilla an den Neckar - momentan ein schier übermächtiger Gegner.

"Der Schlaf wird nicht ruhiger", stöhnte Sportvorstand Horst Heldt dieser Tage und berichtete von Albträumen.

Attacke auf die Nationalspieler

Die Schuldigen an der Misere haben Heldt und Babbel in der Mannschaft gefunden. Der Coach attackierte öffentlich seine Nationalspieler.

Diese träumten nur noch von der WM und vernachlässigten dabei den VfB, monierte er. Andere würden psychisch angeschlagen "mit Bleiwesten und Skischuhen" daherkommen.

Heldt ("Die Spieler geben zu wenig Gas") drohte gar indirekt mit Rauswürfen: "Wenn einer negativ auffällt, ziehen wir Konsequenzen."

Hleb will Spielmacher sein

Die Profis gaben sich weitgehend selbstkritisch, gaben hier und da aber auch Kontra - allen voran Alexander Hleb.

"Man hat gesehen, dass dieses System, das wir momentan spielen, nicht effektiv genug ist. Wir haben zu wenig Kreativität, wir haben ein Riesen-Loch im Zentrum", moserte der Star, der wegen seiner Verletzungsanfälligkeit noch nicht die erhoffte Verstärkung ist.

Eine Möglichkeit sei es, ergänzte Hleb, "mit einem klassischen Spielmacher" zu spielen - und brachte praktischerweise gleich sich selbst für diese Rolle ins Spiel.

"Sache der Einstellung"

Babbel ließ immerhin durchblicken, über einen Systemwechsel weg von zwei defensiven Mittelfeldspielern zu einer Raute nachzudenken: "Der Reiz des Neuen" spräche dafür.

Nationalspieler Sami Khedira hält von dieser Diskussion jedoch gar nichts. "Momentan ist es scheißegal, welches System wir spielen. Für mich ist es eine Sache der Einstellung", sagte er.

Die Probleme seien vielmehr ähnlich gelagert wie in der vorvergangenen Spielzeit, als sich zu viele Profis auf dem gerade errungenen Meister-Lorbeer ausgeruht hätten.

Magath relativiert

Damals rettete sich der VfB nach zähem Start noch auf Platz sechs und über den UI-Cup in den UEFA-Pokal.

In diesem Jahr soll es mindestens Rang fünf sein. "Wir müssen so schnell wie möglich die Krise überwinden", sagte Khedira.

Felix Magath, Trainer der Schalker, glaubt sogar, dass das gelingt. "Ich halte die Probleme beim VfB für normal. Stuttgart wird sich wieder fangen und am Ende unter den Besten sein", sagte Magath.

Der einstige VfB-Coach fügte aber noch schelmisch grinsend an: "Sie müssen ja nicht am Samstag anfangen."

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